Burgturmspielschar Davensberg Florida-Farce glänzend gespielt

Davensberg -

Drei Männer in einem Bett - in Florida steht ein Hotel zum Verkauf. Und daraus entwickelt die Burgturmspielschar eine turbulente Geschichte.

Von Theo Heitbaum
Da sitzen sie, wie die berühmten drei Affen, die Opfer der Nymphomanin (Winfried Roberg, Berthold Beckendorf, Frank Neve, Martin Bouma, Annegret Börtz; linkes Bild: Beckendorf und Anja Bouma; rechts von oben Anna-Lena Eickholt, Roberg, Susanne Koch, Neve, Eickholt und Beckendorf, unten Koch und Martina Bouma. .
Da sitzen sie, wie die berühmten drei Affen, die Opfer der Nymphomanin (Winfried Roberg, Berthold Beckendorf, Frank Neve, Martin Bouma, Annegret Börtz; linkes Bild: Beckendorf und Anja Bouma; rechts von oben Anna-Lena Eickholt, Roberg, Susanne Koch, Neve, Eickholt und Beckendorf, unten Koch und Martina Bouma. . Foto: Heitbaum

Männer hüpfen in bunten Unterhosen ins Bett, eine Frau vertreibt im fleischfarbenen Korsett gleich drei Irrläufer mit dem Regenschirm. Es geht heiß her im Turtle Beach Hotel, das die Burgturmspielschar dieses Jahr mitsamt der Bewohnerschaft von Florida in die Turnhalle des Dorfes geholt hat. Gar nicht üppig ist die Zahl der Hotelgäste, ein merkwürdiger Major ist schon da, eine nymphomanische Jahresbesucherin kündigt sich für neue amouröse Abenteuer an. Alles das reicht aber nicht. Deswegen heißt es „Hotel in’t Angebot“.

Der Burgturmspielschar ist es gelungen, ein neunköpfiges Team auf die Bühne zu bringen, das wunderbar in die Rollen schlüpft. Die Charaktere werden mit großer Spielfreude dargestellt. Das detailverliebte Team hinter den Laienspielern hilft mit kleinen Kniffen, die etwa den Unterschied zwischen der Annegret Börtz von der Straße und der nimmersatten Nymphomanin Hayley Harrington auf der Bühne ausmachen. Die Langhaarperücke verwischt das Alltagsbild, so dass sich die Gäste auf die Frau mit dem Spitznamen Barrakuda einlassen können. Soll nicht heißen, dass sich jemand mit seinen Auftritten hinter der erfahrenen Laienspielerin verstecken muss. Für Berthold Beckendorf gilt das Gegenteil. Er wechselt grandios nicht nur permanent hinter den Kulissen die Uniform von Major Ponsenby mit dem Thawb des Scheichs Abdul el Hadsch, sondern auch vom altbackenen und in Erinnerungen schwelgenden Offizier zum kaufinteressierten Orientalen, der liebesmüde und später auch betrunken über die Bühne schleicht.

Da hat es Winfried Roberg leichter. Er startet als Hausmeister, um dann als Geistlicher ins Hotel einzuziehen. Brillant übrigens, wie die Bühnencrew dem Alkoholiker Hopkins Verstecke eingebaut hat. Oder, wie sie mit dem Strom spielt, wenn Hausherr Brian Cody eine Lampe repariert. Im Jürgen von der Lippe-Gedächtnishemd wandelt Martin Bouma vom etwas langsamen Chef zum Choleriker und eine Szene weiter zum verliebten Ehemann. Seine Frau wird ihm die Küsse auf der Bühne verzeihen – sie ist als Terri Codi schließlich deren Empfängerin. Martina Bouma ist aber nicht nur das, sondern Hotelgast. Und Anna-Lena Eickholt muss sogar zwischen drei Aufgabenbereichen wechseln. Da wird das Umkleiden schon einmal zum Problem. Frank Neve ist als Sam Lewis der auserwählte Kaufinteressent, er mag Trump nicht, tritt für die Tugend ein, weil ihm einiges in der Unterkunft anrüchig erscheint, und bekommt es kräftig zurück als Ashley (Susanne Koch) für Dorothee (Anja Bouma) das Feld räumen muss. Die Frauen an Lewis Seite beweisen mit ihrem Dress Mut. „Das haben wir uns etwas kosten lassen, denn sie müssen sich wohl fühlen“, erklärte Sascha Horstkötter, der mit Susanne Fuhrmann Regie führt, hochzufrieden nach der Premiere: „Es hat sich gelohnt, ein ganz anderes Stück zu nehmen.“ Wer genau hinsieht, versteht übrigens das Fragezeichen bei Scheich Abdul el Hadsch. Oder wer hat ihn in der letzten Szene gespielt?

Hinter den Kulissen

Souffleusen: Roswitha König und Ulrike Freise.

Maske und Frisuren: Claudia Stege, Melanie Papenbrock, Andrea Bentlage und Manuela Leibold.

Requisiten und Kostüme: Lissy Taubitz und Angela Patzelt.

Bühnenbauteam: Franz König, Werner Papenbrock, Andre Papenbrock, Ingo Taubitz, Dieter Trautmann, Jürgen Koch, Lucas Naber, Robin Koch und Frank Brechmann.

Kartenvorverkauf: Jonas Patzelt, Aileen Kock, Claudia Horstkötter, Anna-Lena Eickholt, Julia Hömann, Saskia Schürmann und Cedric Bouma.

Thekenteam: Manfred Börtz, Michael Eickholt, Dirk Hömann und weitere Helfer.

Diese Farce aus Amerika, von einem Engländer geschrieben, und durch Karl-Heinz und Annegret Börtz ins Damich-Platt übersetzt, fordert mit einem langen ersten Akt, mit freizügigen Kleidern – das Original heißt immerhin Hotbed Hotel – und zweideutigen Pointen heraus. Das Premieren-Publikum ist davon total begeistert und lässt die Laienspieler erst nach mehreren Vorhängen von der Bühne, die mit Empfangshalle, Gang und Zimmer eine besondere Herausforderung war. Wer Karten für die nächsten Vorstellungen hat, darf sich auf eine wunderbare Winterunterhaltung mit tollen Schauspielleistungen freuen.

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