Dziersk beim Reckenfelder Treff Die Zwölf als magische Zahl

Reckenfeld -

Mit seinem Vortrag „Wo bitte geht’s zum lieben Gott? Oder: Die Kunst in Zeiten, als das Bauen noch geholfen hat“ begeisterte der Kunsthistoriker Dr. Martin Dziersk wieder einmal seine Zuhörer im Landhaus Rickermann. Sein Vortrag zur Romanik beschäftigte sich mit der Lesbarkeit von Kunstwerken und Architektur in dieser Epoche.

Von Vera Brüssow
„Ein Bild lügt mehr als tausend Worte“, das zeigte Dr. Martin Dziersk in seinem informativen Vortrag.
„Ein Bild lügt mehr als tausend Worte“, das zeigte Dr. Martin Dziersk in seinem informativen Vortrag. Foto: Vera Brüssow

Die Romanik herrschte im Mittelalter in Europa vor. Die Baukunst wurde durch die meist dreischiffige Basilika geprägt. „Viele lassen die Romanik mit Karl dem Großen beginnen“, so Dziersk . Der König des Frankenlandes und spätere Kaiser prägte die Romanik vor allem durch sein Mitwirken am Bau des Aachener Doms. Sein dortiger Thron ließ ihn als Mittler zwischen Himmel und Erde fungieren, was eigentlich Aufgabe des Papstes war. So wurde deutlich, dass Karl als der mächtigste und stärkste Mann des Abendlandes galt.

Karl wurde durch einen Pakt mit Papst Leo III. zum Kaiser: Leo, der 799 seine Aufgabe als Papst verlor, wandte sich an den damaligen König Karl. Dieser ernannte ihn wieder zum Papst, während Karl sich 800 von Leo im alten Petersdom zum weströmischen Kaiser krönen ließ. Immer wieder wurde die Beziehung zwischen Karl und Leo im Laufe des informativen Vortrags von Dziersk thematisiert.

„Ein Bild lügt mehr als tausend Worte“, diesen Satz ließ der Kunsthistoriker immer wieder fallen. Viele Bilder, die in der Romanik entstanden und die wichtigen Personen Karl und Leo zeigen, gelten als widersprüchlich und wurden auch in den nachfolgenden Jahren weiterhin falsch dargestellt.

Beispielsweise wurde die Krone von Kaiser Karl erst 160 Jahre nach seinem Tod fertiggestellt, trotzdem ist sie auf vielen Bildern, die diese Zeit darstellen, zu sehen. Die Krone, die aus acht goldenen Platten besteht, ist mit jeweils zwölf Edelsteinen und Perlen auf der Stirn- und Nackenplatte versehen und entstand in der Zeit um 960.

„Die Zahl Zwölf gilt als die Schlüsselzahl für das alte und neue Testament“, stellte Dziersk fest. Diese Zahl ist eine biblische Zahl, sie taucht dort an vielen Stellen auf. Auch Dziersk machte während seiner Rede immer wieder auf diese Zahl aufmerksam. Selbst das Lotharkreuz, das es heute noch im Domschatz Aachen zu sehen gibt, hat 144 Steine. Dziersk stellte die Wichtigkeit der Zwölf fest: „Denken Sie an den Mathe-LK, zwölf mal zwölf ergibt 144.“

Sogar in den Abmessungen des Doms zu Speyer spielt die Zahl eine Rolle. Der Speyerer Dom diente mit seiner architektonischen Gestaltung anderen Kirchenbauten wie zum Beispiel dem Naumburger oder Mainzer Dom als Vorbild. Somit gilt der Dom als stilbildend für die Romanik. In den Kirchen wurde Christus in Zeiten der Romanik auf den Kreuzen als lebendig und kraftvoll und nicht wie später als Leidender dargestellt. Rundbögen, Gewölbe und Säulen sowie die mächtigen Gebäude zeichnen diese Epoche aus und lassen den Dom in Speyer zum größten, romanischen Bauwerk Deutschlands werden. Durch seine zahlreichen Bilder, die Dziersk auf einer Leinwand präsentierte, wurde seine Kunstrede lebendig und fühlbar.

Im Frühjahr wird die Reihe mit einem Vortrag über die Gotik fortgesetzt.

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