Schöppinger legte Berufung ein Geldauflage statt Gefängnis

Schöppingen/Münster -

Ein 24-jähriger Schöppinger ist vor dem Amtsgericht Ahaus wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung zu einer viermonatigen Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt worden. Diese Strafe fand der einschlägig Vorbestrafte zu hoch und legte Berufung ein. Mit Erfolg.

Von Frank Zimmermann
 
  Foto: dpa

Vor dem Landgericht Münster wurde das Verfahren am Dienstag gegen eine Geldauflage vorläufig eingestellt.

Rückblick: Ein lauer Tag im Mai im Jahr 2016. Zwei junge Männer fahren mit dem Auto über die Hauptstraße durchs Dorf. Auf Höhe der Hauptstraße ruft der Beifahrer „Fettsack“ aus dem Fenster. Gemeint haben will er einen Bekannten, doch ein anderer Mann fühlt sich angesprochen. Er setzt sich in sein Auto und fährt dem Wagen nach, aus dem die Beleidigung kam. Die Fahrt führt bis zum Parkplatz am Hallenbad. Dort halten beide Wagen an. Der vermeintlich Beleidigte steigt aus und geht auf das andere Auto zu. Aus dem steigt zunächst der Beifahrer aus und wirft eine Bierflasche in Richtung seines Gegenübers. Der Mann weicht zurück. Es folgt eine lautstarke Diskussion. Der Mann, der sich beleidigt und angegriffen fühlt, ruft per Handy „Verstärkung“. Die jungen Männer aus dem anderen Wagen rufen die Polizei . Als die Beamten nach rund 45 Minuten eintreffen, hat sich der Flaschenwerfer schon aus dem Staub gemacht. Die Beamten nehmen das Geschehen zu Protokoll.

Vor dem Landgericht schilderten der Angeklagte und sein Bekannter, der am Tattag das Auto gefahren hatte, das vermeintliche Opfer als sehr aggressiv auftretend. Der Angeklagte habe die Flasche nur geworfen, um seinem Gegenüber Einhalt zu gebieten. „Schutzreflex“ nannte das der Zeuge. Da das mutmaßliche Opfer trotz Ladung als Zeuge nicht erschien, konnte seine Sicht der Dinge auch nicht gehört werden.

Der Bewährungshelfer bescheinigte dem Angeklagten, den er seit Juni 2012 wegen mehrerer Bewährungsverfahren betreut, eine positive Entwicklung. Und das mutmaßliche Opfer hatte offensichtlich kein Interesse an einer Aufklärung. „Herrn G. ist dieses Verfahren lästig“, stellte der Vorsitzende Richter sogar fest. Daher stellte er das Verfahren gegen eine Geldauflage von 500 Euro ein. Dies geschah mit dem Einverständnis der Staatsanwältin, des Angeklagten und dessen Verteidigers.

Für zwei Zeugen hat das Verfahren aber noch ein Nachspiel. Weil das mutmaßliche Opfer und der Bekannte des Angeklagten, dem die Bezeichnung „Fettsack“ gegolten haben soll, nicht vor Gericht erschienen waren, verhängte der Richter gegen sie auf Antrag der Staatsanwältin ein Ordnungsgeld von je 150 Euro.

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