Abschied nach zwei Jahrzehnten Nach 20 Jahren sagt er Tschüss

Alstätte -

Jens Potreck wünscht sich mehr Zeit für die Familie – und er holt sie sich. Bedeutet: Der 39-Jährige kandidiert nicht mehr für den Pfarreirat in Alstätte/Ottenstein.

Von Bettina Laerbusch
Die Kirche im Hintergrund ist die „falsche“: Zum Pressegespräch anlässlich seines Ausscheidens aus dem Pfarreirat der Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt kam Jens Potreck nach Gronau.
Die Kirche im Hintergrund ist die „falsche“: Zum Pressegespräch anlässlich seines Ausscheidens aus dem Pfarreirat der Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt kam Jens Potreck nach Gronau. Foto: Bettina Laerbusch

39 Jahre ist er alt. Und das heißt in diesem speziellen Fall: Bereits sein halbes Leben gehört Dr. Jens Potreck dem Pfarrgemeinderat, später Pfarreirat, der Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt an. Doch jetzt hört er auf. An diesem Wochenende tritt der 39-Jährige zu den Wahlen des neuen Laiengremiums nicht mehr an.

Nein, es hat keinen Knatsch gegeben, der den zweifachen Familienvater – seine Kinder sind inzwischen vier und sechs Jahre alt – veranlasst hat, nach zwei Jahrzehnten Schluss zu machen. Es sind eben seine Kinder, es ist seine Familie, für die er einfach mehr Zeit haben möchte. Der Entschluss, sein Engagement im Pfarreirat zu beenden, sei nicht von jetzt auf gleich gefallen, sagt Pot­reck. „Es war ein Prozess.“

In welchem Bereich kann ich Zeit einsparen? Welche Projekte, Vereinsmitgliedschaften, Ehrenämter und andere Freizeitaktivitäten kann ich am ehesten aufgeben, um mehr für die Familie oder auch nur für mich selbst da zu sein? Diese Fragen stellen sich viele Menschen. Für ihn, erklärt Pot­reck im WN-Gespräch, mache es Sinn, die Arbeit im Pfarreirat zu beenden, weil er dort „etwas auf den Weg“ gebracht habe. „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich etwas abbreche“, sagt er.

Pfarrer Büschleb habe ihn damals gefragt, ob er nicht für den Pfarrgemeinderat kandidieren wolle. Da war er zarte 19 – und er sagte „Ja“. „Drei Pastoren, drei Pastoralreferenten, eine Fusion und zwei Pastoralkonzepte habe ich erlebt“, erzählt Potreck schmunzelnd und lobt die „immer offene Gesprächsatmosphäre“, die im Pfarrgemeinde- und später Pfarreirat geherrscht habe. Elf Jahre war er dessen Vorsitzender. Natürlich sei auch kontrovers diskutiert worden – „mit allen drei Pfarrern“ sei das möglich gewesen. Ein Pastoralkonzept, sagt Potreck nicht ohne Stolz, habe die Gemeinde Mariä Himmelfahrt nicht erst aufgestellt, als die entsprechende Aufforderung an alle Kirchengemeinden vom Bischof aus Münster kam. Eine zentrale Frage sei dabei immer, wie das ehrenamtliche Engagement gefördert werden kann.

„Es wird schwieriger, Leute zu finden“, betont der 39-Jährige und weist darauf hin, dass es für den neuen Pfarreirat, der an diesem Wochenende (11./12. November) gewählt wird, nur neun Kandidaten gibt. Er wünscht sich sehr, dass ganz viele Gemeindemitglieder am Samstag oder Sonntag zur Wahl gehen, „damit die Kandidaten, auch wenn es wenige sind, ein starkes Mandat bekommen“. Wahlberechtigt sind am Wochenende alle Gemeindemitglieder ab 14 Jahren.

Nur neun Kandidaten – hat das scheidende Mitglied Jens Potreck da kein schlechtes Gewissen, gerade jetzt aufzuhören? „Ich bin überhaupt nicht der Typ, der denkt, dass er unersetzbar ist“, sagt der 39-Jährige. Dass der Glaube für ihn immens wichtig ist, daran lässt er an diesem Novembernachmittag keinen Zweifel aufkommen. In zwei Jahren stehe die Erstkommunion bei seinem ältestens Kind an: Kommunionunterricht zu geben, vielleicht zusammen mit seiner Frau, das kann er sich durchaus vorstellen. Es schmerzt ihn, wird im Laufe des Gespräches deutlich, wenn Bankreihen in der Kirche beim Gottesdienst leer bleiben. Dabei sehnten sich die Menschen nach Spiritualität. „Da hat die Kirche eine Chance, wir nehmen sie nur noch nicht wahr.“

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