KV stellt Versorgungsgrad und Bedarfsplan dar Hausärzte: Der Bedarf ist Ansichtssache

Gronau -

Das Glas ist halb leer – oder halb voll. Eine Ansichtssache. Das gilt auch bei der Bedarfsplanung für die Hausärzte.

Nach Ansicht der Bürger fehlen acht Mediziner in der Stadt. Die Kassenärztliche Vereinigung spricht von acht Stellen, die der Bedarfsplan noch zulässt. Unterm Strich: Mit weiteren acht Hausärzten wäre die medizinische Versorgung etwas entspannter.

Für die einzelnen Planungsbereiche (Haus- und Fachärzte) legt der Gemeinsame Bundesausschuss für jedes ärztliche Fachgebiet eine Verhältniszahl fest – stellt dazu Einwohner und Ärzte zueinander in Relation. Diese Verhältniszahlen wiederum bilden die Grundlage für die Berechnung des Versorgungsgrades.

Die Verhältniszahl für Hausärzte liegt bundesweit bei 1671 Einwohnern je Hausarzt. Stimmt die Relation von Arzt und Einwohnern, ist ein Versorgungsgrad von 100 Prozent erreicht. Bei einem 75-prozentigen Versorgungsgrad tritt eine Unterversorgung ein, ab 110 Prozent eine Überversorgung.

KV weist Vorwürfe zurück

Die Äußerungen von Dr. Fiesser, die Aussagen der KV seien eine Lüge, weist der zweite Vorstandsvorsitzende der KV, Dr. Gerhard Nordmann, „auf das Allerschärfste zurück.“

Der Gronauer Arzt habe vergangenen Mittwoch (10. Januar) die KV kontaktiert und sie über den Tod des Kollegen informiert. In dem Gespräch habe er sich ebenfalls nach Möglichkeiten zur kurzfristigen Hilfe in dieser Ausnahmesituation erkundigt. Die Möglichkeiten seien ihm von einer KV-Mitarbeiterin dargelegt worden und er habe sich Bedenkzeit erbeten. Am 11. Januar habe der Arzt dann sein Angebot, die Praxisvertretung kurzfristig zu übernehmen, zurückgenommen. Nach wie vor sei die KVWL an einer schnellen, unbürokratischen Lösung interessiert.

Gronau bildet bei der Bedarfsplanung, so schlüsselt die KV auf, einen eigenen Mittelbereich. Der Versorgungsgrad für die Stadt liegt bei 85,4 Prozent. Darin ist allerdings der Tod des Hausarztes vor knapp zwei Wochen noch nicht berücksichtigt. Laut KV „ist die hausärztliche Versorgung demnach angespannt und es dürften sich in Gronau noch acht Hausärzte niederlassen. Das heißt nicht, dass so viele Hausärzte fehlen. Vielmehr würde der Mittelbereich Gronau dann wegen Überversorgung gesperrt.“

Ein Blick auf die Altersstruktur der hiesigen Hausärzte trägt aber auch nicht zur Beruhigung bei. 4,2 Prozent von ihnen sind zwischen 35 und 39 Jahren, jeweils 20,8 Prozent zwischen 55 und 59 sowie zwischen 60 und 64 Jahren. Jeweils 8,3 Prozent sind zwischen 65 und 69 beziehungsweise älter als 70 Jahre alt. Viele dieser Ärzte dürften in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Der KV ist deshalb bewusst, dass sich eine Nachfolgersuche hier sehr schwierig gestalten könnte.

Jedoch, so erklärt sie: „Im Sinne ihres gesetzlichen Sicherstellungsauftrages hat die KV Westfalen-Lippe gezielt Maßnahmen ergriffen, um eine ambulante medizinische Versorgung im gesamten Zuständigkeitsgebiet flächendeckend zu gewährleisten.“

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