Lesung Mut schöpfen aus der Partizipation im Lokalen

Darup -

Auf Einladung von Kunst + Kultur Nottuln kommt der Philosoph und Journalist Jürgen Wiebicke in die Gemeinde.

Kommt für eine Lesung nach Darup: der Philosoph und Journalist Jürgen Wiebicke.              
Kommt für eine Lesung nach Darup: der Philosoph und Journalist Jürgen Wiebicke.               Foto: Bettina Fürst-Fastré

So geht’s nicht weiter. Aber wohin sonst? Ein Land im Krisenmodus, die Welt in labilem Zustand – wie lässt sich dennoch ein gutes Leben leben? Der Philosoph und Journalist Jürgen Wiebicke hat sich 2015 auf den Weg durch unser Land gemacht: auf der Suche nach Menschen, die sich um mehr kümmern als um ihr privates Wohlbefinden – und gerade deshalb glücklich sind. Ein Jahr später veröffentlichte er zu diesem außergewöhnlichen Streifzug das Buch „Zu Fuß durch ein nervöses Land“.

Der Autor aus Köln ist auf Einladung von „Kunst & Kultur Nottuln“ am 12. Oktober (Donnerstag) um 19.30 Uhr auf dem Alten Hof Schoppmann zu Gast. Kunsthistorikerin Dr. Gabriele Hovestadt wird den Abend moderieren.

Es ist nicht sein erster Besuch in der Region. Vor einigen Jahren moderierte Jürgen Wiebicke bereits im Trauzimmer der von-der-Reck-Kurie eine Sendung seiner Reihe „Das philosophische Radio“.

Immer mehr Menschen spüren ein zunehmendes Unbehagen daran, dass am derzeitigen individualistischen Lebensstil etwas grundsätzlich faul ist. Gegen diese Lähmung im Denken und Handeln ist das Wandern seit jeher eine großartige Therapie. Daher ist Jürgen Wiebicke im Sommer 2015 einfach losgelaufen, um etwas über den Zustand der Gesellschaft zu erfahren. Er trifft Künstler, Millionäre und Sportler, spricht mit Leitern von Jugendhilfezentren und Flüchtlingsheimen, besucht unter anderem ein Schützenfest, Yoga-Sitzungen im Klostergarten und einen Schlachthof. Er stellt fest: Nicht nur angesichts der Flüchtlinge wächst die Bereitschaft, sich für ein gelingendes Gemeinwesen einzusetzen.

Jürgen Wiebicke: „Ich wollte die Gesellschaft von den Rändern verstehen. Orte, die abgespalten sind wie Inseln. Denn Flüchtlingsheime liegen nicht an Wanderwegen.“

Er klopfte auch an die Abtei-Pforte in Gerleve und traf die Philosophin Susanne Boshammer in Billerbeck. „Das Phänomen des neuen Pilgerns erklärt sich mit der großen Sehnsucht nach Spiritualität“, zitiert er Benediktinerpater Elmar Salmann . Die Philosophin ließ durchblicken, dass die eigene Dummheit oft der Feind sei. Denn: Schlechtes Handeln, habe sich oft keiner vorherigen Prüfung unterzogen, weil die Tat nicht artikuliert worden sei.

Zum Fazit seiner Reise gehörte die Erkenntnis, dass der egozentrische Lebensstil von vor 20 Jahren ein Ende habe. „Es entwickelt sich eine neue Logik“, sagt Wiebicke. Denn um politisch etwas zu bewegen, müsse klein angefangen werden. „Die gelingende Praxis muss wieder aufpoliert werden, damit wir Mut schöpfen aus der Partizipation im Lokalen“, erklärt er. In seinem Kölner Stadtteil habe er erlebt, dass die Flüchtlingskrise genau zum richtigen Zeitpunkt gekommen sei. Dort habe es eine sehr große Solidarität und Lösungsbereitschaft gegeben: „Wenn wir uns um jemanden kümmern, entdecken wir ja auch eine andere, neue Seite in uns“.

Zum Thema

Karten (12 Euro VK, 14 Euro AK) gibt es ab sofort im Geschäft Dammann, Daruper Straße, ' 4 22, und online unter: kunst-kultur-nottuln.de, Facebook: Kunst & Kultur Nottuln

Leserkommentare
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5137580?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F164%2F