Landgericht Münster: Prozess gegen Lüdinghauser Unternehmer
Schaden in Millionenhöhe

Münster -

Die Geschäftsführer eines Unternehmens aus Lüdinghausen, das Paletten für die Industrie repariert, sollen mehrere Jahre lang rumänische Mitarbeiter beschäftigt haben, ohne Sozialversicherungsbeiträge abzuführen. Auch sollen die beiden Lüdinghauser einem rumänischen Unternehmer geholfen haben, bei der Entlohnung der per Werksvertrag beschäftigten Arbeiter Steuern zu hinterziehen.

Samstag, 10.02.2018, 17:02 Uhr

Die Lüdinghauser sind auf freiem Fuß. Der Angeklagte aus Rumänien hingegen befindet sich in Untersuchungshaft. Mit im Bild zu sehen sind die Verteidiger und ein Dolmetscher.
Die Lüdinghauser sind auf freiem Fuß. Der Angeklagte aus Rumänien hingegen befindet sich in Untersuchungshaft. Mit im Bild zu sehen sind die Verteidiger und ein Dolmetscher. Foto: klm

Der Sozialversicherung in Deutschland soll in den Jahren 2012 bis 2017 insgesamt ein Schaden von rund 2,9 Millionen Euro entstanden sein, hieß es am Freitag beim Verfahrensauftakt am Landgericht gegen die beiden Geschäftsführer und den Chef der Vertragsarbeiter. Den Steuerausfall bezifferte der Staatsanwalt darüber hinaus auf etwa eine Million Euro zuzüglich rund einer Million Euro an Zinsen und Säumniszuschlägen. Angeklagt war ursprünglich ein Gesamtschaden von rund sechs Millionen Euro.

Sozialversicherungsbeiträge nicht gezahlt

Alle Angeklagten sind geständig. Über ihre Verteidiger ließen sie Erklärungen verlesen, die die Anklageschrift nahezu komplett bestätigten. Das 1990 von den Lüdinghausern gegründete Unternehmen wuchs nach deren Angaben schnell und verfügt über die Zentrale in der Steverstadt hinaus mittlerweile über vier Filialen.

„Die Auftragslage war so gut, dass die Firma ständig Personal gesucht hat“, erklärte ein Anwalt. Im Jahr 2009 habe der Rumäne Mitarbeiter von dessen eigener Firma für verschiedene Arbeiten angeboten. Anfänglich seien es vier Vertragsarbeiter in Lüdinghausen gewesen, später gesamt bis zu 100 mit den Standorten in Senden, in Bayern und in Baden-Württemberg.

Werkverträge ausgehebelt

Das erfolgreiche Geschäft hebelte die Werkverträge aber aus: „Nach und nach gab es eine Vermischung der Mitarbeiter“, erläuterte ein Anwalt weiter. Die Rumänen hätten nicht mehr selbst über ihre Arbeitszeiten und -umfänge bestimmen können. Ab dem Zeitpunkt hätten sie bei dem Lüdinghauser Unternehmen fest beschäftigt werden und für sie Sozialversicherungsbeiträge und Lohnsteuern abgeführt werden müssen, schilderte der Staatsanwalt. Stattdessen sei das „Modell des Werkvertrages“ fortgeführt und eine „unzulässige Arbeitnehmerüberlassung“ praktiziert worden.

Die Umstände wurden den Behörden bekannt, weil der Rumäne seine Mitarbeiter beim Zoll nachträglich anmelden wollte. Daraufhin wurde ermittelt. Die finanziellen Forderungen begleichen die Angeklagten derzeit.

Für das Verfahren hat die Wirtschaftsstrafkammer 19 weitere Verhandlungstage angesetzt. Durch die Geständnisse dürfte es sich deutlich verkürzen.

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5504346?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F163%2F
Feuer wurde vermutlich gelegt
Die Feuerwehr hatte das Feuer in dem Wald schnell unter Kontrolle.
Nachrichten-Ticker