Sturmschäden „Friederike“
„Fällaktion war notwendig“

Nottuln/Appelhülsen -

War die Baumfällaktion im Pastorskamp angemessen und notwendig? Diese Frage sollte ein Gutachter klären.

Samstag, 10.02.2018, 18:02 Uhr

Sturm „Friederike“ brachte es ans Licht: Die Bäume im Pastorskamp waren nicht so standfest, wie allgemein angenommen wurde. Die Gemeinde ließ sie fällen. Die Fällaktion war notwendig, sagte auch der Gutachter.
Sturm „Friederike“ brachte es ans Licht: Die Bäume im Pastorskamp waren nicht so standfest, wie allgemein angenommen wurde. Die Gemeinde ließ sie fällen. Die Fällaktion war notwendig, sagte auch der Gutachter. Foto: Karl Weckendorf

Hat die Gemeindeverwaltung überreagiert, als sie die 110 Bäume im Appelhülsener Pastorskamp gefällt hat, nachdem Sturm „Friederike“ einen Baum umgeworfen und die meisten anderen zum Wanken gebracht hatte? Gutachter Ulrich Pöppelmann war mit dieser und weiteren Fragen betraut worden. Sein Fazit stellte er in dieser Woche im Gemeindeentwicklungsausschuss vor: „Die Notwendigkeit der Fällaktion war gegeben.“

Michael Kneuer , Technischer Leiter Grünflächen bei den Gemeindewerken und ausgewiesener Baumexperte, blickte zunächst auf die Ereignisse am 18. Januar zurück. Insgesamt waren rund 60 Bäume umgestürzt, 180 beschädigte Bäume mussten im Nachgang gefällt werden, weitere können noch folgen.

Standsicherheit nicht gewährleistet

Zentrales Thema waren die Hainbuchen im Pastorskamp. Die Gemeinde hatte während des Sturms die Straße gesperrt, weil „unmittelbare Gefahr für Leib und Leben der Bürger bestand“, wie Kneuer erläuterte. Sein Fazit nach dem Sturm: Die Standsicherheit der Bäume war nicht mehr gewährleistet, die Baumfällaktion war „die geeignete, erforderliche und angemessene Maßnahme“.

Sturmtief Friederike über der Gemeinde Nottuln

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  • Im Pastorskamp in Appelhülsen ist ein Straßenbaum auf die Fahrbahn gefallen. Personen sind nicht zu Schaden gekommen.

    Im Pastorskamp in Appelhülsen ist ein Straßenbaum auf die Fahrbahn gefallen. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Doch sind durch den Sturm auch alle anderen Bäume gelockert worden. Jetzt werden alle gefällt.

    Foto: Karl Weckendorf
  • Umstürzende Bäume hatten eine Starkstromleitung zum Baumberg herabgerissen. Fachleute sperrten den Strom. Die Feuerwehr sicherte Wege und Straßen.

    Foto: Dieter Klein
  • Umstürzende Bäume hatten eine Starkstromleitung zum Baumberg herabgerissen. Fachleute sperrten den Strom. Die Feuerwehr sicherte Wege und Straßen.

    Foto: Dieter Klein
  • Umstürzende Bäume hatten eine Starkstromleitung zum Baumberg herabgerissen. Fachleute sperrten den Strom. Die Feuerwehr sicherte Wege und Straßen.

    Foto: Dieter Klein
  • An der Dorfstraße in Stevern hatte ein umstürzender Baum ausgerechnet das Fußgängerschild zum Altenheim umgerissen.

    Foto: Dieter Klein
  • Die Feuerwehr war im Dauereinsatz.

    Foto: Ludger Warnke
  • Die Feuerwehr war im Dauereinsatz und musste überall im Gemeindegebiet (hier in der Bauerschaft Buxtrup) umgestürzte Bäume und Sträucher, die die Straßen blockieren, entfernen.

    Foto: Ludger Warnke
  • Die Kirchengemeinde St. Martin hat reagiert: Das Rosenkrankgebiet in St. Martinus fiel aus.

    Foto: Ludger Warnke
  • Am Einkaufszentrum Oststraße (K+K) sind Teile der Deckenverkleidung herabgestürzt. Der Bereich wurde gesperrt. Der K+K war vom rückwärtigen Parkplatz erreichbar. Die anderen Geschäfte blieben zunächst geschlossen.

    Foto: Ludger Warnke
  • Sturzgefahr: Das Ordnungsamt sperrte den Bereich um den Weihnachtsbaum auf dem Stiftsplatz.

    Foto: Ludger Warnke
  • Die Alte Amtmannei wurde gesperrt, weil Dachpfannen herabgefallen sind.

    Foto: Ludger Warnke
  • Die Alte Amtmannei wurde gesperrt, weil Dachpfannen herabgefallen sind.

    Foto: Ludger Warnke
  • Die Alte Amtmannei wurde gesperrt, weil Dachpfannen herabgefallen sind.

    Foto: Ludger Warnke
  • Der Sturm wirbelte an vielen Gebäuden Dachpfannen vom Dach.

    Foto: Ludger Warnke
  • Die Feuerwehr war im Dauereinsatz.

    Foto: Ludger Warnke
  • Die Feuerwehr war im Dauereinsatz.

    Foto: Ludger Warnke
  • Die Feuerwehr war im Dauereinsatz.

    Foto: Ludger Warnke
  • An der Ampelkreuzung in Appelhülsen brach ein großer Ast ab und hat einen Wagen beschädigt.

    Foto: Ludger Warnke
  • Gestrandet: Der Intercity von Köln nach Emden musste in Appelhülsen warten. Rund 80 Fahrgäste saßen fest.

    Foto: Ludger Warnke
  • Auch am Ludgeruspättken brachte Friederike Bäume zu Fall.

    Foto: Jürgen Gerhard
  • Auch am Ludgeruspättken brachte Friederike Bäume zu Fall.

    Foto: Jürgen Gerhard
  • Auch am Ludgeruspättken brachte Friederike Bäume zu Fall.

    Foto: Jürgen Gerhard

Bei einer Wiederanpflanzung seien verschiedene Aspekte zu berücksichtigen, um die Bäume dauerhaft standsicher zu machen. Man müsse nicht nur auf die Qualität der Bäume, auf die im Boden liegenden Leitungen, auf einen Anfahrschutz und vieles mehr achten, sondern vor allem auch eine Beetfläche schaffen, die jedem Baum die heute empfohlenen 12 Kubikmeter Platz gibt. Die alten Bäume hatten – inklusive der sie umstehenden Sträucher – lediglich 3 Kubikmeter Raum zum Wurzeln.

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„Viel zu wenig“, erklärte auch Ulrich Pöppelmann. Er hatte sich die Pflanzbeete angeschaut und festgestellt, dass diese eine Tiefe von lediglich 50 Zentimeter hatten, darunter lag gewachsener Boden, in den die Wurzeln nicht mehr eindringen konnten. „Auch Bäume, die gut aussahen, waren nicht fest mit dem Boden verbunden.“ In „normalen Zeiten“ mochte das noch gehen, aber bei durchnässtem Boden und Sturm bestand eine „schwelende Umsturzgefahr“.

18.000 verkehrssicherungsplflichtige Bäume

Alle 15 Monate schauen zwei als Baumkontrolleure zertifizierte Mitarbeiter des Gemeindebauhofes nach den insgesamt 18.000 verkehrssicherungspflichtigen Bäumen im Gemeindegebiet. Diese Baumkontrolleure entlastete Pöppelmann: Die Umsturzgefahr sei nicht erkennbar gewesen. Die hätten nur umfängliche Standsicherheitsprüfungen beweisen können. „Diese durchzuführen, dafür gab es aber keine Hinweise“, so Pöppelmann. Und eine solche Prüfung koste für einen Baum allein rund 2000 Euro. „Dass eine Kommune so etwas für alle Bäume macht, habe ich noch nicht erlebt.“

Die Baumkronen einzukürzen, wäre, so der Gutachter, auch nicht zielführend gewesen. Das hätte an der Situation des Wurzelwerkes nichts geändert. Solche Kürzungsmaßnahmen verursachen zudem Kosten – laut Pöppelmann 100 bis 120 Euro pro Baum – und müssen alle zwei Jahre wiederholt werden.

CDU-Ratsherr widerspricht

CDU-Ratsherr Martin Uphoff, selbst vom Fach, sah das anders. Er meinte, dass vorsichtige Rückschnitte möglich und sinnvoll gewesen wären. Pöppelmann blieb aber dabei, dass das nichts an der Umsturzgefahr geändert hätte.

Richard Dammann (Grüne) fand es zwar „unglücklich, dass eine ganze Allee weg musste, weil ein Baum umgefallen ist“, sah aber ein, dass Gefahr im Verzug war. „Wir hatten eine Ausnahmesituation, da dürfen wir Verwaltungshandeln nicht pingelig betrachten“, meinte auch Holger Zbick (SPD). „Wäre im Nachgang zum Sturm ein Baum umgefallen, wäre das Geschrei groß gewesen.“

Mehr Raum für die Wurzeln

Helmut Walter (FDP) blickte sorgenvoll nach vorne: „Hoffentlich machen wir jetzt kein Fass auf. Dann werden wir mit 200 000 Euro nicht hinkommen.“ Diese Kosten hatte Michael Kneuer für die Fällaktion (rund 17 000 Euro), Wiederherstellung der Flächen, Planung und Neuanpflanzung geschätzt. Das könnte man möglicherweise günstiger machen, wenn man nicht mehr so viele Bäume wie vorher pflanzt, schlug Hartmut Rulle ( CDU ) vor. Zumal die Pflanzflächen ja eh größer werden müssten als bisher, um den Wurzeln genug Raum zu lassen.

Klaus Kienle (Grüne) plädierte dafür, „mit vertretbarem Aufwand“ vergleichbare Anpflanzungen anzuschauen und die Kosten für Neuanpflanzungen zu beziffern. Michael Kneuer ist an diesem Thema bereits dran. In den Etatentwurf war schon lange vor „Friederike“ die Erstellung eines Baumkonzeptes eingeplant, das klären soll, wie mit den Bäumen in der Gemeinde umzugehen ist. Kosten: 25 000 Euro.

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