Rupert-Neudeck-Gymnasium Qual der Wahl oder Wahl der Qual?

Nottuln -

Vor zahlreichen Zuhörern führte der SoWi-Kurs sein Polit-Café zur Bundestagswahl durch.

Von Iris Bergmann
Sie diskutierten auf dem Podium (v.l.): Marc Henrichmann (CDU), Dr. Gernod Röken (Linke), Johanna Thur und Michel Wember (Moderation), Ulrich Hampel (SPD), Daniel Fahr (FDP) und Friedrich Ostendorff (Grüne).
Sie diskutierten auf dem Podium (v.l.): Marc Henrichmann (CDU), Dr. Gernod Röken (Linke), Johanna Thur und Michel Wember (Moderation), Ulrich Hampel (SPD), Daniel Fahr (FDP) und Friedrich Ostendorff (Grüne). Foto: Iris Bergmann

Wenn der SoWi-Kurs des Rupert-Neudeck-Gymnasiums Nottuln zum Polit-Café einlädt, lassen sich die Politiker nicht lange bitten. Schön längst gehört es im Wahlkampf zum guten Ton, sich bei der Podiumsdiskussion den Fragen der Schüler und des Publikums zu stellen. So auch am Donnerstagabend im Forum des Gymnasiums. Die beiden Moderatoren Johanna Thur und Michel Wember konnten die Bundestagskandidaten Marc Henrichmann (CDU), Ulrich Hampel (SPD), Friedrich Ostendorff (Grüne), Daniel Fahr ( FDP ) und Dr. Gernod Röken (Linke) begrüßen.

„Qual der Wahl oder Wahl der Qual?“ hatte das Polit-Café zur Bundestagswahl 2017 zum Motto. Die Themenauswahl war groß: So wurden die Kandidaten zum Terrorismus und zur inneren Sicherheit befragt, ebenso zur Flüchtlingsthematik, Außenpolitik, Bildungs-, Renten- und Steuerpolitik.

Tiefe Gräben taten sich zwischen den Kandidaten bei den verschiedenen Themen aber nicht auf und eine wirklich kontroverse Diskussion blieb aus. Bei der Bekämpfung des Terrorismus differierte die Meinung bei der Videoüberwachung, die ebenso wie die Vorratsdatenspeicherung von der FDP abgelehnt wird, während Ulrich Hampel (SPD) gezielte Videoüberwachung für richtig hielt.

Übereinstimmung gab es dahingehend, dass der Staat handlungsfähiger gemacht werden sollte, unter anderem durch die Einstellung von mehr Polizeibeamten und mehr Polizeipräsenz, aber vor allem auch durch eine bessere Zusammenarbeit von Bund und Ländern. „Wir müssen besser werden in der Struktur der Sicherheitsbehörden“, betonte Marc Henrichmann (CDU).

Zum Thema Flüchtlinge, Fluchtursachen und Integration wurde ebenfalls nachgefragt. Hier setzte Dr. Gernod Röken (Linke) an und sah die Rüstungsexporte als eine der Ursachen: „Wer Rüstungsexporte sät, wird Flüchtlinge ernten!“ Ostendorff (Grüne) setzt auf eine geopolitische Zusammenarbeit Europas mit Afrika.

Zum Thema Außenpolitik waren sich die fünf Kandidaten darin einig, dass Europa eine starke Rolle einnehmen müsse und Gespräche mit „Problemstaaten“ nicht abreißen sollten. Hampel: „Wir müssen die Diplomatie voll ausschöpfen!“ Daniel Fahr (FDP) setzt gar auf einen europäischen Außenminister.

Die Themen Bildungs-, Renten- und Steuerpolitik wurden trotz des fortgeschrittenen Abends nicht außen vor gelassen. Souverän forderten die beiden Moderatoren von den Politikern jeweils kurze Statements. Unterschiedlicher Meinung waren die Kandidaten bei der Frage bezüglich der Besteuerung von Kapitalerträgen und hohen Einkommen. Die Frage nach dem bedingungslosen Grundeinkommen beantworteten alle, bis auf Friedrich Ostendorff, mit einem klaren „Nein“.

Fahrt nahm die Diskussion kurz auf, als es um das Wahlrecht ab 16 Jahren ging, dass Lehrer Werner Völlering mit Nachdruck nun endlich von den Politikern einforderte.

Um die „Qual der Wahl“ für das Publikum zu verkleinern, luden die beiden Moderatoren die fünf Politiker am Ende ein, mit wenigen Worten zu sagen, warum die Menschen ihre Partei wählen sollten. Ob sie damit die Qual der Wahl wirklich verringerten, bleibt indes bis zum Wahltag am 24. September offen.

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