Premiere von „Wirtshaus im Spessart“
Turbulentes Musical mit 200 Aktiven

Bad Bentheim -

Trotz Gewitterwarnung: Die Premiere vom „Wirtshaus im Spessart“ der Freilichtspiele Bad Bentheim ging am Samstag trocken über die Bühne. Es war ein wohltemperierter Abend mit viel Gesang und Räuberpossen.

Mittwoch, 13.06.2018, 10:58 Uhr

Eine imposante Räubertruppe sorgt im Musical „Wirtshaus im Spessart“ auf der Bentheimer Freilichtbühne für Stimmung und viele Gags am Rande. Foto: Strack

Trotz Gewitterwarnung: Die Premiere vom „Wirtshaus im Spessart“ der Freilichtspiele Bad Bentheim ging am Samstag trocken über die Bühne. Es war ein wohltemperierter Abend mit viel Gesang und Räuberpossen. Das Stück ist eine musikalische Räuberpistole nach Motiven des gleichnamigen Kurt-Hoffmann-Films mit längeren Gesangspassagen, was an einigen Stellen ein bisschen viel des Guten war. Zum Ausgleich hat die Regie das Stück mit etlichen Extragags aufgelockert.

Die Handlung: Mitten im finsteren Spessartwald gerät die Kutsche der Comtesse Franziska von Sandau in den Hinterhalt einer Räuberbande. Die beiden Halunken Knoll und Funzel hatten für diesen Zweck eine Fallgrube ausgehoben. Die Comtesse, ihr Verlobter Baron von Sperling (Matthias Marquardt), die beiden Zofen Barbara und Babette und Pfarrer Haug werden von den Räubern in ein naheliegendes Wirtshaus entführt, wo die Reisegesellschaft auf die beiden Handwerksburschen Felix und Peter trifft.

Die Räuberbande verlangt vom Grafen von Sandau 20 000 Gulden als Lösegeld für dessen Tochter, doch der Graf will nicht zahlen. Franziska tauscht ihre Kleidung mit Felix und sucht ihren Vater auf, um ihn zur Rede zu stellen. Ohne Erfolg, denn der alte Geizkragen weigert sich, die Summe zu zahlen. Wutentbrannt kehrt die Comtesse als Franz getarnt in das Räuberlager zurück. Der Mut des Neuen beeindruckt den Hauptmanns, der Franz in seine Bande aufnimmt. Das schürt den Ärger des Korporals, der den Hauptmann schließlich offen angreift. Inzwischen ist Graf Sandau zwar bereit, das Lösegeld zu zahlen, doch gleichzeitig sendet er seine Soldaten aus, um die Räuberbande festzusetzen. Die Ereignisse überschlagen sich. . .

Es ist enorm, was das Bühnenteam in ehrenamtlichem Einsatz stemmt. Immer wieder beeindrucken die herausragenden Leistungen verschiedener Darsteller und das imponierende Aufgebot des Bühnenvolkes in schillerndem Kostümreigen. Besonders erwähnenswert ist das Gaunergespann Knoll und Funzel, das mit spitzfindigem Sprachwitz die Lachmuskeln reizt. Gelungen sind auch die Figuren des gewitzten Handwerksbursche Felix und der Comtesse, die mit ihrer kessen Art das Herz des Hauptmanns gewinnt. Phillip Schröder gelingt der Spagat des Adligen in Räubergewand mit charmanter Noblesse, an der der wachsende Zorn des Korporals abprallt. Erst am Ende erfährt das Publikum, dass der Hauptmann in Wirklichkeit Ferdinand von Rupertsburg heißt und dessen Vater einst vom Grafen Sandau um 20 000 Gulden geprellt wurde. Herrlich ist auch der beherzte Pfarrer, der – zur Freude der Zuschauer – seinem geistlichen Auftrag sehr weltlich geerdet nachkommt.

Kompliment an die Damen aus dem Spessarter Wirtshaus, die den Halunken mit Verve einheizen: Anja Rosenski-Beernink als Bettina, Elli Vogten und Irmgard Schröder als „Spelunken Jenny“.

Spontaner Publikumsliebling war die rotbefrackte Soldatentruppe mit ihrem Obristen, die bei jedem Auftritt mit einem Klatschkanon begleitet wurde. Insgesamt eine stramme Leistung für ein Amateurtheater, aber ein bisschen zu viel Gesang, befanden drei Zuschauer, die namentlich nicht genannt werden wollten. Viel Lob gab es für die Kostüme und Kulissengags, wobei die kleine schwarze – durch Bühnennachwuchs Silas Rosenski von unsichtbarer Hand gesteuerte – Kutsche zu Beginn Extrabeifall einheimste. Bei rund 200 guten Geistern, die zum Gelingen des Bühnenspektakels beitragen, können nicht alle namentlich erwähnt werden. Zu nennen sind jedoch Inge Brillemann (musikalische Leitung) die für das musikalische Räuberspiel Mitglieder des Schüttorfer Männerchores gewinnen konnte sowie Tochter Rolinde Zieverink, die als Pianistin für die Livemusik sorgte, Dominique Schölling (Choreografie) und Regisseurin Gudrun H. Lelek.

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