Prozess um getötete Flüchtlingshelferin
Staatsanwältin fordert lebenslange Haft

Ahaus/Münster -

Mit „Heimtücke“ und aus „niederen Beweggründen“ soll der wegen Mordes angeklagte Asylbewerber aus Nigeria die Ahauser Flüchtlingshelferin umgebracht haben. „Das war keine Spontan-Tat. Sie war lang geplant“, warf die Staatsanwältin im Verfahren am Landgericht dem 28-Jährigen aus Nigeria vor.

Mittwoch, 20.09.2017, 16:09 Uhr

Der Angeklagte mit seinem Verteidiger im Landgericht Münster.
Der Angeklagte mit seinem Verteidiger im Landgericht Münster. Foto: klm

Der abgelehnte Asylbewerber, der in einer Ahauser Unterkunft am Kalkbruch wohnte, soll die 22 Jahre alte Studentin in der Nacht auf den 11. Februar am Hessenweg mit 22 Messerstichen getötet haben.

Am Mittwoch wurden die Plädoyers gehalten. Die Staatsanwältin sprach sich am Ende der Beweisaufnahme für eine Verurteilung des Mannes zu lebenslanger Haft wegen Mordes aus – so war die Tat auch angeklagt. Darüber hinaus solle das Gericht die besondere Schwere der Schuld feststellen. In dem Fall wäre es für den Angeklagten ausgeschlossen, dass er nach frühestens 15 Jahren vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen würde.

Frau hatte „kurze sexuelle Beziehung“ beendet

„Eine kurze sexuelle Beziehung“ hätten der 28-Jährige und die Studentin der Sozialarbeit im Sommer vergangenen Jahres gehabt, so die Anklagevertreterin. Das die Frau beendete. Zum einen war sie mit ihrem festen, langjährigen Freund zusammen, zum anderen wollte sie sich offenbar „ausprobieren“, wie es der Anwalt ihrer Angehörigen formulierte. Die 22-Jährige fing laut den Erkenntnissen des Gerichts eine Affäre mit einem anderen Mann an und hatte die Sache mit dem Angeklagten für beendet erklärt. „It‘s over“ („Es ist vorbei“), hatte sie dem 28-Jährigen per Handy getextet.

„Dafür, dass sie nicht mit ihm zusammen sein wollte, wollte er sie bestrafen“, sagte die Anklagevertreterin. Und: „Diese kurze Sequenz im Leben der Frau hat er zum Anlass genommen, über sie zu bestimmen und dass sie sich ihm fügen muss.“

Blutspuren an der Kleidung

Nach der Tat waren sowohl Blutspuren des Nigerianers an der Kleidung der Getöteten gefunden worden als auch Blutspuren von ihr an Kleidungsstücken von ihm. Der Mann hatte vor seiner Flucht in die Schweiz blutverschmierte Sachen in der Asylbewerberunterkunft zurückgelassen.

Der Nebenklagevertreter sprach von „extremer Brutalität“ des kräftigen 28-Jährigen gegenüber dem 1,53 Meter großen und lediglich 47 Kilo schweren Opfer. Er habe ein Messer und einen Koffer bei sich gehabt. In letzterem habe er die verblutende Frau fortbringen und Spuren beseitigen wollen.

Verteidiger forderte mildere Bestrafung

Der Verteidiger des 28-Jährigen hingegen forderte eine mildere Bestrafung wegen Totschlags. Zum Beispiel sei „Eifersucht als ,niederer Beweggrund‘“ und damit als Mordmerkmal „nicht feststellbar“.

Die getötete Studentin hatte zwei Praktika in der Unterkunft absolviert und arbeitete ansonsten als Ehrenamtliche mit. Das Urteil im Verfahren verkündet das Gericht am 11. Oktober.

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