Arztpraxis immer wieder von der Außenwelt abgeschnitten Chronische Telekom-Beschwerden

Gronau -

Das Telefon als Risikofaktor für die Gesundheit? Ja. Das Team der Gronauer Arztpraxis Benedikt Geißler und Dr. Rox leidet jedenfalls seit Wochen unter chronischen Telekom-Beschwerden: Mal funktionieren die Leitungen, mal eben auch nicht.

Von Klaus Wiedau
Das Lachen vergeht dem Team der Praxis Benedikt Geißler und Dr. Rox, wenn es um Telefonie, Fax und Internet geht. Seit Wochen sind Benedikt Geißler, Eva Moddemann, Kathrin Liebig, Luisa Sassen und Jutta Lammerskötter (v.l.) nicht oder nur eingeschränkt in der Praxis erreichbar.
Das Lachen vergeht dem Team der Praxis Benedikt Geißler und Dr. Rox, wenn es um Telefonie, Fax und Internet geht. Seit Wochen sind Benedikt Geißler, Eva Moddemann, Kathrin Liebig, Luisa Sassen und Jutta Lammerskötter (v.l.) nicht oder nur eingeschränkt in der Praxis erreichbar. Foto: Klaus Wiedau

Was bei einem privaten Anschluss im Zweifelsfall „nur“ ärgerlich ist, wird für ein Unternehmen oder eine Arztpraxis zu einem massiven Problem – auch mit wirtschaftlichen Folgen: „Wir können unseren Versorgungsauftrag nicht gewährleisten“, bringt Internist Benedikt Geißler die Situation auf den Punkt.

Begonnen haben die technischen Probleme Anfang August – und dauern inzwischen seit rund fünf Wochen an. Geißler gegenüber den WN: „Seit der 32. Kalenderwoche können wir uns nicht darauf verlassen, dass unsere Verbindung zur Außenwelt mit Telefon, Fax oder Internet funktioniert.“ Nach dem ersten Ausfall wurde sofort die Telekom eingeschaltet. Ein Techniker rückte an, die Leitungen wurden vermessen, als möglicher Fehler ein defekter Port (Anschluss) außerhalb der Praxis in der Innenstadt ausgemacht. „Passiert ist daraufhin nichts“, so Geißler über das weitere Prozedere. Mit der Folge, dass die Leitungen zur Praxis „mal da sind, mal nicht“, wie der Arzt formuliert. Auf Drängen der Praxis kamen weitere Techniker, der Fehler wurde mehrfach bestätigt – aber bis heute nicht behoben. Auch eine Vorstandsbeschwerde an die Telekom blieb ohne Wirkung. „Es gab zwar einen Rückruf, in dem uns bestätigt wurde, alles sei geregelt, das Problem behoben. Aber am nächsten Tag hat die Leitung wieder nicht funktioniert“, so Geißler. Und die Telefonnummer, die ihm aufgrund der Vorstandsbeschwerde für Anrufe bei weiteren Problemen genannt worden war, ließ ihn in der Rückrufschleife landen.

Dass der temporäre Ausfall der Telekom-Leitungen Auswirkungen auf die Arbeit in der Praxis hat, liegt auf der Hand. Geißler: „Wir können weder Patienten noch Angehörige erreichen – und umgekehrt. Das gilt auch für den Kontakt mit anderen Praxen, Krankenkassen, Pflegediensten und Krankenhäusern.“

Mehr noch: Sensible Daten, Befunde und Abrechnungen können nicht über vorgeschriebene sichere Leitungen des zertifizierten Anbieters Telekom übermittelt werden. Und während der Ausfallzeiten können auch keine Daten empfangen werden. Improvisiert wird über den Postweg und – was Telefonverkehr angeht – über den Einsatz privater Handys. 52 Anrufe landeten allein an einem Freitagmorgen auf Geißlers Mobiltelefon. Inzwischen hat das Praxis-Team Anzeigen in den WN geschaltet, um die Patienten auf die technischen Probleme aufmerksam zu machen.

Geißlers Fazit: „Wir haben damit ein massives Versorgungsproblem.“ Und das hat nach seiner Darstellung auch wirtschaftliche Konsequenzen für die Praxis: „Im hohen vierstelligen Bereich“ beziffert der Arzt die zusätzlichen Kosten, die der Praxis inzwischen durch die Leitungsprobleme entstanden sind. Und ein Ende des Leitungs-Leidens ist nicht in Sicht: „Wir wissen nicht, wie lange die Situation anhält.“ Zuletzt hat Geißler am Dienstag bei der Telekom angerufen – ein Rückruf steht nach seinen Angaben bisher aus. „Wir haben zunächst versucht, das Problem gütlich zu lösen“, beschreibt Geißler den jetzt erfolgten Schritt an die Öffentlichkeit. Auch die Bundesnetzagentur will die Praxis nun einschalten.

Schon Anfang des Jahres habe es beim Umzug der Praxis in neue Räume technische Probleme mit der Telekom gegeben. Das damalige „heillose Durcheinander“ (Geißler) sei erst nach mehreren Anläufen gelöst worden. „Da ist viel Vertrauen verloren gegangen“, beschreibt er das Verhältnis zum pinken Riesen trotzdem noch sehr moderat. Vielleicht liegt es daran, dass er inzwischen für die Unannehmlichkeiten einen Zehn-Euro-Gutschein für Amazon von der Telekom erhalten hat . . .

Die WN-Redaktion hat die Telekom am Mittwochmittag schriftlich um eine Stellungnahme gebeten – eine Antwort steht noch aus.

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