Ascheberg im Wandel, 23 „Sandstraße 27“ verschwand 1977

Ascheberg -

Viele Häuser, die in Ascheberg verschwunden sind, haben Platz gemacht für andere Gebäude. Nicht aber die Hausnummer 27 an der Sandstraße. Dort fließt jetzt Verkehr.

Von Theo Heitbaum
Das Haus Leidiger an der Sandstraße 27 beherbergte eine Sattlerei und ein Lebensmittelgeschäft. Es wurde vor 40 Jahre abgerissen. Die Ecke Sandstraße/Lüdinghauser Straße heute (links) und mit einem Luftbild aus den 1970er Jahren. Dort sind rechts neben dem Haus Leidiger auch Nebengebäude und Werkstatt zu sehen.
Das Haus Leidiger an der Sandstraße 27 beherbergte eine Sattlerei und ein Lebensmittelgeschäft. Es wurde vor 40 Jahre abgerissen. Die Ecke Sandstraße/Lüdinghauser Straße heute (links) und mit einem Luftbild aus den 1970er Jahren. Dort sind rechts neben dem Haus Leidiger auch Nebengebäude und Werkstatt zu sehen.

Wo heute Autos und Fahrräder rollen, wurden früher edle Geschirre für Traber in Recklinghausen und Gelsenkirchen gefertigt. Das handwerkliche Geschick in der Werkstatt an der „Sandstraße 27“ war aber nicht nur bei den Rennpferden gefragt. Schließlich gab es nur einen Sattlermeister im Altkreis Lüdinghausen: August Leidiger. Dessen Arbeiten wurden auch in der Landwirtschaft eingesetzt.

Ganz genau kann sich an das Haus, das vor 40 Jahren abgerissen wurde, Benno Leidiger erinnern. Der Sattlermeister war sein Vater und beschäftigte damals drei Gesellen und einen Lehrling. Wer von weiter weg kam, fand ein Bett unterm Dach des Hauses, das an der Ecke Sandstraße/Lüdinghauser Straße stand. Die Werkstatt war zum Haus Schilling hin zu finden und wurde nach hinten von einem Gebäudeteils der Familie Klaverkamp eingefasst. Zwischen diesem Gebäude und der Werkstatt konnte man zu Schillings durchgehen. „Lange Jahre ist mit Julius Wenning ein Sattlermeister aus Münster, der schon Rentner war, gekommen, um mitzuhelfen“, erinnert sich Leidiger an einen Helfer, der täglich mit der Bahn anreiste. Es gab also viel zu tun in der Werkstatt.

Allerdings war die Sattlerei nicht alles, was hinter der Eingangstür auf Besucher wartete. Benno Leidiger erinnert sich: „Meine Mutter Agnes hatte ein Lebensmittelgeschäft. Die Theke steht heute noch bei meiner Tochter in Köln. Dort waren Salz, Zucker und solche Dinge zu finden. Auf der Ecke standen die Bonbongläser.“ Das Hauptgeschäft war sonntags zu erleben, wenn die Leute aus den Bauerschaften Kirchgang und Einkauf miteinander verbanden.

Platz gab es in den Haus auch für drei Schweine. Anderthalb Tiere wurden nach dem Schlachten für den Eigenbedarf verwendet, der andere Teil verkauft. Ihren Garten hatte die Familie Leidiger am heutigen Bügelkamp. Dort wohnt Benno Leidiger heute. Und ein Birnbaum, den er als Kleinkind kennen gelernt hat, steht heute noch im Garten: „Der ist 90 Jahre alt geworden.“

Zurück zur Sandstraße 27: Auf einem Podest gab es ein Zimmerchen mit einer Eckbank. Dort wurde gegessen, dort stand die Mittagspause an. Dazu gab es unten Wohnzimmer und Küche. Wirkt das Haus auf Bildern klein, berichtet der Mann, der hier groß wurde, dass dort viel Platz war.

Im Rahmen der Ortskernsanierung markierte der Rotstift Haus und Werkstatt. Das bedeutete: Abriss. So durfte die Familie Wenge, die dort ein Blumengeschäft betrieb, auch nur zehn Jahre bleiben. Von 1966 bis 1976 wurden Blumen an der Ecke verkauft, dann schaffte man Platz für den Verkehr. Schon vorher war die gegenüberliegende Feuerwehr umgezogen. Die Familie Bonkhoff baute das bekannte weiße Haus.

Das Haus Schilling an der Lüdinghauser Straße blieb bis in die 1990er Jahre stehen und wurde Mitte des Jahrzehnts durch einen Neubau ersetzt.

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