Förderkreis Caruaru „So was gibt es sonst hier nirgendwo“

Nottuln -

Alle Beteiligten geben sich viel Mühe und engagieren sich über die Maßen. Trotzdem ist die Situation im Centro Social in Caruaru schwierig.

Die Brüder Adriano und Julian sind ehemalige Straßenkinder. Sie kommen aber noch immer ab und zu im Centro vorbei, um ein warmes Essen zu erhalten.
Die Brüder Adriano und Julian sind ehemalige Straßenkinder. Sie kommen aber noch immer ab und zu im Centro vorbei, um ein warmes Essen zu erhalten. Foto: Förderkreis Centro Social Caruaru

Der Förderkreis Centro Social Caruaru und dessen Vorsitzende Margarete Gerber-Velmerig haben auf das vergangene Jahr zurückgeschaut und berichten über die aktuelle Situation im Centro Social Sao Jose do Monte in Brasilien:

Geleitet wird das Zentrum weiterhin von Sr. Werburga, die trotz ihrer 87 Jahre zwar noch geistig fit, inzwischen aber auf Hilfe angewiesen ist, da sie nicht mehr laufen kann. Die leitenden Mitarbeiter haben zur Entlastung der Schwester neben ihren Aufgaben im Kindergarten, im Schulkinderprojekt, mit den Straßenkindern, im Zirkus, in der Seniorenarbeit und in der Physiotherapie auch viele Aufgaben in der Gesamtleitung übernommen. Sie knüpfen Verbindungen in die Kommune, nehmen an der Arbeit der Gremien der Stadt, der Diözese etc. teil, sorgen für Auftritte mit den Kindern vom Zirkus (und nehmen dabei auch ein bisschen Geld für das Centro ein). Sie kümmern sich – soweit es möglich ist – um die Pflege der Immobilien, und nicht zuletzt machen sie zusammen mit Sr. Werburga die Planung der Arbeit im Centro. Und sie versorgen die Schwester, da nach wie vor keine Mitschwester ins Centro gekommen ist.

„Leider hat der Orden der Missionsbenediktinerinnen bis heute keine Nachfolge benennen können“, bedauert Margarete Gerber-Velmerig, „und so fangen die Mitarbeiterinnen an, sich zu überlegen, wie sie diese wichtige Arbeit weiterführen können.“ Die Fakultät (so etwas wie eine Fachhochschule) schicke jede Menge Praktikanten, die im Centro erleben, wie pädagogische und stadtteilorientierte Arbeit aussehen kann. „So was gibt es hier sonst nirgendwo“, so eine der Praktikantinnen.

Der Bischof, den Sr. Werburga um Unterstützung gebeten hat, wünscht sich auch sehr, dass das Centro weiterarbeitet. Allerdings kann er zurzeit seine eigenen Mitarbeiter kaum bezahlen. Auch Sr. Werburga konnte jetzt schon zum dritten Mal am Monatsende nicht alle Gehälter bezahlen. Bislang ist es aber dann doch noch immer geglückt. Einmal konnte der Förderverein helfen. „Unsere Rücklagen sind allerdings jetzt verbraucht“, erklärt Margarete Gerber-Velmerig. Ein anderes Mal kam Hilfe aus Tutzingen vom Mutterhaus.

Die Bedingungen sind für das Centro immer schwieriger geworden. Der Staat versucht, die Versorgung mit Kindergärten und Schulen auf eigene Füße zu stellen, strebt aber keine Kooperation mit bestehenden Einrichtungen an und kürzt die Gelder. Die Mindestlöhne sind gestiegen, was einerseits gut ist, aber andererseits die Mittel der Einrichtungen in sozialen Brennpunkten übersteigt.

In den Favelas und auf dem Land nimmt die Armut wieder erheblich zu. Zudem herrscht seit knapp drei Jahren große Trockenheit. Wasser muss teuer gekauft werden. Die Ernten sind schlecht – und so nimmt auch der Hunger zu.

Auf dem Monte ist, so wie in ganz Caruaru, die Kriminalität enorm gestiegen. Allein 2017 wurden über 250 Menschen ermordet. Über die wachsende Zahl der Einbrüche regt man sich schon kaum noch auf. Auch im Centro mussten trotz Warnanlagen und Vergitterungen immer wieder Dinge ersetzt, Fenster und Türen repariert werden.

So wundert es nicht, dass wieder sehr viel mehr Menschen beim Centro anklopfen und um Nahrung betteln. Schwer wird es für alle, die krank werden, einen Job verlieren, alt werden. Deshalb ist ein ganz wichtiger Baustein der Arbeit die tägliche warme Mahlzeit für alle Kinder, Jugendlichen, Mitarbeiter und auch die, die vorbei kommen, weil sie hungrig sind. Rund 500 Mahlzeiten werden mit viel Mühe jeden Tag hergestellt.

Vorbei kommt zum Beispiel Emanuele (32), Mutter von drei Kindern, deren Haus abgebrannt ist. Die Kinder waren zu der Zeit gerade bei den Großeltern, Emanuele war arbeiten. Die Brandursache wurde nicht geklärt, eine Versicherung gab es sowieso nicht. Die Mitarbeiter des Centro halfen beim Wiederaufbau.

Es kommen auch die Eltern der vierjährigen Clara, die vor ein Motorrad gelaufen ist und sich dabei die Beine schwer verletzt hat. Seit über drei Monaten wird sie immer wieder operiert, und alle hoffen, dass sie wieder laufen können wird. Die Kosten für die Behandlung sind so hoch, dass die Eltern völlig verarmt sind und froh über eine warme Mahlzeit oder ein Paket mit Basislebensmitteln.

Auch etliche der ehemaligen Straßenkinder wie die Brüder Adriano und Julian tauchen im Centro auf und freuen sich über Kontakt und über warmes Essen, Babykleidung und mehr.

Dies sind nur einige Beispiele, die Liste könnte noch weit fortgesetzt werden. „Neben ihrer ‚eigentlichen‘ Arbeit setzen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sich in ihrer Freizeit für all das ein“, betont Margarete Gerber-Velmerig. „Dafür gebührt ihnen und Sr. Werburga viel Dank und wir finden: auch weiterhin unsere finanzielle Unterstützung.“ Auf dass das Lebenswerk von Sr. Werburga, das Centro Social Caruaru, noch vielen helfen kann.

Zum Thema

Wer spenden will, kann das unter dieser Bankverbindung tun: Sparkasse Werl, IBAN: DE46 4145 1750 0000 0606 57, BIC: WELADED1WRL. Es wird darum gebeten, bei Überweisungen die vollständige Adresse anzugeben. Spendenbescheinigungen werden unaufgefordert zum Jahreswechsel übersandt.

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