Alstätter Firma Terracryl: Ein blitzsauberer Job

Alstätte -

Eher unscheinbar kommt das Gebäude von Terracryl daher. Doch dahinter verbirgt sich ein Unternehmen, das für das „Who is Who“ der Geschäftswelt produziert. Die wichtigsten Auftraggeber des Acrylglas-Verarbeiters kennen die Adresse: Swarowski, Apple, Porsche – die Liste ließe sich noch eine Weile fortsetzen.  

Von Susanne Menzel
Vor 15 Jahren hat sich Herbert Karas selbstständig gemacht. Inzwischen hat er sich ganz auf Acrylglas spezialisiert. Duschtüren werden über selbst gebauten Rohlingen geformt (kl. oberes Bild). Bei deren Zuschnitt fallen Späne – das gilt auch für Acryl. Nur sehen die Abfälle hier dann aus wie Schneegestöber (kl. unteres Bild).
Vor 15 Jahren hat sich Herbert Karas selbstständig gemacht. Inzwischen hat er sich ganz auf Acrylglas spezialisiert. Duschtüren werden über selbst gebauten Rohlingen geformt (kl. oberes Bild). Bei deren Zuschnitt fallen Späne – das gilt auch für Acryl. Nur sehen die Abfälle hier dann aus wie Schneegestöber (kl. unteres Bild). Foto: Susanne Menzel

Es scheint fast so, als würde sich der Büroeingang zu Terracryl zwischen den großen Firmenhallen rechts und links wegducken. Klein, eher ein wenig unscheinbar, kommt das Gebäude daher. Auf den ersten Blick kaum erkennbar, dass sich dahinter ein Unternehmen verbirgt, das zum Teil für das „Who is Who“ der Geschäftswelt produziert.

Die wichtigsten Auftraggeber des Acrylglas-Verarbeiters allerdings kennen die Adresse: Swarowski, Apple , Porsche , Yves Saint Laurant, Mac oder Hymer – die Liste ließe sich noch eine Weile fortsetzen. Sie alle beziehen von dem Alstätter Unternehmen Aufsteller oder Displays, die aufgrund des durchsichtigen Materials ihr Markenprodukt optimal präsentieren.

„Die Kontakte laufen zu 95 Prozent über ein Netzwerk, vorzugsweise aus dem Bereich Ladenbau“, erklärt Herbert Karas . Wie beispielsweise bei Apple: „Dafür stellen wir seit sieben, acht Jahren die Aufsteller für die I-Phones und I-Pads her. Die Firma Dula, die die Apple-Stores einrichtet, ist seinerzeit mit dem Auftrag für die Werbemittel an uns herangetreten.“

Vor 15 Jahren hat Herbert Karas den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. „Ich war vorher bei einem ähnlich gelagerten Unternehmen in Ahaus beschäftigt und habe gedacht: Das kann ich auch selbst auf die Beine stellen“, blickt der 54-Jährige auf die Anfänge zurück. Mit zwei Angestellten war er gestartet und „hat in den ersten Jahren reichlich Lehrgeld bezahlt“.

In den letzten fünf Jahren sei die betriebliche Entwicklung dann aber stetig nach oben gegangen: „Wir haben einen gewissen Kundenstamm in Deutschland, der Schweiz, in Österreich, Frankreich und Italien an uns binden können und produzieren jetzt auf 2500 Quadratmetern Fläche. Gerade erst sind 1000 Quadratmeter dazu gekommen, auch eine neue CNC soll jetzt unseren Maschinenpark erweitern.“

Dass vor allem der asiatische Markt eine starke Konkurrenz bedeutet, dessen ist sich Herbert Karas bewusst: „Wir müssen stetig in diese Richtung schauen – und uns selbst immer weiter entwickeln. Ob es nun im Maschinen-, Messe- oder im Ladenbau ist“, betont er. So unterliegt etwa die Verklebung der Acrylglasteile einer schnellen Veränderung: „Die Kunden wollen keine Klebenähte mehr sehen“, hat sich auch Karas umstellen müssen. Aktuell setzt er eine UV-Verklebung aus dem Automobilbereich ein. Mit dem UV-Licht (Aushärtezeit 20 Sekunden) werden die Einzelteile ruck-zuck haltbar zusammengefügt.

„Eigentlich ist das hier eine sehr feine und reine Arbeit“, zeigt Herbert Karas mit der Hand in die große, lichtdurchflutete Halle. Die einzelnen Arbeitsplätze sind aufgeräumt, Staub und Dreck sucht man hier vergebens. Wäre bei Acrylglas auch eher kontraproduktiv. Nur an der Fräse für den Duschtüren-Zuschnitt (immerhin 25 000 Stück entstehen hier pro Jahr für Wohnmobile) sieht es aus, als wäre an dieser Stelle ein Schneegestöber in die Halle gefegt.

„Wir machen hier alle einen blitzsauberen Job“, sagt Herbert Karas. Das ist zum einen als Lob an die Belegschaft gemeint – zum anderen will der Firmenchef aber auch mit den vielen Vorurteilen aufräumen, die es noch immer gegenüber der Berufssparte „Zerspaner“ gibt. „Die meisten Menschen denken dabei an Metall. Auch im Acrylbereich gibt es diesen Berufszweig.“ Das scheint sich vor allem unter den jungen Leuten noch nicht ganz herumgesprochen zu haben: „Es wird immer schwieriger, Auszubildende zu finden“, heißt es auch bei Terracryl.

Zurzeit beschäftigt das Unternehmen drei Auszubildende, um die sich in erster Linie Sohn Christian kümmert. Der 27-Jährige ist Zerspanungsmechaniker-Meister und Ausbilder und seit zwei Jahren mit im Betrieb. Momentan bereitet er sich in Abendkursen auf seine Prüfung zum Technischen Betriebswirt vor. Die nächste Generation steht bei Terracryl schon in den Startlöchern.

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