Diakon und Polizist
Dem Leben einen Sinn geben

Altenberge -

Seit 15 Jahren ist Manfred Wissing Diakon von St. Johannes Baptist. Im Hauptberuf arbeitet der Polizeihauptkommissar als Opferschutzbeauftragter bei der Polizei in Münster.

Samstag, 30.12.2017, 12:12 Uhr

Im Hauptberuf Opferschutzbeauftragter der Polizei in Münster – und in seiner Freizeit Diakon der Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist.
Im Hauptberuf Opferschutzbeauftragter der Polizei in Münster – und in seiner Freizeit Diakon der Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist. Foto: mas

Die Gegensätze könnten kaum größer sein: Hier die Polizeiwache in Münster an der Moltke­straße, dort die Pfarrkirche St. Johannes Baptist an der Kirchstraße in Altenberge. Hier der Kriminalhauptkommissar, dort der Diakon: Seit 15 Jahren engagiert sich der 58-jährige Manfred Wissing in dieser Funktion in der katholischen Kirche . Er ist Seelsorger im Edith-Stein-Haus, hat den Hospizkreis mitgegründet und ist Präses der Landjugend. Wortgottesdienste, Hochzeiten und Taufen – auch das steht auf der Aufgabenliste von Manfred Wissing. „Wie kann man Jugendliche heute für Kirche begeistern oder überhaupt erreichen?“ Auch ein Themenkomplex, mit dem sich der Diakon immer wieder gerne beschäftigt und Antworten sucht.

Als kürzlich die KLJB anfragte, einen „Schlagergottesdienst“ zu organisieren, war Wissing sofort dabei. Zwar stand die Messe im Vordergrund – dennoch habe sich gezeigt, dass junge Menschen durchaus Interesse an religiöse Themen haben. Aber: Viele Angebote der Kirche seien „nicht mehr zeitgemäß“, sagt Wissing. Deshalb müsse versucht werden, durch andere Formen der Liturgie, Kirche für junge Menschen interessant zu machen. Und deshalb habe er dem „Schlager-Gottesdienst“ sehr viel Positives abgewinnen können.

„Ich möchte Jugendliche unterstützen, wenn sie auf der Suche nach dem Sinn im Leben sind“, erzählt Wissing. Und diese Frage stellten sich durchaus viele junge Leute, hat der Diakon festgestellt.

Für den dreifachen Familienvater und dreifachen Großvater spielt „Gott eine große Rolle“. Spiritualität gibt Wissing Halt, wie er betont. „Mir macht es Freude, sich mit Menschen auf den Weg zu machen.“ Und gerade Jugendliche oder junge Erwachsene gehörten zu einer für die Kirche wichtigen Altersgruppe.

Vorgefertigte Antworten, die hat der 58-Jährige nicht parat – das ist auch nicht sein Anspruch. Die Gottessuche, so der Diakon, ist für ihn kein abgeschlossener Prozess. Wissing: „Ich befinde mich immer noch auf dem Weg.“

Und das seien viele junge Menschen erst recht. „Wir müssen hören, was sie bewegt“, betont Manfred Wissing. „Und dann entscheiden, ob und wie man diesen Weg möglicherweise religiös mitgestalten kann.“

Der Kriminalhauptkommissar Manfred Wissing hat viele Stationen in seinem Polizeileben durchlaufen – vom Streifendienst in Bonn, Dortmund und Münster bis zum Betrugs- und Wirtschaftskommissariat in Münster. Doch seit 2012 hat der Altenberger eine ganz andere Aufgabe: Er ist Opferschutzbeauftragte der Polizei Münster.

Das heißt: Mit durchschnittlich 750 Opfern von Gewaltdelikten (häusliche Gewalt, Sexualstraftaten, Bedrohung, Einbrüche) hat Manfred Wissing jährlich zu tun. Sie erhalten Hilfe, schriftlich oder auch in persönlichen Gesprächen, je nach Wunsch der Betroffenen. Oder sie werden an weitere professionelle Stellen weitergeleitet. Zudem ist Manfred Wissing Polizeiseelsorger.

Sehr viel dreht sich im Leben des Diakons um das Thema Kirche. Wenn der 58-Jährige allerdings einmal komplett den Alltag hinter sich lassen möchte, geht es für einige Tage ins Kloster, bis zu vier Mal im Jahr, um zur Ruhe zu kommen und sein Leben, seine Arbeit zu hinterfragen, erzählt Wissing.

Diakon, Polizist und Familienvater – Manfred Wissing bringt alles unter einen Hut. Denn auch die größten Gegensätze müssen keine Widersprüche sein.

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