Dreh im Jachthafen Fuestrup Sekundensammeln für die neue Wilsberg-Folge

Greven -

Am Montagmorgen wurden im Jachthafen Szenen für den nächsten Wilsberg-Krimi gedreht. Leonard Lansink und Rita Russek waren vor Ort. Ein Besuch am Set.

Von Peter Beckmann
Anna Springer (Rita Russek) und Georg Wilsberg (Leonard Lansink)  ermitteln im Jachthafen in Fuestrup. Nach fast jeder abgedrehten Szene werden auch Standbilder gemacht.
Anna Springer (Rita Russek) und Georg Wilsberg (Leonard Lansink)  ermitteln im Jachthafen in Fuestrup. Nach fast jeder abgedrehten Szene werden auch Standbilder gemacht. Foto: Peter Beckmann

Ekki hat Dienst, genau wie Overberg. Und Alex paukt gerade einen Mandanten vor Gericht heraus. Bleiben Georg und Anna. Die beiden sind im Jachthafen in Fuestrup und wollen dort ein Verhör durchführen.

Die meisten wissen jetzt sicher, worum es geht. Im Hafen am Kanal wurden am Montag einige Szenen für den neuen Wilsberg-Krimi gedreht. Erkenntnis: Leonard Lansink ist ein Netter, der E-Zigarette raucht, Rita Russek ist ein Früsseküddel und Dreharbeiten sind langweilig.

40 Techniker im Jachthafen

Montagmorgen, Jachthafen Fuestrup: Ein großer Trupp Menschen rückt mit noch mehr Technik an, Vorbereitungen für einen Dreh für den Münster-Krimi Wilsberg. „Es sind insgesamt so rund 40 Techniker und Helfer“, erklärt Produktionsleiter Klaus Rettig. Gedreht wird – da muss er selber gerade mal nachschauen – eine Sequenz für die Folge „Müll ist immer“. „Wir drehen immer zwei Krimi-Folgen gleichzeitig“, erklärt Rettig.

Zwei neue Folgen

Mit der Müll-Mafia und mit kriminellen Bankgeschäften hat es „Wilsberg“ in zwei neuen Fällen zu tun, die derzeit bis voraussichtlich zum 8. Dezember gedreht werden. In der Episode „Müll ist immer“ wird ein Müllmann tot in einer Tonne aufgefunden. Die Ermittlungen führen zu seinem Arbeitgeber, dem Entsorgungsunternehmen „Mynstermyll“. „Mörderische Rendite“ erzählt die Geschichte von Wilsbergs Freund Paul Dietze. Dessen angeblich lukrative Altersvorsorge, die ihm der angebliche „Vermögensberater“ einst aufgeschwatzt hatte, ist ein Reinfall.

Das, woran da den ganzen Tag in Fuestrup gearbeitet wird, ergibt letztlich 2,10 Minuten im Film. Ein gigantischer Aufwand. Beispiel: Kommissarin Anna Sprinker und Georg Wilsberg stehen vor ihrem Auto und wechseln zwei Sätze.

Erste Probe. Rita Russek in der dicken Daunenjacke und mit dick gefütterten Moonboots und Georg Lansink stehen vor dem Auto, das wiederum vor der Hafenkneipe geparkt ist. Vor ihnen aufgebaut die Kamera auf Schienen. Links wird ein großes weißes Brett hoch gehalten. Irgendwo an der Seite steht der Tontechniker und hält das puschelige Mikrofon mit Hilfe eines Auslegers über die Szene. 

Die beiden Schauspieler sprechen ihre Sätze – Stopp. Irgendjemanden stört das Schild „Geschlossen“ vor der Kneipe. Das wird weiter nach vorne geschoben. Neue Probe, das Schild steht immer noch nicht richtig. Dritte Probe, jetzt passt es.

Jetzt wird es ernst. Rita Russek wechselt die Jacke, die Moonboots bleiben an, die sieht man in der Szene nicht. Es wird gedreht, es wird zur Vorsicht noch mal gedreht – „bitte während der Aufnahme nicht fotografieren“ – und es passt. Pause.

Lansink hat die Ruhe weg

Die Techniker bauen die nächste Szene auf. Georg Lansink nuckelt an der E-Zigarette, die er aus der Hosentasche zieht, und unterhält sich mit den Zuschauern. Hier ein Selfie, dort ein Autogramm. Der Mann hat die Ruhe weg. Ist das nicht langweilig? „Nö, warum? Die Techniker machen doch nur ihren Job“, antwortet Lansink, der mit 23 Jahren die Schauspielerei begann, den aber kaum noch jemand unter seinem richtigen Namen kennt. Nervt das nicht, immer Wilsberg genannt zu werden? „Nein, überhaupt nicht. Das ist doch ein Zeichen dafür, dass das, was wir hier machen, beim Publikum sehr gut ankommt.“

Wieder mal Pause

Weiter geht‘s, nächste Szene. Der Aufbau hat 20 Minuten gedauert, die Szene selbst ergibt gerade mal fünf Sekunden. Wieder mal Pause.

Ist Theater spielen da nicht wesentlich interessanter? „Nein, finde ich nicht. Da hat man dann den ganzen Tag Pause“, entgegnet Wilsberg – sorry – Lansink mit einem Augenzwinkern.

53 Mal stand er bereits als Buchhändler und Detektiv vor der Kamera. Mit dem Text lernen hat er dabei kein Problem. „Wilsberg spricht ja nicht so viel“, sagte er. Da hätten es Alex und Ekki mit dem Fachvokabular schon schwerer.

Eine Szene wird an die andere gereiht, Mittag gibt es im nebenan aufgebauten Catering-Bereich, dann wird wieder gedreht, bis alles im Kasten ist.

Filmkneipe schenkt Münsteraner Klosterbräu aus

Und Hafenmeister Klaus Nowacki darf sogar einmal durchs Bild laufen, als Statist sozusagen. Doch dafür muss der kleine Aufnäher des Herstellers seiner Jacke überklebt werden – genau wie die Brauerei-Reklame an der Hafenkneipe. Dort gibt es jetzt Münsteraner Klosterbräu. Verrückte Welt.

Eine Folge Wilsberg kostet, so die Auskunft Rettigs, übrigens rund 1,3 Millionen Euro. Bei dem Aufwand – kein Wunder.

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