OGS an der Grundschule Nach dem Gong geht es erst richtig los

Nienborg -

Ruhe herrscht eigentlich nie im Offenen Ganztag an der Bischof-Martin-Grundschule. Vor allem nicht, wenn um kurz nach 13 Uhr das Ende der letzten Schulstunde geschlagen hat. Doch eine Ausnahme gibt es.

Von Mareike Meiring
Spaß haben die Kinder in der OGS eigentlich in fast jeder Ecke: Ob es nun die fürs Malen, fürs Lesen oder fürs Spielen ist. Doch den Mitarbeitern ist es wichtig, dass die Kinder auch mal zur Ruhe kommen.
Spaß haben die Kinder in der OGS eigentlich in fast jeder Ecke: Ob es nun die fürs Malen, fürs Lesen oder fürs Spielen ist. Doch den Mitarbeitern ist es wichtig, dass die Kinder auch mal zur Ruhe kommen. Foto: Mareike Meiring

Plötzlich sind alle still. Die Eieruhr tickt, langsam bewegt sich der Zeiger von der 5 auf die 4 zu. Die Kinder in der Schlemmerstube des Offenen Ganztags schweigen, mit der Gabel stochern sie in den Spätzle auf ihrem Teller herum. Manche müssen grinsen, als die Besucherin mit der Kamera um sie herum schleicht. Doch ansonsten sind sie ruhig – und lassen es sich schmecken.

„Die Kinder nutzen die fünf Minuten, um runterzukommen“, flüstert Köchin Beate Olthoff-Hoge . Es riecht nach Bratensoße, die Warmhalteboxen surren. Durchgehend 80 Grad muss das Essen haben, so sind die Vorgaben für die Köchinnen Beate Olthoff-Hoge und Anja Großevoß. Olthoff-Hoge geht derweil von Kind zu Kind und erzeugt mit einem Klangspiel verschiedene Melodien. Das soll die Schüler beruhigen. Denn Ruhe herrscht ansonsten eigentlich nie im Offenen Ganztag an der Bischof-Martin-Grundschule. Vor allem nicht, als um kurz nach 13 Uhr das Ende der letzten Schulstunde geschlagen hat. Für elf Kinder endet dann die Übermittagsbetreuung. 46 Grundschüler bleiben dagegen bis 15.45 Uhr in der Schule.

Während die letzte von drei Gruppen noch in der Schlemmerstube sitzt, haben es sich drei Mädchen aus der ersten Klasse im Ruheraum gemütlich gemacht. In dem abgedunkelten Raum liegen Mirja, Leonie und Jehona zwischen Decken, Kissen und Kuscheltieren und schließen kurz die Augen. Doch als der Besuch kommt, ist es mit der Ruhe schnell vorbei. Die drei springen auf und erzählen. Was es so alles im Offenen Ganztag gibt? Die Mädchen überschlagen sich mit ihren Worten. Computer, Bügelperlen, Playmobil – „in den Ruheraum gehe ich nur, wenn es mir nicht so gut geht“, sagt Mirja. Ihre Klassenkameradinnen nicken.

Schließlich gibt es noch so viele andere Ecken. Der siebenjährige Lukas führt herum. Er schiebt den Vorhang von der Leseecke zur Seite, geht dann rüber zu den Bauklötzen und danach weiter zur Einkaufsecke.

Der Hausaufgabenraum müsste an diesem Mittag eigentlich leer sein. Denn zwei Tage vor Beginn der Weihnachtsferien gibt es für die Kinder keine Hausaufgaben mehr. Doch ist er nicht: Mia sitzt auf dem Stuhl hinter dem Pult. Sie nennt sich „Frau Sommer“ und spielt Schule.

Währenddessen haben die restlichen Kinder längst aufgegessen. Beate Olthoff-Hoge und Anja Großevoß stehen in der Küche und spülen. Elisabeth Cordes-Wenning hat da schon die nächste Idee für die Schüler: marmorierte Schokotaler. Die Kinder schaffen dafür bereits Teller in den Nebenraum, während in der Küche noch die Kuvertüre schmilzt.

Es ist kurz vor 14 Uhr, Darius wird abgeholt. Eigentlich geht es nun für ihn rüber zur Lernförderung. Doch er grinst, ruft „Nein!“ und bleibt sitzen. Lieber will er noch seine rote Tüte zu Ende ausprickeln. Dafür hat er sich das Motiv eines Schneemanns gewählt. Also legt er einen Zahn zu. Dann packt er die Tüte auf ein Regal, schnappt sich seinen Tornister und zieht ihn hinter sich her aus der Tür. Der Abschied ist nur kurz. Morgen Mittag kommt der Junge wieder.

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