7000 Seiten Gedrucktes Ein Stück Alstätte für die Ewigkeit

Alstätte -

500 Stunden haben sie gearbeitet. Und viel gefunden in den Zeitungsartikel der Westfälischen Nachrichten aus den Jahren 1991 bis 2017. „Manchmal hat man sich selber wiedergefunden“, sagt Norbert Iking.

Von Rupert Joemann
Stolz dürfen die Archivmitarbeiter des Heimatvereins auf die neuen Bände mit Zeitungsartikeln sein: (v.l.) Franz Schwiep, Norbert Ibing, Guido Kortbus, Werner Wielens, Heinrich Holters und Karlheinz Göring.
Stolz dürfen die Archivmitarbeiter des Heimatvereins auf die neuen Bände mit Zeitungsartikeln sein: (v.l.) Franz Schwiep, Norbert Ibing, Guido Kortbus, Werner Wielens, Heinrich Holters und Karlheinz Göring. Foto: Rupert Joemann

Wer schreibt, der bleibt. Dieser Spruch gilt in Alstätte wohl für die Ewigkeit. Rund 7000 Seiten Gedrucktes haben Mitglieder des Heimatvereins in akribischer, etwa 500-stündiger Fleißarbeit für die Nachwelt in Büchern zusammengefasst. Alles Zeitungsartikel der Westfälischen Nachrichten aus den Jahren 1991 bis 2017. Die Bände sind beim Tag der offenen Tür der Sozialstation Woltering am morgigen Sonntag in der Alten Vikarie einzusehen.

Die Grundlage bildet die Sammlung von Franz Schwiep . Der Alstätter hat sämtliche WN-Ausgaben aufgehoben und alle Artikel ausgeschnitten, in denen Alstätte vorkommt. Die Artikel, von der Fußballtabelle des VfB bis hin zum Empfang des neuen Pfarrers, hat er dann penibel auf weiße Blätter geklebt. Sogar kleinste Meldungen hat er gesichert.

Einmal in der Woche schneidet Franz Schwiep die Artikel aus den gesammelten Ausgaben aus. Und wenn der Haufen groß genug ist, klebt er sie auf. Wenn er mal im Urlaub weilte, sammelten seine Söhne weiter.

„Das Sammeln hat mein Onkel Heinrich Schwiep schon für die Jahre 1933 bis in die 70er-Jahre gemacht“, erzählt Franz Schwiep. Diese Zeitungsartikel hat der Heimatverein bereits bei einem früheren Projekt in fünf Bänden gebunden, dieses Mal werden es neun sein. „Die Bände sind jetzt dicker“, sagt Heinrich Holters, Vorsitzender des Heimatvereins, schmunzelnd. Es stand mehr in der Zeitung. Einige Bände sind schon fertig, die restlichen befinden sich noch im Druck, sollen aber bis zum Jahresende verfügbar sein.

„Wir haben den Ehrgeiz, die Alstätter Zeitungsartikel lückenlos zu haben. Jetzt fehlt uns nur noch die Zeit zwischen den 70ern und 91“, sagt Holters.

Im Jahr 2003 wurde schon mit dem Archiv Gerwing vieles aus den Kriegsjahren abgedeckt. Zuletzt erhielten die Akteure eine ganze Truhe mit sämtlichen Zeitungen aus der Zeit zwischen September 1939 und 1944. Diese stellen die Alstätter dem Gronauer Stadtarchiv zur Verfügung, mit dem sie schon bisher sehr gut kooperiert haben.

„Manchmal hat man sich selber wiedergefunden“, sagt Norbert Ibing lächelnd. Das sei spannend gewesen. Karl-Heinz Göring erblickte etwas über Hildegard Hassels: „Sie war sechs Jahre meine Lehrerin.“ „Das Zeitgefühl ist doch ein anderes“, erzählt Ibing. Man glaube zwar, ein Ereignis sei erst vor Kurzem gewesen, in Wirklichkeit liege es aber viel länger zurück.

32 Mal haben sich Werner Wielens, Guido Kortbus, Ibing, Göring, Holters und Schwiep seit dem 29. Januar 2014 getroffen. Damals holte Josef Schwiep die Unterlagen aus dem Keller. Dabei haben sie die aufgeklebten Artikel wieder ausgeschnitten und neu zusammengesetzt, um die Seiten besser zu gestalten. Während Franz Schwiep die Artikel innerhalb von Erscheinungsjahren thematisch sortiert hatte, sind sie nun chronologisch zusammengestellt. „Wir haben alles das genommen, was für die Nachwelt interessant ist“, sagt Karlheinz Göring. So verzichteten sie zum Beispiel auf diverse Sporttabellen, wenn diese nicht aussagekräftig waren.

Die fertigen Seiten hat Guido Kortbus dann seit April 2016 eingescannt. Der 43-Jährige ist der Jüngste der Gruppe. Eigentlich wollte er einmal nur interessante, alte Familienfotos sehen, „um zu wissen, was Opa und Oma machten“. Dazu nahm er Kontakt mit Heinrich Holters auf. Ergebnis: Er scannte das Alstätter Familienblatt ein. Und jetzt die Zeitungsartikel.

„62 Blatt in einer Stunde“, sagt Guido Korbus lapidar, wenn er auf die Zeit fürs Scannen angesprochen wird. Er habe nicht die ganze Zeit danebensitzen müssen, schränkt der 43-Jährige ein. Aber vor allem die größeren, nicht Din-A 4-Seiten verursachten doch deutlich Mehrarbeit.

Besonders stolz sind die Gruppenmitglieder darauf, alle Todesanzeigen zu haben. Danach würde oft gefragt, so die Erfahrung der Mitglieder.

Nur bei einem hatten die Archivare Schwierigkeiten: beim Druck der digitalisierten Daten. „Das haben wir technisch nicht hochwertig genug hingekriegt“, sagt Heinrich Holters. Deshalb entschloss sich die Gruppe, die Seiten herkömmlich in einer hervorragenden Qualität mit einem Tintenstrahldrucker auszudrucken und später binden zu lassen. „Die Mutterkopie haben wir behalten“, sagt Holters. So können die Bände bei Bedarf neu gedruckt werden. Das Kopieren und Einbinden hat Stefan Woltering mit einer bedeutenden Summe unterstützt.

Eins von insgesamt sieben Exemplaren wird in der Tagespflege der Sozialstation Woltering liegen. Dann können die Gäste einen ausgiebigen Blick in die Geschichte Alstättes werfen – dank der akribischen Fleißarbeit der sechs Mitglieder des Heimatvereins.

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