Rückblick auf 1867
Ein „allgemein geachteter und verehrter“ Mann

Lüdinghausen -

Über Geschehnisse vor 150 Jahren in Lüdinghausen berichtet Stadtarchivarin Liane Schmitz.

Donnerstag, 28.12.2017, 13:12 Uhr

Die 1867 errichtete Mariensäule erinnert an den in jenem Jahr verstorbenen Kreisgerichtsdirektor Bernard Strotkamp.
Die 1867 errichtete Mariensäule erinnert an den in jenem Jahr verstorbenen Kreisgerichtsdirektor Bernard Strotkamp. Foto: Peter Werth

Der Tod eines allgemein beliebten Bürgers der Stadt Lüdinghausen stand über dem Januar des Jahres 1867. Darüber berichtet Stadtarchivarin Liane Schmitz in einem Blick in die Geschichte der Stadt vor 150 Jahren. Bürgermeister Josef Wormstall schrieb in seinem Monatsbericht an die Obrigkeit:

„Am 15 Januar cur. (laufenden Jahres) starb hieselbst der allgemein geachtete und allgemein verehrte Herr Kreisgerichts Director B. Strotkamp nach kurzer Krankheit im 74. Lebensjahre, nachdem er 44 Jahre hindurch in ununterbrochener Thätigkeit für den Kreis Lüdinghausen gearbeitet hatte. Ihm sei umso mehr ein Andenken hier gewidmet, da er für die Stadt Lüdinghausen immerhin das größte Interesse bewiesen, viele Jahre lang als Stadtverordneter mit Erfolg gewirkt hat. Dieses zeigte auch der Tag des Begräbnisses noch besonders, alle jung und alt aus Stadt und Kirchspiel ja selbst aus den entferntesten Theilen des Kreises waren viele trotz der kalten und nassen Witterung herbeigekommen und bezeugten dem theueren Verstorbenen die letzte Ehre. Die Stadt Lüdinghausen bewahrt ihm ein dauerndes Andenken.“

„Dauerndes Andenken“ durch Denkmal

Diesem „dauernden Andenken“ wollte man konkret Ausdruck verleihen, und zwar mit einem angemessenen Denkmal. Um die für die Finanzierung notwendigen Spenden zu erhalten, ließ das eigens gegründete Komitee eine Sonderbeilage (500 Stück) für die Lüdinghauser Zeitung drucken, in der ausführlich über das Leben und Wirken des Verstorbenen berichtet wurde:

Strotkamp wurde 1792 in Münster geboren, besuchte dort das Gymnasium und studierte die Rechtswissenschaft. 1818 nahm er seinen Dienst bei der Justiz auf, kam zum Gericht Ahaus, wurde „Hülfsrichter“ in Haltern und 1822 zum Assessor am damaligen Land- und Stadtgericht in Lüdinghausen ernannt. Zu dieser Zeit tagte das Gericht im städtischen Rathaus, das in jenen Jahren noch auf dem Marktplatz stand. Nach dem Stadtbrand 1832 residierte das Gericht an der Burg Lüdinghausen, bis dann in der Borg das Gebäude als Rats- und Gerichtshaus errichtet worden war.

Sich dem Wohle der Mitbürger gewidmet

Als nach der Gerichtsreform in Lüdinghausen ein Kreisgericht angesiedelt wurde, ward „derselbe von seiner Majestät dem Könige in besonderer Anerkennung seiner großen Verdienste ... hieselbst zum Kreisgerichtsdirector ernannt“. Neben der hervorragenden Diensterfüllung hat der „Verewigte . . . unermüdlich dem Wohle seiner Mitbürger und Gerichts Eingesessenen gewidmet und besonders in den trüben Zeiten der Noth und Verwirrung, – so zur Zeit des großen Brandes im Jahr 1832 – in den Jahren der Theuerung 1846 und 1847 – in dem Revolutionsjahre 1848, sowie bei vielen anderen misslichen Verhältnissen, seine ganze Kraft, sein Ansehen und sein Vermögen aufgebothen, um die Ordnung zu erhalten, Noth und Elend zu lindern, den Armen beizustehen.  . . . Selbst äußerst genügsam in seinen Bedürfnissen, fand er seine größte Freude darin, den Armen und Notleidenden, besonders den kranken und verschämten Armen beizustehen, und ist die Gründung und Errichtung des hiesigen St.-Marien-Hospitals zunächst auf seinem Antrieb unter eigenen großen Opfern erfolgt, und hat derselbe an der Verwaltung dieser so segensreichen Anstalt als Vorstands-Mitglied bis zu seinem Tode so freudigen und thätigen Antheil genommen.“

Dabei litt Strotkamp, der zusammen mit seiner Schwester in einem Gebäude auf der heutigen Steverstraße (Stadtbücherei St. Felizitas) lebte, die letzten 25 Jahre seines Lebens unter einem „schweren asthmatischen Leiden“. Der Verstorbene hatte „als Beamter und Bürger“ und „auch stets als eifriger Christ seine Pflicht erfüllt und in dieser Beziehung Allen mit einem guten Beispiele vorgeleuchtet“. Die Geldsammlung im gesamten Kreis Lüdinghausen erbrachte etwas mehr als 500 Taler. Weitere 50 Taler stiftete der Hamburger Halbbruder des Richters.

Mit der Erstellung des Denkmals beauftragte man mit Hilger Hertel einen anerkannten Fachmann. Bei der Felizitaskirche gestaltete er nicht nur den Turm und die Dachkonstruktion um, auch der neugotische Hochaltar geht auf ihn zurück.

Säule steht unter Denkmalschutz

Hertel musste schon bald seinen Entwurf für das Grabmal vorgelegt haben. Die Gruft für den Friedhof, der sich damals noch an der Kirche befand, war bereits im März gemauert. Doch die Fertigstellung des Denkmals zog sich hin. Zwar waren im September 1867 alle fünf vorgesehenen Figuren fertig, aber der Text, der an vier Seiten aus 110 bis 120 Buchstaben bestehen sollte, lag im Frühherbst 1867 immer noch nicht vor. So konnte erst ein Jahr nach Strotkamps Tod der Fuhrmann das Denkmal aus Münster abholen. Es handelt sich um eine über einem gemauerten Sockel auf einer schlanken Säule stehende Marienfigur. Unter ihr sollten vier Texttafeln und an den Ecken die vier Apostel angeordnet werden. Das in den Akten beschriebene Konzept sah vor, dass die Marienfigur in Richtung Westen – also Richtung Wolfsberger Straße schaut und auf dieser Seite zu lesen ist: „Hier ruhet der Director des hiesigen Kgl. Kreis Gerichts Herr Bernard Strotkamp geb. zu Münster d. 4. Dec. 1792, gestorben den 15. Januar 1867.“ Bilder aus dem 19. Jahrhundert sind nicht bekannt. Als die Säule im Jahr 1987 unter Denkmalschutz gestellt wurde, war der Blick Marias noch auf die Kirche gerichtet. Heute steht die Statue mit dem Rücken zur Kirchenwand. Dargestellt ist die auf der Mondsichel stehende Maria immaculata. Die heute auf der Vorderseite angeordnete Tafel zeigt den Text: „Heilige Maria Unbefleckt empfangen bitte für uns. Gegrüßest seist du Maria . . .“ Die Auswahl gerade dieses Motivs für das Grabmal ist sicherlich im Zusammenhang mit der vom Papst Pius IX. 1854 verkündeten Bulle mit dem Dogma von der unbefleckten Empfängnis Mariens zu sehen.

Eine weitere Tafel – ursprünglich für die Ostseite vorgesehen – ehrt Strotkamp: „Er ward von Gott und Menschen geliebt, sein Andenken ist ein Segen.“ Der vierte Text erinnert an die Bedeutung des Platzes selbst: „Herr gib Allen, die seit tausend Jahren auf diesem Kirchhof begraben sind, die ewige Ruhe.“ Spuren anderer alter Gräber auf dem Kirchhof sind heute nicht mehr sichtbar. Das Grabmal des Kreisrichters Strotkamp wurde vor 30 Jahren unter Denkmalschutz gestellt und mit finanzieller Unterstützung des Heimatvereins restauriert. Allerdings verzichtete man darauf, die die Tafeln flankierenden vier Apostelfiguren wieder herzustellen. Nicht zuletzt deshalb wird heute das Grabmal eher als Mariensäule wahrgenommen.

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