Historisches Fachwerkhäuschen Fachverstand schafft Idylle

Nottuln -

Es ist das älteste Haus der Straße „Auf der Alten Breide“: das Gartenhäuschen auf dem Grundstück der Familie Brinkmann.

Von Ulla Wolanewitz
Roswitha und Hans Brinkmann haben das historische Gartenhäuschen auf ihrem Grundstück nicht abgerissen, sondern mit Sachverstand restauriert.
Roswitha und Hans Brinkmann haben das historische Gartenhäuschen auf ihrem Grundstück nicht abgerissen, sondern mit Sachverstand restauriert. Foto: Ulla Wolanewitz

Idylle ergibt sich nicht immer von ganz allein. Kennerblick und geschickte Hände können manchmal auch hilfreich sein. Hans und Roswitha Brinkmann liefern mit ihrem kleinen Fachwerkhäuschen den besten Beweis dafür.

Dort, wo sich einst die weitläufigen Stiftsgärten befanden, bauten sie 1979 ihr Eigenheim. Hier bewirtschafteten zuvor unter anderem Lehrerinnen wie Fräulein Steens und Fräulein Gottmann ihre Schrebergärten, pflanzten Gemüse an und ernteten das Obst zur Selbstversorgung. Das Gartenhaus diente zum Abstellen von Geräten und beherbergte tatsächlich auch noch ein Plumpsklosett.

Die Zahl der Wohnhäuser mit der postalischen Adresse „Auf der Alten Breide“ war Ende der 70er-Jahre noch recht überschaubar. Das Haus von Schuhmachermeister Hülsmeyer, der hier auch seine Werkstatt betrieb, gehörte in jedem Fall dazu. Von der kleinen urigen Kabause auf Brinkmanns Grundstück sagte Hülsmeyer senior immer, so hat Hans Brinkmann es noch in bester Erinnerung: „Das ist das älteste Gebäude auf dieser Straße.“

Der stolze Besitzer bringt die Jahreszahl 1821 ins Gespräch, die er bei genauerer Recherche ans Licht geholt hat. Dass das Kleinod dem Häuslebau nicht zum Opfer fallen sollte, war eine ganz bewusste Entscheidung. Fotos aus der Bauphase zeigen die Baugrube – „den Bombenkrater“, wie der Hausherr das große Loch flachsend bezeichnet – und in sicherem Abstand davon das Ziegelsteinhäuschen, das dort auf bessere Zeiten wartet.

Die sollten auch sehr bald kommen. 1980 zog das junge Ehepaar in die eigenen vier Wände ein. Zwei Jahre später durfte sich die kleine Kabause auf ihre Schönheitskur freuen. Jeder einzelne Stein wurde von Hand entfernt und per Sandbestrahlung von seinem schäbigen Zementschleier befreit. „Das sind original bunt flambierte Feldbrenner“, nennt Hans Brinkmann den Fachausdruck für den betagten Stein, der nicht geschlagen, sondern nur geflext werden darf, „weil er so weich ist“. Ein „Müerkiärl“ mit entsprechendem Sachverstand vermauerte die guten Stücke wieder im aufgearbeiteten Fachwerk.

Doch damit noch nicht genug. Zur Krönung für das Dach dieser urigen vier Wände organisierte Hans Brinkmann noch einige alte Hohlziegel. Und: „Tante Paula häkelte Gardinen für die kleinen Fenster, die auch nachträglich von uns eingebaut wurden“, sagt Roswitha Brinkmann.

Über die Jahre kam als kleiner lebendiger Anbau noch eine Voliere hinzu. Kanarienvögel sind es, die der stolze Opa hier mit seinem Enkel Lenius züchtet. Nein, zum Überwintern ziehen die gefiederten Freunde nicht in das Kabäusken ein. Die Gelegenheit – mittels Einflugschneise – wäre dafür zwar gegeben, aber die kleinen rustikalen Piepmätze können Minustemperaturen vertragen.

Keine Frage: An diesem ruhigen, idyllischen Platz mit Blick auf einen Ziehbrunnen und schmiedeeiserne Tore lässt es sich schön verweilen.

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