Glockenspiel im Ortskern
Was gespielt wird, steht im Fenster

Nottuln -

Gäste bleiben stehen und horchen auf die Melodien: Das Glockenspiel an der Aschebergschen Kurie tut seit 2004 seinen klangvollen Dienst.

Donnerstag, 28.12.2017, 21:12 Uhr

Wolfgang Heyn programmiert das Glockenspiel. Keine ganz einfache Aufgabe, auch nicht für einen, der – wie Heyn – gelernter Musiker ist.
Wolfgang Heyn programmiert das Glockenspiel. Keine ganz einfache Aufgabe, auch nicht für einen, der – wie Heyn – gelernter Musiker ist. Foto: Gemeinde Nottuln

Den Anfang macht „O du fröhliche“. Pünktlich um 10.10 Uhr setzt sich das Glockenspiel an der Giebelwand der Aschebergschen Kurie in Gang. Mal flink, mal langsam, je nachdem, wie es Melodie und Takt erfordern, schlagen die Klöppel gegen die kleinen und großen Bronzeglocken und lassen so weithin hörbar das alte Weihnachtslied erklingen, das die Geburt Christi besingt.

Dieser Vorgang wiederholt sich noch dreimal am Tag mit unterschiedlichen Melodien. Während um 12.10 Uhr „Es ist ein Ros entsprungen” ertönt, spielt das Glockenspiel um 14.15 Uhr „Es kommt ein Schiff geladen”. Die letzte Melodie des Tages ist jahreszeitenunabhängig und erklingt um 18.15 Uhr: „Der Mond ist aufgegangen“. Ebenfalls ohne Bezug zur Weihnachtszeit ist der „Nottulner Sängergruß“, der samstags und sonntags jeweils um 12.30 Uhr zum Zuhören einlädt.

Die anderen Melodien, die das Glockenspiel namens „Perconta” aus dem Hause der Glockengießerei Petit & Gebrüder Edelbrock aus Gescher spielt, passen hingegen genau in die Advents- und Weihnachtszeit, schreibt die Gemeinde in einer Pressemitteilung.

Seit 2004 gehört das Glockenspiel mit seinen 16 Glocken, deren Tonhöhe vom „kleinen G“ bis zum „zweigestrichenen E” reicht, zum historischen Ortskern. In jenem Jahr machte der Heimatverein Nottuln das programmierbare Musikinstrument der Gemeinde Nottuln zum Geschenk. Eine kleine Bronzeplakette, die vor der Giebelseite der Ascheberg­schen Kurie in den Boden eingelassen ist, gibt genaueren Aufschluss über dieses besondere Geschenk und seine Sponsoren.

An der Giebelwand der Aschebergschen Kurie ist das Glockenspiel angebracht.

An der Giebelwand der Aschebergschen Kurie ist das Glockenspiel angebracht. Foto: Frank Vogel

Während die meisten Nottulner wohl nicht mehr so genau hinhören, welche Melodie da gerade gespielt wird, ist die Musik des Glockenspiels für so manchen Gast des Stiftsdorfes hingegen ein Grund, kurz zu verweilen und zu lauschen. Und wer genau wissen will, was wann gespielt wird, der kann in eines der unteren Fenster des Kuriengebäudes gucken. Dort steht ein kleines Kärtchen mit der Liederliste.

Bis zu 40 Lieder sind in dem „feinmechanischen Spielwerk und im elektromagnetischen Steuerungssystem mit seinen Magnethammerwerken”, wie es in der technischen Beschreibung des Glockenspiels heißt, abgespeichert. Per Knopf- und Tastendruck werden sie aktiviert, oder es können neue Melodien abgespeichert werden.

Das Herzstück des Glockenspiels befindet sich auf dem Speicher der Aschebergschen Kurie und ist nicht ganz so einfach zu bedienen. Des Öfteren gebärde sich das System geradezu wie eine Diva, schmunzelt Wolfgang Heyn von der Stabsstelle für Marketing, Touristik, Archiv, Städtepartnerschaft und Onlineredaktion: „Es ist sehr sensibel, und manchmal braucht es mehrere Anläufe, bis die Perconta das spielt, was sie spielen soll.”

Heyn betreut das Glockenspiel, sieht regelmäßig nach dem Rechten und stellt die Perconta-Hitliste je nach Jahreszeit oder Anlass immer wieder neu zusammen. Aber eines kann die Glockenspiel-Diva ganz allein: „Sie reagiert automatisch auf die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit und umgekehrt“, weiß Heyn. Der Grund: Sie bekommt das Funksignal von der Atomuhr der physikalisch- technischen Bundesanstalt in Braunschweig.

„Wenn die Perconta also um zehn nach zehn anfängt zu spielen, dann ist es auch tatsächlich auf die Sekunde so spät”, sagt Wolfgang Heyn, „da kann man die Uhr nach stellen.”

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