Sommerkrimi, Folge sieben: Recherchen beim Unternehmen und der Witwe Ein vorbildlicher Chef

Eimer ist umgebracht worden?“ Kathi Dittert schaudert’s. – „Ja“, bestätigt Wiesel. „Offenbar erstochen.“ – „Ob Uli Hütich was damit zu tun hat? Der ist heute in aller Frühe am See gesehen worden.“ Wiesel wird hellhörig. „Hütich? Der Gronauer Wirtschaftsförderer? Weiß Blösing das schon?“ – „Nee, ich komm ja an ihn nicht ran“, sagt Kathi Dittert. Wiesel fasst einen Entschluss: „Mareile, du bleibst hier und beobachtest, was sich am See tut. Ich fahr ins Wirtschaftszentrum und fühle Hütich auf den Zahn.“

Von Martin Borck
Kommissar Blösing tröstet Romita Reimer.
Kommissar Blösing tröstet Romita Reimer. Foto: Heinrich Schwarze-Blanke

Hartmut Lauge muss sich im Landtagsgebäude nun selbst sputen, wenn er zur Sitzung der eigenen Fraktion nicht zu spät kommen will. Gerade noch rechtzeitig schlüpft er in den Saal. Fraktionschef Markus Petze feuert just eine Breitseite gegen den politischen Gegner ab: „Die Mitglieder von SPD und Grünen sind keine Stütze der Gesellschaft – sie beziehen welche!“, ereifert er sich. – „Richtig!“, zollen ihm Lauge und die anderen Alt-Naiven klatschend Beifall. Sie erörtern Strategien, wie sie den Gegner mürbe machen können. „Wir müssen ihre Glaubwürdigkeit erschüttern!“, ruft Petze. „Ihre politischen Überzeugungen permanent in Frage stellen. Punkte wie Klimawandel, das gemeinsame Europa, die Medienvielfalt – diese Gewissheiten, die sie wie eine Monstranz vor sich hertragen, müssen wir zertrümmern.“ – „Meine Zweifel sind ohnehin überzeugender als deren Gewissheiten“, pflichtet Lauge dem Fraktionschef nickend bei.

Dann beschäftigt sich die Fraktion mit konkreten Problemen. „Die finanzielle Lage der Kommunen ist miserabel“, stellt Petze fest. Wir müssen neue Einnahmequellen ermöglichen“, mahnt er. „Hat jemand Vorschläge?“ – Lauge meldet sich fingerschnipsend. „Ich habe da eine Idee“, sagt er.

Frank Dylan lenkt seinen Skoda in Richtung Industriegebiet. Bei den Werkshallen der Eimer GmbH stoppt er. Das Umfeld macht einen properen und sauberen Eindruck. Auch als er in die Halle tritt, fällt ihm auf, dass alles hell und freundlich aussieht. Allerdings herrscht eine ungewohnte Ruhe. „Kann ich Ihnen helfen?“, kommt ein Mann in Arbeitskleidung auf ihn zu. – „Mein Name ist Dylan. Ich recherchiere wegen des Todes Ihres Chefs.“ – „Erwin Böselink“, stellt sich der Mitarbeiter vor. „Ich bin Meister hier. Wir haben gerade erst vom Tod Heiners erfahren. Wir sind alle völlig fertig.“ – „Haben Sie eine Ahnung, wer das getan haben könnte?“, fragt Dylan. – „Nein, überhaupt nicht. Ich kenn überhaupt niemanden, mit dem Heiner Ärger gehabt hätte. Er war wirklich ein vorbildlicher Chef und menschlich toll.“ – „Gab es denn mal Probleme mit Kunden? Sie liefern doch ihre Produkte in alle Welt. Da kommt es doch schon sicher mal zu Missverständnissen, oder?“ – „Nee, nicht dass ich wüsste. Und wenn, dann gab’s nur Kleinigkeiten, die aber schnell aus der Welt waren.“ – „Mmh“, überlegt Dylan. „Hat es denn hier im Betrieb irgendwelche Änderungen gegeben?“ – „Das Einzige, was ungewöhnlich war“, sagt Böselink, „war, dass er einen neuen Auftrag an Land gezogen hat – aber nicht gesagt hat von wem. Sonst war er immer stolz darauf, wer alles zu unseren Kunden gehörte. Wir fertigen schließlich Präzisionsteile für die High-Tech-Industrie. Flugzeugbau und so.“ – „Ich weiß“, sagt Dylan. „Aber vielleicht hatte er ein Geheimhaltungsabkommen unterschrieben. So was gibt es ja.“ – „Mag sein. Aber gesagt hat er nichts.“ – „Klar, bei so einem Abkommen ist ja auch das Abkommen selbst geheim“, entgegnet Dylan. „Und selbst dass man es abgeschlossen hat, ist geheim. Geheimer geht’s nicht.“

Und wieder taucht Heinrich Burkane auf. Diesmal mit einem verrosteten Fahrradrahmen. „Ich bin’s leid“, sagt Blösing zu Frühling. „Komm, Manni, wir fahren zu Eimers Witwe. Vielleicht hat sie ja eine Vermutung, wer hinter dem Mord steckt.“

Wenige Minuten später stehen sie der völlig in Tränen aufgelösten Romita Eimer gegenüber. Frühling versucht sie zu trösten: „Es tut uns schrecklich leid, was passiert ist. Wir tun alles, um den Schuldigen zu überführen. Haben Sie eine Ahnung, wer dahinterstecken könnte?“ – „Nein. Heiner hatte keine Feinde. Alle haben ihn gemocht. Die Belegschaft, weil er ein guter Chef war, die Kunden waren mit den Produkten zufrieden. Die Nachbarn und die Freunde im Karnevalsverein haben ihn wegen seiner Geselligkeit gemocht. Die SPD war stolz, einen herausragenden Unternehmer in ihren Reihen zu haben.“ – „Aber irgendjemand hat ihn umgebracht“, wirft Blösing ein. „Hatte Ihr Mann denn mit irgendjemand Streit in der letzten Zeit? Hatte er vielleicht Sorgen? Hat er sich verändert?“ – „Wenn er Sorgen gehabt hätte, dann wäre er doch zu mir gekommen. Das Einzige war, dass er nicht mehr so viel Lust hatte auszugehen wie früher. Gut, wir werden ja auch nicht jünger. Und dann hat er sich manchmal in sein Arbeitszimmer hier zu Hause verkrochen. Er sagte, dass er einen neuen Auftraggeber irgendwo im Ausland habe. Der Export sei komplizierter, das erfordere mehr Papierkram.“ – „Können wir uns in seinem Büro mal umsehen?“, fragt Frühling. – „Ja, bitte. Wir haben nichts zu verheimlichen. Gehen Sie nur die Treppe rauf. Erste Tür rechts.“

Blösing und Frühling steigen die knarzenden Treppenstufen herauf. Als er in den Raum tritt, trifft Blösing fast der Schlag . . .

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