Universitäten Twente und Nimwegen entwickeln technische Hilfe für Parkinson-Patienten
Leichter laufen dank Laser-Schuh

Enschede -

Viele Parkinson-Patienten leiden unter dem Krankheitssymptom, dass ihre Beine am Boden festzukleben scheinen. Forscher der Universitäten Twente und der Medizinischen Fakultät der Radboud-Universität Nimwegen haben eine Methode entwickelt, die Abhilfe schaffen kann. Sie entwickelten einen Schuh mit einem Laser, der im Schritt-Rhythmus eine Linie auf den Boden vor die Schuhträger projiziert. Die Studien ergaben, dass einem großen Teil der Patienten das Laufen dadurch wesentlich leichter fällt.

Freitag, 12.01.2018, 07:01 Uhr

Einfaches Prinzip: Der auf dem linken Schuh angebrachte Laserpointer projiziert eine Linie vor den rechten Fuß, sobald die linke Hacke den Boden berührt. Der Patient geht darauf zu, was den Laser des rechten Schuhs aktiviert und so fort.
Einfaches Prinzip: Der auf dem linken Schuh angebrachte Laserpointer projiziert eine Linie vor den rechten Fuß, sobald die linke Hacke den Boden berührt. Der Patient geht darauf zu, was den Laser des rechten Schuhs aktiviert und so fort. Foto: Hersenstichting Niederlande

In der angesehenen amerikanischen Fachzeitschrift Neurology wurden die Ergebnisse jetzt publiziert, schreibt die Uni Twente in einem Pressebericht.

Bewegungsstarre tritt bei Parkinson-Patienten im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung häufig auf. Das Gefühl des „Festklebens“ kann Sekunden dauern oder aber auch Minuten. Verursacht wird es oft durch Stress, der durch ein unbekannte Umgebung ausgelöst wird. Auch falsche Medikation oder nachlassende Wirkung der Medikamente sind oft Auslöser des Phänomens: Die Füße bleiben „kleben“, der Rest des Körpers will jedoch weiter. Dadurch kommt es oft zu Stürzen.

Derartigen Laufproblemen kann man abhelfen, indem sich die Patienten auf Objekte oder Muster auf dem Boden konzentrieren. So wurde schon vor langer Zeit festgestellt, dass zum Beispiel Schachbrettmuster auf dem Boden oder Zebrastreifen den Parkinson-Patienten beim Gehen helfen. Es werden offenbar bestimmte Areale im Gehirn aktiviert, die es dem Patienten ermöglichen, weiterzulaufen.

Innerhalb eines Gebäudes können also fest angebrachte Klebestreifen auf dem Boden helfen. Für unterwegs sind die Laserschuhe ein probates Mittel. Das Prinzip ist eigentlich einfach: Der auf dem linken Schuh angebrachte Laserpointer projiziert eine Linie vor den rechten Fuß, sobald die linke Hacke den Boden berührt. Der Patient geht darauf zu, was den Laser des rechten Schuhs aktiviert und so fort.

Bei Experimenten hatte die Nutzung der Laserschuhe günstige Effekte. Die Zahl der „Klebeeffekte“ ließ um 46 Prozent nach. Außerdem wurde die Dauer der Anfälle halbiert. Die Effekte waren dem Bericht der Uni Twente am besten, wenn nachlassende oder falsche Medikation Ursache für die Symptome waren.

Wissenschaftlerin Murielle Ferraye, die bei der Abteilung Biomedical Signals and Systems der UT arbeitet, sagt: „Die Tests fanden in einer kontrollierten Laborumgebung statt, sowohl mit als ohne Anwendung von Medikamenten. Weitere Forschung in Alltagsumgebung ist notwendig. Von den 19 Patienten, die die Schuhe getestet haben, würden die meisten sie gerne dauerhaft nutzen.“

Die Laserpointer sind derzeit ständig in Betrieb – auch wenn der Patient gerade keine Laufprobleme hat. Murielle Ferraye: „Aber am schönsten wäre es, wenn das Gerät in der Lage wäre, die Anfälle vorherzusehen und erst dann die Laser einschaltet.“ Daran wird nach ihren Angaben gearbeitet. „Aber so weit sind wir noch nicht. Das ,Festkleben‘ ist ein komplexes Problem.“

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