Schöppinger schaffen ein Emoji für ihr Dorf „Bitte, bitte kein Schaf!“

Schöppingen -

Die kleinen Kerlchen sehen vielleicht nicht danach aus, aber sie sind Teil einer internationalen Bildsprache. Gemeint sind Emojis. Wie ein Emoji exklusiv für Schöppingen aussehen könnte, darüber zerbrachen sich jetzt etliche Teilnehmer bei einem Workshop mit der Künstlerin Sylvia Schwenk den Kopf. Mit erstaunlichen Ergebnissen.

Von Susanne Menzel
Ganze Familien sind am Donnerstagabend in die Fotoscheune gekommen, um ein Emoji für Schöppingen zu gestalten.
Ganze Familien sind am Donnerstagabend in die Fotoscheune gekommen, um ein Emoji für Schöppingen zu gestalten. Foto: Susanne Menzel

Es nutzt sie fast jeder Handybesitzer: Die kleinen Smileys (heute Emojis genannt), die auch ohne große Worte eine ganze Gefühlspalette ausdrücken können. Lachend, weinend, verliebt mit Herzchen in den Augen, schlafend, küssend . . . „Emojis sind eine internationale, visuelle Sprache, um sich im digitalen Zeitalter über Sprachgrenzen hinweg auszutauschen“, findet auch Künstlerin Sylvia Schwenk – und hat daraus jetzt kurzerhand im Rahmen des Gesamtprojekts „Stadtbesetzung“ ein weiteres Event gemacht.

Zu einem ersten Workshop hatte sie am Donnerstagabend in die Fotoscheune des Künstlerdorfs eingeladen. Und erstaunlich viele Schöppinger waren ihrem Aufruf gefolgt: Jung und Alt, Geschäftsleute, Pfadfinder, Sportler des ASC, Vertreter der Kindergärten und Schulen sowie größerer, ortsansässiger Unternehmen, aber auch Mitarbeiter des Jugendheims und Antoniushauses oder Mitglieder der Feuerwehrkapelle. Eine bunte Mischung an Interessenten, von denen sich die meisten „vorher eigentlich über die Emojis noch nie richtig Gedanken gemacht haben. Man nutzt sie halt“, gibt eine Teilnehmerin unumwunden zu.

Viele Überlegungen hat im Vorfeld dagegen schon Sylvia Schwenk angestellt. Die 48-jährige Künstlerin, die zurzeit in Berlin lebt, ist nunmehr zum zweiten Mal für eine außergewöhnliche Aktion in der Vechtegemeinde verantwortlich.

200 Menschen bilden ein Riesen-Emoji

200 Mitwirkende werden zur Performance am 21. September benötigt. Das Menschen-Emoji wird in einem Rahmen von 20 Metern in der Länge und elf Metern in der Breite gebildet. Hubert Hessling wird dazu vorab den Rasen entsprechend abkreiden. Das Dachdecker-Unternehmen Pahsen stellt einen Hubsteiger, um das Projekt auch fotografisch richtig in Szene zu setzen.

Für das Emoji-Gesicht werden etwa 50 Menschen benötigt, die an dem Abend in schwarzer Kleidung (inklusive schwarzer Mütze) erscheinen sollten. Für die übrigen Akteure hält Sylvia Schwenk rote und blaue T-Shirts parat. Wichtig ist der Künstlerin, „dass sich alle sehr warm anziehen, weil sich viele auf den Boden legen müssen. Und der ist schon sehr kalt.“ Auch bei Regen soll das Projekt stattfinden. Schwenk: „Es sei denn, es schüttet wie aus Eimern. Es wäre schade, den Termin zu verschieben, wo alle schon so viele Engagement hereingebracht haben.“

Wer mitmachen möchte, sollte sich zwecks besserer Planung kurz bei Sylvia Schwenk melden (' 0176 28876469, E-Mail: mail@ sylviaschwenk.com).

Zunächst einmal bittet sie an diesem Abend zum kurzen Brainstorming, stellt den lachenden Emoji mit fließender Träne als beliebtesten Smiley des vergangenen Jahres vor. „Diesen, wie auch die vielen anderen Gefühlsausdrücke, kann man sogar körperlich machen“, erklärt sie. Mit etwa 200 Menschen – Frauen, Männern und Kindern – soll dies jetzt geschehen. Allerdings nicht etwa mit einem der vorgegebenen Gesichter, sondern mit einem Unikat, das die Workshop-Teilnehmer/-innen nun entwerfen sollen. Und die etwa 40 Interessierten lassen sich nicht lange bitten. Flugs wird zum Stift gegriffen – und dann doch noch einmal, zweimal, dreimal überlegt. Was macht Schöppingen aus? Wofür steht die Gemeinde? Welches sind die besonderen Kennzeichen? Das Schaf vielleicht, das Rathaus, die Vechte – oder etwa doch der Karneval ? Es wird an den Tischen hin- und her überlegt, diskutiert, skizziert, entworfen und wieder verworfen. „Bitte kein Schaf als Emoji“, lacht Sylvia Schwenk: „Bitte, bitte nicht.“ Doch sie findet nicht überall Gehör. Die Künstlerin geht von Tisch zu Tisch, schaut sich die ersten Ideen an. Lobt und unterstützt: „Weniger ist mehr“, gibt sie immer wieder vor. Denn das Schöppingen-Emoji soll ja lebendig, von Menschen auf der Wiese am Nikolauskindergarten, nachgestellt werden. „Für dieses kleine Stückchen Fluss benötige ich 100 Personen“, gibt Sylvia Schwenk beispielsweise bei der Zeichnung einer jungen Frau zu bedenken. Die guckt erschrocken auf. „Besser ist, du reduzierst das Motiv noch etwas“, empfiehlt Schwenk.

Schnell ist die eingeplante Stunde vorbei. Die Künstlerin bittet abschließend die Gruppe, die treffendste Arbeit auszuwählen. Die Entscheidung fällt eindeutig auf die Arbeit von Cordula Niehoff , die das stilisierte alte Rathaus in den Vordergrund stellt.

Bis zur Performance am 21. September (Donnerstag) um 18 Uhr auf der Wiese am Nikolauskindergarten will Sylvia Schwenk den Entwurf noch ein wenig ausarbeiten: „Es wird also für alle Beteiligten wie auch für die Zuschauer eine Überraschung“, verspricht sie.

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