Elektro Heßling schließt heute nach 84 Jahren
Schluss bei vollen Auftragsbüchern

Schöppingen -

Einen perfekten Zeitpunkt aufzuhören, gibt es wohl nicht. Doch Elektromeister Hubert Heßling hat einen sehr guten erwischt, wenn er am heutigen Samstag sein Geschäft am Alten Rathaus schließt. Es ist ein guter Zeitpunkt, zum einen für sich und seine Frau Ulla, zum anderen für seine Nachfolger und die Mitarbeiter.

Samstag, 30.12.2017, 06:12 Uhr

Eine Ära geht zu Ende. Hubert und Ulla Heßling schließen am heutigen Samstag das Elektrogeschäft an der Hauptstraße, das Heinrich Heßling vor 84 Jahren gegründet hatte.
Eine Ära geht zu Ende. Hubert und Ulla Heßling schließen am heutigen Samstag das Elektrogeschäft an der Hauptstraße, das Heinrich Heßling vor 84 Jahren gegründet hatte. Foto: Rupert Joemann

„Die Auftragsbücher sind voll“, freut sich der 62-Jährige, seinen ehemaligen Mitarbeitern und Nachfolgern David Kloppenburg , Timo Rodine und Uwe Thomas bei der Firmen-Übertagung zur KRT-Elektrotechnik GmbH einen guten Einstieg zu ermöglichen. Der künftige Firmensitz befindet sich an der Eggeroder Straße 4. Ganz wichtig sind Heßling und seiner Frau, dass alle zehn fest angestellten Mitarbeiter zu den bisherigen Konditionen übernommen worden sind. Wichtig ist ihnen aber auch, dass sie aufhören, wo sie in einem Alter sind, um auch noch andere Dinge unternehmen zu können, die früher zu kurz kamen.

Mit dem heutigen Tag endet die 84-jährige Geschäftsära der Familie Heßling in Schöppingen. Hubert Heßlings Vater Heinrich hatte im Dezember 1933 seine Meisterprüfung abgelegt und die Firma an der Hauptstraße gegründet.

Elektromeister Hubert Heßling hält ein Foto in der Hand, das seinen Vater am Trafohäuschen in der Feuerstiege zeigt. Die Heßlings sind seit der verstärkten Elektrifizierung Schöppingens ständige Begleiter der Bürger in Stromfragen gewesen.

Nach dem Tod Heinrichs 1966 übernahm Huberts Onkel Josef Heßling vorübergehend die Leitung. Hubert Heßling absolvierte zunächst ab 1973 bei Köhler in Laer eine Lehre und schloss anschließend 1981 seine Meisterprüfung ab. Dann stieg er in den Familienbetrieb ein.

Zunächst ganz klassisch im Service. Vieles musste sich Heßling, der in seiner Freizeit Geschäftsführer beim ASC Schöppingen ist, erst aneignen. Denn in seiner Ausbildung beschäftigte er sich viel mit Reparaturen von Geräten. „Ich habe nur einen Neubau in meiner Lehre gemacht“, erzählt er schmunzelnd.

Eine wichtige Entscheidung trafen Hubert Heßling und seine Frau Ulla, die als gelernte Bürokauffrau mit im Geschäft arbeitete, Mitte der 80er-Jahre. Heßlings entschieden sich ganz bewusst gegen das Geschäft bei privaten Neubauten, sondern setzten auf die Industrie – mit Erfolg. Der Schöppinger erinnert sich noch an die vielen Pläne, die er privaten Bauherren hatte zukommen lassen, um hinterher trotzdem nicht den Auftrag zu erhalten. Alles vergebene Mühe.

„Das war ein ganz wichtiger Schritt“, sagt Heßling rückblickend. Sein erster großer Auftrag war bei Rodam. „Die haben wir auf links gezogen und der Betrieb hat dabei nur drei Tage stillgelegen“, erzählt Heßling mit stolzem Unterton. Es folgte eine Hühnerfarm. Der Einstieg mit industriellen Partnern war gemacht.

Gerade die Flexibilität die Arbeiten dann auszuführen, wenn der Betrieb ruhe, und die 24-stündige Erreichbarkeit hätten die Kunden zu schätzen gewusst, so Heßling. Mittlerweile verfügt das Unternehmen über große Industriekunden.

Dennoch hielten die Heßlings zusätzlich den Service und das Ladenlokal stets aufrecht. Heinrich Heßling hatte das Haus 1955 komplett umgebaut. Im heutigen Eingangsbereich stand früher das Tor zur Tenne. Auch die Glasfront wurde damals vergrößert.

Bei den ausgestellten Produkten hatte Hubert Heßling ein feines Gespür. „Ich hatte als einer der ersten eine Kaffeemaschine für 800 Mark im Schaufester. Die anderen hielten mich für bekloppt.“ War er aber nicht. Das Geschäft entwickelte sich gut.

Doch dieser Geschäftszweig ist in den vergangenen Jahren spürbar zurückgegangen. Die Menschen kaufen viel entweder übers Internet oder in großen Filialketten. Hubert Heßling hat Verständnis dafür, gibt aber zu bedenken, dass gerade Ältere wegen kleinerer Dinge weitere Wege in kauf nehmen müssten, sollte der Einzelhandel auf Dauer in den Orten schließen.

Alleine die Zahl der verschiedenen Leuchtmittel hat sich extrem erhöht. Heute nehme die Beratung für ein Leuchtmittel mehr Zeit in Anspruch als bei einer Waschmaschine, sagt der Elektromeister ein wenig überspitzend.

Wichtig ist ihm immer gewesen, nur das zu empfehlen, was er selbst kaufen würde. „Wenn ich etwas empfehle, stehe ich dahinter“, sagt Hubert Heßling. Das ist ab morgen vorbei.

Wie es weitergeht und was mit den Geschäftsräumen geschieht, darüber hat er sich noch keine Gedanke gemacht. Jetzt ist das Ehepaar erst einmal froh, die Firmen-Übertragung abgeschlossen zu haben – auch wenn die eigene 84-jährige Firmengeschichte zu Ende geht.

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