Tek-Tabanca-Prozess Geständnis in letzter Minute

Gronau/Münster -

Mit einem Geständnis quasi in letzter Minute ist am Donnerstag der Verhandlungstag im Prozess gegen drei Mitglieder der rockerähnlichen Gruppierung Tek Tabanca Teskilati (TTT) zu Ende gegangen.

Von Frank Zimmermann
Westen wie diese dürften im Gronauer Stadtbild nicht mehr auftauchen. Die Gruppe wurde aufgelöst.
Westen wie diese dürften im Gronauer Stadtbild nicht mehr auftauchen. Die Gruppe wurde aufgelöst. Foto: Polizei

Im Prozess vor dem Landgericht Münster ließ einer der Angeklagten – er soll der Präsident von TTT gewesen sein – durch seinen Anwalt erklären, dass er bei vier Taten dabei war. Dabei ging es unter anderem um zwei Überfälle auf einen Dealer. Einmal war der Gronauer von TTT-Mitgliedern in seiner Wohnung überfallen worden. Einmal lauerten sie ihm auf der Straße auf und zerrten ihn in ein Auto. Beide Male wurde er körperlich misshandelt. Der Angeklagte ließ erklären, er sei mit in der Wohnung und auch im Auto gewesen. Er habe allerdings vorne gesessen und den Mann nicht geschlagen. Diesem Opfer habe sein Mandant einen Entschuldigungsbrief geschrieben; außerdem werde er ihm 1000 Euro überweisen, erklärte der Anwalt.

Zudem teilte der Anwalt mit, dass die TTT-Gruppierung nicht mehr existiere. Die Eltern der Mitglieder hätten sich zusammengesetzt und die Auflösung beschlossen. Die „Kutten“ hätten sie eingesammelt und zur Polizei gebracht. Eine Empfangsbestätigung der Kreispolizeibehörde Borken legte der Anwalt dem Gericht vor.

Zuvor hatte die Kammer die Beanstandung der Telekommunikationsüberwachung abgewiesen. Die Verteidiger hatten diese Polizeimaßnahme am Dienstag beanstandet, unter anderem mit der Begründung, dass der Richter, der die Überwachung angeordnet hatte, den Antrag der Staatsanwaltschaft nicht ausreichend geprüft habe. Dies sah die Kammer anders.

Dementsprechend wurden am Donnerstag zwei abgehörte Telefonate vorgespielt und viele weitere sowie SMS verlesen. Darin kamen unter anderem Bedrohungen von Opfern oder auch Verabredungen und Tatbeteiligungen zur Sprache. Die verlesenen Texte bestätigten daher im Wesentlichen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen die Angeklagten.

Weil einer der Angeklagten – der Älteste der drei – im Tatzeitraum massiv Drogen und Alkohol konsumiert haben soll, stand die Frage im Raum, ob seine Schuldfähigkeit eingeschränkt war und ob eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt infrage komme (Paragraf 64 StPO). Dazu hatte die Kammer durch eine Sachverständige ein psychiatrisches Gutachten erstellen lassen. Fazit der Ärztin: Was der Angeklagte ihr geschildert habe, lasse auf ein planvolles und flexibles Handeln schließen, eine Einschränkung seiner Steuerungsfähigkeit und somit seiner Schuldfähigkeit sei nicht erkennbar. Auch sei die Anwendung des Paragrafen 64 StPO aus ihrer Sicht nicht angezeigt.

Die Verhandlung wird am Dienstag (12. Dezember) fortgesetzt. Dann soll die Beweisaufnahme abgeschlossen werden und die Plädoyers stehen auf dem Programm. Am letzten Verhandlungstag – kommenden Donnerstag – könnte dann das Urteil fallen.

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