Jagdschößchen Ascheberg Von Altig bis Zappa - ein Buch hat viel zu erzählen

Ascheberg -

Kleines Ascheberg - große Welt: Das „Jagdschlößchen“ war über Jahrzehnte beliebt bei Stars aus dem Sport und dem Fernsehen. Von A(ltig) bis Z(appa) reicht das Gästebuch zu diesem Kapitel Ascheberger Gastronomengeschichte.

Von Theo Heitbaum
Das Gästebuch erinnert an bekannte Gäste und die besten Zeiten des Jagdschlößchens
Das Gästebuch erinnert an bekannte Gäste und die besten Zeiten des Jagdschlößchens

Was haben Helmut Kohl, Frank Zappa , Iris Berben, Uwe Seeler, Lale Andersen, Rudi Altig und Bernhard Rothers gemeinsam? Alle stehen im Gästebuch des Ascheberger „Jagdschlößchens“. Bei der Übergabe des Hotels durften die „Westfälischen Nachrichten“ einen Blick in das Buch mit ersten Einträgen aus den 60er Jahren werfen. Schnell wird klar: Wer das Jagdschlößchen auf den legendären Besuch der Nationalmannschaft von Zaire während der Weltmeisterschaft 1974 reduziert, der wird dem Renommee des Hauses nicht gerecht. Ja, die Leoparden haben besonders laut gebrüllt und ihr Ascheberg-Besuch hallt immer wieder nach. 1994 waren sie beispielsweise ein zweites Mal hier.

Das Hotel hat aber mehr zu bieten. Immer wieder kehren Sportler ein. Radler Rudi Altig und Sprinter Manfred Germar sind ganz vorne in dem Buch, das äußerlich an eine exklusive Bibelausgabe erinnert, zu finden.

Bürgerliches Essen, kaum Extrawünsche

Wer dann auf Otto Höpfner stößt, fragt sich vielleicht: Wer ist das? Der Mann brachte das Fernsehen ins Dorf und ins Jagdschlößchen. Knapp 50 Jahre liegt die Karnevalssendung aus dem Februar 1968 zurück. Neben einem Bericht lächelt die junge Maria Hellwig von einer Autogrammkarte.

Josef Porkristl startete 1965 als Lehrling in der Küche. Mit Pausen hat der Österreicher, der jetzt am Korten Rohr lebt, dort 20 Jahre gekocht. „Wir hatten anfangs 100 Gerichte auf der Karte, die über die Jahre auf 30 Gerichte verkleinert wurde“, erinnert der Koch sich. Von dem, was vorne in der Gaststätte passierte, bekam die Küche wenig mit. Das bürgerliche Essen kam an, Extrawünsche gab es nicht. Nicht einmal bei den Sportlern, die immer wieder in Ascheberg waren. Eine Ausnahme fällt Porkristl doch ein: „Als Max Merkel mit dem 1. FC Nürnberg da war, gab es Sonderwünsche.“

Gästeteams von Preußen Münster und Borussia Dortmund logierten immer wieder in Ascheberg. Volleyballteams, die in Münster gefordert waren, buchten das Jagdschlößchen. Der Ruf war glänzend. „Sonntags sind 300 bis 400 Essen aus der Küche gegangen“, erinnert sich Porkristl. Und Jagdschlößchen-Kenner Lutz Walter ergänzt: „In der Woche waren alle Parkplätze voll. Das Jagdschlößchen hat für richtig Betrieb gesorgt.“ Walter denkt an eine Tagung des CDU-Bundesvorstandes zurück, zu der Teilnehmer im Hubschrauber gebracht wurden. Das war im Mai 1979.

Einbau eines eigenen Bades

Hubert Reher erwarb 1956 von der Firma Jürgens eine alte Scheune. Als sein eigener Architekt und Bauherr schuf er daraus ein praktisches altdeutsches Restaurant. Für die Bauarbeiten nahm der Hotelier sich 20 Monate Zeit. Von neun Bauernhöfen aus dem Kreis Lüdinghausen kaufte er 30 Kubikmeter Eichenholz, um das Innere der Scheune umzuarbeiten.

Neben dem alten Herdfeuer aus dem 16. Jahrhundert vom Hof Wittkamp in Capelle – hierher stammen die Ahnen des Hoteliers – kaufte Reher aus einer Gastwirtschaft in Düsseldorf, die dem Verkehr weichen musste, ein altes flämisches Herdfeuer. Bei der Eröffnung des Restaurants am 10. September 1958 stellte Reher ein Haus mit 220 Plätzen und 180 Sitzplätzen in den Gartenanlagen vor. Im unteren Teil des Hauses wurden eine „Kümmelecke“ und ein „Fuchsbau“ eingerichtet. Der erste Name hieß „Jagdschlößchen Hubertus“. Das Team am Kochtopf bestand aus drei Köchen und einer Köchin, die vorher drei Jahre im Bundeshaus in Bonn tätig gewesen war.

Prominenz im Dorf

Einen Schub erhielt das Hotel 1972 durch den Einbau eines eigenen Bades. Das machte den Betrieb weit über die Grenzen hinaus auch als Sporthotel, das Fußball-Bundesligisten nutzten, bekannt. 1992 wechselten Hotel und Restaurant den Besitzer, 25 Jahre später erneut. Das Restaurant steht nicht mehr, es wurde 2017 abgerissen. Ascheberg an der A 1 profitierte auch von Akteuren, die in der Halle Münsterland zu Gast waren. Frank Zappa, Fats Domino, Eric Burdon und „Die Ärzte“ hätten das Dorf sonst wohl nie kennengelernt.

Besitzer Hubert Reher war Fan von Borussia Dortmund und deswegen waren die Schwarz-Gelben mehrmals da, Keeper Hans Tilkowski später als Trainer mit seinen jeweiligen Mannschaften. Lutz Walter lotste Handballer nach Ascheberg. Der TSV Milbertshofen bestritt sogar ein Gastspiel hier. „Da habe ich dem Erhard Wunderlich gesagt, er soll dafür sorgen, dass ich ein Tor werfen kann, weil ich eine Wette laufen hatte“, erinnert der Ascheberger sich. Porkristl hat nicht nur für Stars gekocht. Eine besondere Spezies waren die unterschiedlichsten Vertreter, Außendienstler, die auf Firmenkosten Rinderfilet speisten: „Wenn Rinder vier Filets gehabt hätten, wäre ich Bauer geworden.“

Die Fülle von Stars aus allen Bereichen wird ohnehin die Ascheberger in Erinnerungen schwelgen lassen.

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