AStA-Angebot „Deine Couch für Erstis“
Katastrophale Wohnungslage: „Da wollten wir etwas tun“

Havixbeck -

Drei Erstis konnten Klaus Kruithoff und Andrea Grüning in Havixbeck eine Unterkunft bieten und den jungen Frauen so den Start ins Studium erleichtern. Vergeblich hatten sich die Studentinnen um ein Zimmer oder eine Wohnung in Münster bemüht.

Freitag, 27.10.2017, 18:10 Uhr

Gleich drei Erstis konnte der Havixbecker Klaus Kruithoff helfen und eine Unterkunft anbieten: (v.l.) Jana Krömpel, Alejandra Schrama und Susanne Uphaus.
Gleich drei Erstis konnte der Havixbecker Klaus Kruithoff helfen und eine Unterkunft anbieten: (v.l.) Jana Krömpel, Alejandra Schrama und Susanne Uphaus. Foto: Frank Vogel

Am Esszimmertisch wird munter geplaudert. Drum herum sitzen Gastgeber Klaus Kruithoff und drei junge Frauen. Alle drei haben zum Wintersemester ihr Studium in Münster aufgenommen. Und keine von ihnen hat passend zum Start eine Wohnung gefunden. So wie ganz viele andere Studierende auch.

Ihre letzte Chance: „Deine Couch für Erstis“. Ein Angebot, das der Allgemeine Studierenden-Ausschuss ( AStA ) der Uni Münster entwickelt hat. Mit Leben gefüllt wird es von Leuten wie Klaus Kruithoff und seiner Partnerin Andrea Grüning . „Wir haben über die katastrophale Lage für Erstsemester und die Aktion des AStA gelesen. Da wollten wir etwas tun.“

Wir haben über die katastrophale Lage für Erstsemester und die Aktion des AStA gelesen. Da wollten wir etwas tun.

Klaus Kruithoff und seine Partnerin Andrea Grüning

Zimmer über AStA zur Verfügung gestellt

Die beiden Kinder seiner Partnerin, die mit im Haus gewohnt haben, waren kürzlich ausgezogen. „Was machen wir mit den zwei frei gewordenen Zimmern?“, fragte sich das Paar. Nächstes Jahr Teilnehmer des Katholikentages beherbergen. Und dann der Aufruf aus Münster. „Das war kein Aufruf, das war ein Aufschrei. Da haben wir gesagt, da machen wir mit.“ Über die Wohnungsbörse des AStA stellte Kruithoff kostenlos ein Zimmer zur Verfügung. „Das ist ein seriöses Verfahren“, lobt er.

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Die erste Anfrage bekam er von Alejandra Schrama aus Hannover. Ein kurzes Gespräch – und sie konnte einziehen. Das war vor dreieinhalb Wochen. Die 20-Jährige studiert an der Uni Islamische Theologie und Antike Kultur Ägyptens. „Ich wollte eigentlich nach Berlin, die Zusage kam aber zu spät“, erzählt sie. Seit Mitte August hat sie in Münster eine Wohnung gesucht. 60 bis 70 Anfragen hat sie losgelassen. „Fünf Antworten habe ich bekommen.“ Alejandra sucht immer noch. „Kein Problem“, sagt Klaus Kruithoff. „Du kannst so lange hier wohnen, bis du was gefunden hast.“

AStA vermittelt Wohnraum für Studierende

Der Allgemeiner Studierendenausschuss der Uni Münster unterhält ein Internetportal, das Studenten bei der Suche nach einer Unterkunft helfen soll. Dort wird auch „Deine Couch für Erstis“ vorgestellt. Idee ist es, „Erstsemestern in den ersten Tagen ihres Studiums oder schon vorher einen Schlafplatz zu vermitteln, um ihnen die Wohnungssuche zu erleichtern und ihnen einen guten Start in Münster zu ermöglichen. Egal ob Bett, Couch oder Luftmatratze und ob für eine Nacht oder mehrere Wochen, wir sind für alles dankbar!“ Da der Gedanke solidarischer ist, könne angeben, was der Gast mitbringen soll (Handtuch etc.).

In Netz hier zu finden.

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Wohnungssuche geht an die Nerven

Damit ist die Geschichte aber noch nicht zu Ende. Auch Jana Krömpel (23) aus Siegen rief bei Klaus Kruithoff an. Kurze Rücksprache mit seiner Partnerin. „Okay, wir haben noch ein zweites Zimmer. Das kannst du haben.“ Jana atmete auf. Auch sie hatte Mitte August zu suchen angefangen, erschwerend für sie: Bis Ende September arbeitete sie noch. „Ich bin zum Schluss fünfmal in der Woche von Siegen nach Münster und zurück gefahren, das geht an die Nerven.“ Und kein Erfolg. Die Hoffnung sank immer tiefer, bis Klaus Kruithoff kam. „Es war wie nach Hause zu kommen“, freut sich die 23-Jährige. Inzwischen hat sie was gefunden, eine Wohnung in Gievenbeck.

Es war wie nach Hause zu kommen.

Jana Krömpel

Und das war das Glück für Susanne Uphaus (18) aus Neuenkirchen-Vörden. „Nein, leider sind unsere Zimmer belegt“, musste Kruit­hoff ihr sagen. Sie hatte dasselbe erlebt wie die beiden Kommilitoninnen, war behelfsmäßig bei der Cousine in Gievenbeck eingezogen. „Da habe ich im Wohnzimmer geschlafen und gelernt.

Eine echte Bereicherung

Wenn Gäste da waren, ging das natürlich nicht“, erzählt die Lehramtsstudentin (Mathe, Geschichte). Doch die Absage war nicht das letzte Wort aus Havixbeck. Klaus Kruithoff blieb dran. Und als Jana eine Wohnung hatte, lud er Susanne ein. Sie zog ein und konnte entspannter weitersuchen. Am Donnerstag hat sie was gefunden: ein Mini-Zimmer in einer WG im Geistviertel.

Nach dem Fototermin für die Zeitung bleibt sie noch mit den anderen Beiden in ihrem Zimmer. Munteres Geplauder rauscht auf den Flur hinaus. Und da steht Klaus Kruithoff und strahlt: „Ist das nicht herrlich. Für uns ist das eine echte Bereicherung.“

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