Heribert Schwarzenberg hat über Kommunalpolitiker Wilhelm Brockhoff geforscht
Wann ist ein Mann ein Held?

Lüdinghausen -

Heribert Schwarzenberg, selbst anderthalb Jahrzehnte in der Lüdinghauser Kommunalpolitik aktiv, hat im Rahmen eines Forschungsprojekts an der Universität Münster einen Beitrag über Wilhelm Brockhoff verfasst. Der war in der Zeit der Weimarer Republik im Zentrum und nach dem Zweiten Weltkrieg für die CDU in der Steverstadt politisch tätig.

Dienstag, 13.02.2018, 10:02 Uhr

Wilhelm Brockhoff (kl. Foto) war Lehrer und Kommunalpolitiker in Lüdinghausen. Im Jahr 1943 kam der Lehrer der Höheren Landwirtschaftsschule ins KZ Dachau. Nach dem Krieg war er einer der ersten Vorsitzenden der CDU in der Stadt. Über ihn hat Heribert Schwarzenberg jetzt eine Arbeit verfasst.
Wilhelm Brockhoff (kl. Foto) war Lehrer und Kommunalpolitiker in Lüdinghausen. Im Jahr 1943 kam der Lehrer der Höheren Landwirtschaftsschule ins KZ Dachau. Nach dem Krieg war er einer der ersten Vorsitzenden der CDU in der Stadt. Über ihn hat Heribert Schwarzenberg jetzt eine Arbeit verfasst. Foto: r

Geschichte habe ihn schon immer interessiert, sagt Heribert Schwarzenberg , der selbst viele Jahre an einem Hiltruper Gymnasium Mathematik unterrichtet hat. Im Ruhestand hat der 66-Jährige sich dann daran gemacht, seinem Hobby auch ernsthafter nachzugehen. Seit dreieinhalb Jahren besucht er im Rahmen des Studiums im Alter an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster Vorlesungen und Seminare bei den Historikern. Gut zwei Jahre hat er jetzt an einem Forschungsprojekt mit dem Titel „Helden und Außenseiter – Zur Geschichte des Nationalsozialismus in Westfalen nach 1945“ mitgearbeitet.

Sein Forschungsobjekt war Dr. Wilhelm Brockhoff , dessen Todestag sich am 13. Februar zum 60. Mal jährt. Brockhoff war nicht nur lange Jahre Lehrer an der Höheren Landwirtschaftsschule Lüdinghausen, sondern politisch aktiv in der Zentrumspartei und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in der CDU – sogar als Bürgermeister der Stadt und des Amtes Lüdinghausen. Von Februar 1944 bis Mai 1945 saß er zusammen mit vier anderen Pädagogen und Theologen der Landwirtschaftsschule im Konzentrationslager Dachau.

Guckst du mal, ob du da was findest.

Heribert Schwarzenberg
Wilhelm Brockhoff

Wilhelm Brockhoff Foto: privat

Auf Brockhoff als Forschungsgegenstand sei er eher zufällig über einen Aufsatz gestoßen, der sich mit der Nazizeit in Lüdinghausen beschäftigt, sagt Schwarzenberg. Die Person habe ihn interessiert, und so habe er sich gedacht: „Guckst du mal, ob du da was findest.“ Und er sei fündig geworden – nicht nur im Stadtarchiv, sondern im Kreisarchiv und im Landesarchiv Münster.

Geboren wurde Brockhoff am 13. Dezember 1878 in Geseke. Nach dem Studium sowie der Promotion zum Dr. phil. wurde Brockhoff 1909 Oberlehrer an der Landwirtschaftsschule in Lüdinghausen. Zeitgleich mit seiner Anstellung in der Steverstadt, so Schwarzenberg, der selbst 14 Jahre für die FDP kommunalpolitisch in Lüdinghausen aktiv war, engagierte sich Brockhoff in der katholisch geprägten Zentrumspartei. 1929 wurde er auf der Liste der Stadtverordneten nach der Kommunalwahl auf Platz eins geführt. Mit Beginn der Naziherrschaft endete Brockhoffs politische Karriere in der Kommunalpolitik.

„Er blieb allerdings Lehrer an der Landwirtschaftsschule. Dort kam es im Sommer 1943 zu einem Vorfall, über den es unterschiedliche Berichte gibt“, weiß Schwarzenberg. Einmal werde über Kritzeleien auf einem Hitler-Bild in der Schule berichtet, andere Quellen sprächen von einer Schülerdemons­tration, in der das nahe Kriegsende und damit das Ende Hitlers angekündigt worden sein soll.

Die Folge: Brockhoff wurde verhaftet, kam einige Monate später ins KZ Dachau. Von dort kehrte der Pädagoge im Juni 1945 nach Lüdinghausen zurück. Dort habe er rasch seine politische Tätigkeit wieder aufgenommen, hat Schwarzenberg den Akten entnommen. Brockhoff wurde im März 1946 in Lüdinghausen zum Ehrenvorsitzenden der Christdemokraten gewählt. Als Lehrer war er in den Ruhestand verabschiedet worden.

Allein die KZ-Haft macht ihn nicht zu einem Helden.

Heribert Schwarzenberg

Ob Brockhoff in der Nazi-Zeit tatsächlich ein „Außenseiter" oder gar ein „Held“ war, fällt Schwarzenberg nicht leicht zu beantworten. „Allein die KZ-Haft macht ihn nicht zu einem Helden“, sagt er. Auch sei aus jener Zeit keine Handlung bekannt, die ihn zu einem Helden machen könnte. Mit seiner christlich-konservativen Haltung sei er aber durchaus ein Außenseiter im Nazi-Regime gewesen. Er habe sich „vom System nicht korrumpieren lassen“. Eine fundamentale Gegnerschaft lasse sich dennoch nicht erkennen. Brockhoff habe sich letztlich „arrangiert“, stellt Schwarzenberg fest.

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