Neuer Vorsitzender der CDU-Fraktion Holger Benölken ist der neue Taktgeber

Schöppingen -

Holger Benölken hat bisher eine ungewöhnliche Politiker-Laufbahn vorzuweisen: vom hoffnungslos unterlegenen Bürgermeister-Kandidaten zum Vorsitzenden der CDU-Fraktion mit absoluter Mehrheit.

Von Rupert Joemann
Die guten alten Aktenordner haben zumeist ausgedient. Heute arbeiten Holger Benölken und die anderen Ratsmitglieder mit Tablets.
Die guten alten Aktenordner haben zumeist ausgedient. Heute arbeiten Holger Benölken und die anderen Ratsmitglieder mit Tablets. Foto: Rupert Joemann

Der 43-Jährige ist somit einer der Taktgeber in der Schöppinger Politik. Er löst Ralf Marpert ab, der nicht wieder für den Fraktionsvorsitz kandidiert hat. Erstmals steht Holger Benölken seiner Fraktion am Mittwoch (6. September) ab 18.30 Uhr im Ratssaal vor.

Der verheiratete Benölken kam eher zufällig zur Politik. Seit 1990 ist er Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, in der er heute als Brandoberinspektor ehrenamtlich in der Wehrführung mitarbeitet. Als der damalige Wehrführer Lothar Tietmeyer 1999 vor der ersten Wahl eines hauptamtlichen Bürgermeisters, sagte, jeder könne Bürgermeister werden, kam Holger Benölken ins Grübeln. Weil es zunächst keinen Gegenkandidaten zu Josef Niehoff gab, ließ sich Benölken mit gerade Mitte 20 als parteiloser Kandidat aufstellen. Nur ein Kandidat, das war nicht sein Verständnis von Demokratie. Später stellte sich auch noch Irmgard Büdding (Grüne) dem Wählervotum.

Sechs Prozent der Wähler stimmten für Benölken. Sein Wahlspruch damals: ein Bürger für die Bürger. Freunde finanzierten ihm Autoaufkleber und die Wahlwerbung. „Mich politisch zu engagieren, war mein Ding“, sagt der Vater einer einjährigen Tochter rückblickend.

Schon 1999 „wäre die CDU eigentlich meine politische Heimat gewesen“. Die CDU-Verantwortlichen merkten das und holten ihn nach der Wahl in die Partei. 2001 wurde Benölken Sachkundiger Bürger, später Ratsmitglied. „Ich habe jetzt dreimal den Wahlkreis gewonnen“, stellt er mit einem gewissen stolzen Unterton fest. Seit 2014 war er stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Und politische Leitungsfunktionen sind dem ehemaligen Vorsitzenden des Rechnungsprüfungsausschusses und aktuellen Vorsitzenden des Betriebsausschusses durchaus vertraut.

Der 43-Jährige ist Schöppinger durch und durch. Neben der Feuerwehr gehört er auch dem Bürgerschützenverein an. Eine Zeit lang arbeitete er im Vorstand mit.

Holger Benölken wurde im Oktober 1973 im Schöppinger St.-Antonius-Hospital geboren. „Angeblich als Letzter im Schöppinger Krankenhaus“, erzählt er schmunzelnd.

Der Beamte arbeitet in leitender Funktion im DHL-Frachtzentrum Greven. „Wir haben bundesweit die größte Firmenzustellung.“ Vor allem Rückläufer ins gesamte Münsterland werden von Greven verteilt. Die Größe des Frachtzentrums bringt viel Arbeit mit sich.

Dennoch hat er sich entschieden, das Amt des Fraktionsvorsitzenden zu übernehmen. „Meine Frau hat gesagt, wenn du das machen willst, dann mach‘ es. Die Frau muss schon dahinter stehen“, sagt Holger Benölken.

Ein gutes Einvernehmen strebt er auch im Rat an. „Wir alle wollen für Schöppingen, nicht gegen Schöppingen arbeiten“, sagt der 43-Jährige. Man könne die Ratsmitglieder jederzeit ansprechen. Das gelte für jede politische Couleur, betont Benölken.

Der Kontakt zu den Bürgern ist ihm wichtig. Im persönlichen Gespräch könnten Sachverhalte erklärt und Missverständnisse ausgeräumt werden. „Wichtig ist, dass man sich zeigt“ und nicht Entscheidungen „im stillen Kämmerlein“ treffe.

Der neue Fraktionsvorsitzende will an den Stil seines Vorgängers anknüpfen. „Ich werde keinem den Mund verbieten.“ Jeder könne seine Meinung vortragen, letztlich „entscheidet die Mehrheit. Das ist Demokratie.“ Der Rat sei „kein Gremium der Ja-Sager“. Wichtig ist ihm, dass es immer um die Sache gehe.

Auch hier werde es eine Fortsetzung der bisherigen Arbeit geben. Eine sparsame Haushaltsführung und der Erhalt der Infrastruktur sind dabei wichtige Aufgaben. „Wir haben fast alles auf Schuss“, sagt Holger Benölken. Schöppingen könne sich im Vergleich zu anderen Kommunen gut sehen lassen.

Eine weitere Herausforderung ist für ihn die Integration von Flüchtlingen. „Das ist eine riesen Aufgabe, die wir lösen müssen.“ Aber auch hier ist er optimistisch. Sein eigener politischer Werdegang zeigt, was man alles mit Engagement und Willen erreichen kann.

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