Vier Frauen kümmern sich um die Einkleidung der Sternsinger
Große Gesten für kleine Könige

Alstätte -

Die Krone sitzt. Irmgard Ibing schmunzelt, ihre drei Mitstreiterinnen tun es ihr gleich. Eigentlich ist der goldglitzernde Kopfschmuck zwar für die Kinder gedacht – aber einmal Probetragen lässt sich die Frau nicht nehmen. Dann geht es weiter im Programm, die nächste Gruppe wartet.

Samstag, 30.12.2017, 06:12 Uhr

Der Kopfschmuck auf dem Tisch macht einiges her. Die Kronen und Turbane sind beliebt bei den Sternsingern, die am 4. Januar um die Häuser ziehen. Um die Kleidung der kleinen Könige kümmern sich seit vielen Jahren (v. l.) Gertrud Gesenhues, Gertrud Haveloh, Henriette Hilbring und Irmgard Ibing.
Der Kopfschmuck auf dem Tisch macht einiges her. Die Kronen und Turbane sind beliebt bei den Sternsingern, die am 4. Januar um die Häuser ziehen. Um die Kleidung der kleinen Könige kümmern sich seit vielen Jahren (v. l.) Gertrud Gesenhues, Gertrud Haveloh, Henriette Hilbring und Irmgard Ibing. Foto: Mareike Meiring

Drei Mädchen schauen in den Schränken nach dem passenden Kostüm, als Kaspar, Melchior und Balthasar wollen sie am 4. Januar durch Alstättes Straßen ziehen. Und das macht natürlich nur in der richtigen Verkleidung Spaß. Deshalb stehen an diesem Morgen Irmgard Ibing , Gertrud Haveloh, Getrud Gesenhues und Henriette Hilbring bereit und öffnen die Schränke in der Kirche. Was dort auf den Bügeln hängt, ist allerhand. Und das war nicht immer so.

Seit über 30 Jahren kümmern sich die Frauen mittlerweile um die Kleidung für die Sternsinger. Zu Beginn ging es noch eher bescheiden los. „Mit Decken und alten Pelzmänteln als Umhang“, erinnert sich Gertrud Haveloh. Dann setzte sich die Alstätterin an die Nähmaschine. Jahr für Jahr, Stunde für Stunde. Immer wieder kam etwas Neues hinzu: kleinere Umhänge, buntere Turbane, ausgefallenere Muster. „Ich komme aus einer Familie mit vielen Schneidern“, erzählt sie. So bekam auch Getrud Haveloh ein Händchen fürs Nähen in die Wiege gelegt. Davon profitieren nun die Sternsinger. Wie viele Stunden Gertrud Haveloh wohl an den prächtigen Stücken gesessen hat? Sie winkt ab. Unzählbar viele.

Mittlerweile hängen so viele Umhänge in dem Schrank, dass rund 100 Kinder eingekleidet werden können. Und zwar in verschiedenen Farben. Rot, Grün, Schwarz, Gelb – und das alles in mehreren Größen. Manche Umhänge waren früher Mal Gewänder für die Messdiener, manche sind aus Stoffen entstanden, die bei Karneval übriggeblieben sind. Ein wichtiges Auswahlkriterium: Alles muss gewaschen werden können.

Denn nach der Aktion ist vor der Aktion. Dann bleiben weder die Waschmaschinen noch die Bügeleisen bei den Frauen kalt. Auch die Pflege der Kleider übernehmen die vier Alstätterinnen. „Die Sachen bleiben keine acht Tage bei uns Zuhause“, sagen sie. Auch nicht, wenn es wie im vergangenen Jahr ordentlich regnet und die Arbeit ungleich größer ist.

Trotzdem machen die Frauen ihre Sache gerne. Schließlich unterstützen sie damit einen guten Zweck. In diesem Jahr sammeln die Sternsinger für Projekte gegen Kinderarbeit in Indien. „Hauptsache, die Alstätter schmeißen auch etwas in die Dose“, gibt Haveloh einem Mädchen mit auf den Weg. Die antwortet: „In der Straße, wo ich unterwegs bin, wohnen nur Omas.“ Gut, denken sich die Frauen. „Die schmeißen am besten“, sagt Henriette Hilbring und lacht.

Über 70 Kinder machen in diesem Jahr bei der Aktion mit, da bleibt für jedes die Möglichkeit, aus den rund 100 Umhängen auszuwählen. Das gilt auch für den Kopfschmuck. Die vielen Turbane und Kronen haben die Frauen auf dem Tisch ausgebreitet, sie kennen jedes einzelne Stück. Umhang und Kopfschmuck – beides muss zusammen passen. Darauf legen die Frauen Wert. In diesem Jahr sind vor allem die Kronen beliebt, „voriges Jahr wollte die kaum jemand“, erinnert sich Irmgard Ibing. Dabei kann sich der zackige Schmuck durchaus sehen lassen – nicht nur auf Irmgard Ibings Haupt.

► Die Sternsinger in Alstätte bringen am Donnerstag (4. Januar) den Segen in die Häuser. Beginn ist um 9.30 Uhr mit einem Wortgottesdienst in der Kirche. Der Abschlussgottesdienst findet am Samstag (6. Januar) um 17 Uhr statt.

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