Flüchtlinge in Lüdinghausen Kaum Familiennachzug

Lüdinghausen -

Der Familiennachzug ist ein Streitpunkt in den derzeitigen Koalitionsgesprächen in Berlin. Ein unkalkulierbarer Zustrom und wenig Ansporn unter den Geflüchteten, das Land später wieder Richtung Heimat zu verlassen – das sind die Befürchtungen, die vor allem Unionspolitiker äußern. In Lüdinghausen ist die Zahl der Familiennachzüge bislang sehr gering.

Von Beate Nießen
Viele bürokratische Hürden: Wollen anerkannte Flüchtlinge ihre Ehepartner und minderjährige Kinder nach Deutschland nachholen, müssen sie ein kompliziertes Verfahren durchlaufen.
Viele bürokratische Hürden: Wollen anerkannte Flüchtlinge ihre Ehepartner und minderjährige Kinder nach Deutschland nachholen, müssen sie ein kompliziertes Verfahren durchlaufen. Foto: dpa

Wenn die Verhandlungsführer von Union, Grünen und Liberalen derzeit zwischen den Koalitionsgesprächen in Berlin auf den Balkon treten, dann dürfte sich so manches Pausengespräch auch um einen der nach wie vor wesentlichen Streitpunkte beim Thema Migrationspolitik drehen: der Familiennachzug. Ein unkalkulierbarer Zustrom und wenig Ansporn unter den Geflüchteten, das Land später wieder Richtung Heimat zu verlassen – das sind die Befürchtungen, die vor allem Unionspolitiker äußern. Doch stimmt diese Einschätzung?

In der Steverstadt scheint es zumindest anders zu sein. Zurzeit leben rund 400 Flüchtlinge in Lüdinghausen. Seit Juni dieses Jahres sind fünf Personen als Familiennachzug hierher gekommen. Sie stammen aus vier verschiedenen, zum größten Teil syrischen Familien. Diese Zahlen teilte der Beigeordnete Matthias Kortendieck am Donnerstag auf Anfrage der WN mit. In einem Fall sei die Ehefrau eines Geflüchteten nach Lüdinghausen gezogen, in den vier weiteren Fällen waren es Elternteile unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge.

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Es ist jedoch schwer zu sagen, wie sich die Situation entwickeln wird.

Matthias Kortendieck

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Momentan lägen keine weiteren Anträge auf Familiennachzug vor, so Kortendieck. „Es ist jedoch schwer zu sagen, wie sich die Situation entwickeln wird. Das käme einem Blick in die Gaskugel gleich“, betonte der Beigeordnete. Einen umfassenden Überblick zur Flüchtlingssituation in Lüdinghausen sowie im Ortsteil Seppenrade kündigte er für die Sitzung des Sozialausschusses am 21. November (Dienstag) an.

Zum Hintergrund: Nur anerkannte Geflüchtete und Asylberechtigte dürfen ihre Ehepartner und minderjährigen Kinder nach Deutschland nachholen. Hat ein Zuwanderer nur den Status des „subsidiären Schutzes“, hat er seit März 2016 kein Recht mehr auf Familiennachzug. Dieser wurde für zwei Jahre ausgesetzt. CDU und CSU wollen, dass diese Regelung über März 2018 hinaus verlängert wird.

Schätzungen nach unten korrigiert

Genaue Voraussagen, wie sich die Situation beim Familiennachzug in der Zukunft entwickeln wird, sind indes schwierig, denn statistische Daten über den Familienstand werden im Asylverfahren nicht erfasst. Das führte in der Vergangenheit zu Rechnungen mit höchst unterschiedlichen Ergebnissen. Millionen Menschen würden nachkommen, hieß es in vielen Berichten. Die Schätzungen wurden aufgrund der Erfahrungswerte nach unten korrigiert. Ende 2015 rechnete das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mit einem nachziehenden Verwandten pro Geflüchteten.

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