Schwerer Bandendiebstahl Per Geständnis zu milderer Strafe?

Greven/Münster -

Im Prozess wegen schweren Bandendiebstahls haben die Angeklagten die Flucht nach vorne angetreten und die Tatvorwürfe eingeräumt.

Von Hans-Erwin Ewald
Schwerer Bandendiebstahl: Per Geständnis zu milderer Strafe?
(Symbolfoto) Foto: colourbox.de

Dass sie mit einer langjährigen Haftstrafe zu rechnen haben, ist ihnen bewusst. Nach einer von den Verteidigern angeregten Verständigung über das Strafmaß stellte die Strafkammer bei einem lückenlosen Geständnis in Aussicht, dass viereinhalb bis fünfeinhalb Jahre für den 48 Jährigen, fünf bis sechs Jahre für den 24-Jährigen und bis zu sechseinhalb Jahren für dessen 42 Jahre alten Mitangeklagten nicht überschritten werden.

Nach mehrstündiger Beratung stimmten die Angeklagten und ihre Verteidiger dem vom Gericht genannten Strafrahmen zu.

Dem 24 bis 47 Jahre alten Trio aus Hamm legt die Staatsanwaltschaft in der Zeit von Dezember 2016 bis März 2017, 48 vollendete beziehungsweise versuchte Wohnungseinbruchsdiebstähle zur Last. Die Tatorte liegen in Lengerich, Greven und Lotte und erstrecken sich bis nach Oberbayern.

Erbeuteter Schmuck verkauft

Wie berichtet, brachen die Angeklagten am 27. und 28. Januar in jeweils vier Wohnungen ein. In Lengerich rissen sie mit brachialer Gewalt Wandtresore aus der Verankerung. Nachdem sie in Greven die Balkon- oder Terrassentüren aufgehebelt hatten, stiegen sie in die Wohnungen ein und entwendeten Schmuck, Bargeld und Elektronik.

Den 42 Jahre alten, vorbestraften Angeklagten sieht die Staatsanwältin als „Kopf“ der Bande. Nach Problemen in Italien war der Angeklagte 2016 nach Deutschland gekommen, um Arbeit zu finden. Als die Suche an der fehlenden Arbeitserlaubnis scheiterte, das Geld zu Ende ging, er aber zu essen benötigte, habe er viele Diebstähle und Diebstahlsversuche begangen, berichtete der Angeklagte. An Beckum und Orte in Bayern konnte er sich erinnern. An andere nicht. Bei einem Tatort in Hamm-Pelkum will er nie gewesen sein. Und Lengerich will er gar nicht kennen.

Das wollte ihm das Gericht so nicht abnehmen. „Sie reden um den Brei herum und sollen hier kein dummes Zeug erzählen“, stellte der Vorsitzende klar. Von einem Mitangeklagten, so der Angeklagte weiter, habe er sich ein Auto geliehen und sei rumgefahren. Wenn in den Häusern kein Licht war, dann seien er und sein Landsmann eingebrochen. Der erbeutete Schmuck wurde verkauft.

Prozess wird fortgesetzt

Deutlicher wurde dann der 24-jährige Mitangeklagte. Um auf Arbeitssuche zu fahren, hatten er und der 42-Jährige gemeinsam ein Auto gekauft. Weil sie aber nichts fanden, fiel die Entscheidung, ab Dezember 2016 zu klauen. Wie es sich so ergeben hatte, wurden dann Ortschaften nahe der Autobahn angefahren. Er habe dann an die Fenster geklopft, um zu sehen, ob jemand im Haus war. „Ich bin dann rein und habe alles genommen, was für mich interessant war.“ Der andere sei dann jeweils hinzugekommen. Das ging so im Wechsel, sagte der 24-Jährige.

An bis zu 15 Taten kann sich der Angeklagte erinnern. So erbeuteten sie in Herford Schmuck und versetzten ihn für 10.500 Euro. Den Erlös teilten sie unter sich auf.

Der Dritte im Bunde ließ sich in einer über seinen Verteidiger abgegebenen schriftlichen Erklärung zu Details zu seiner Beteiligung ein. Er bereue seine Tat und räumte ein, die Angeklagten zu einigen Tatorten gefahren und wieder abgeholt zu haben. Bei den Einbrüchen sei er aber nie dabei gewesen. Für seine „Dienste“ sollte er anteilig an dem Verkaufserlös beteiligt werden.

Mit Zeugenvernehmungen wird der Prozess am 17. Oktober fortgesetzt.

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