Feriendomizile nur erfunden
Gutgläubige Urlauber standen vor dem Nichts

Laer/Rheine -

Weil ein 38-jähriger Mann, der zwischen August 2015 und Juli 2016 in Laer, danach in Nottuln wohnte, mit fiktiven Ferienhäusern in Kroatien und Spanien Geschäfte machte, verurteilte das Schöffengericht in Rheine ihn am Dienstag wegen gewerbsmäßigen Betruges in 57 Fällen zu vier Jahren Gefängnis.

Dienstag, 13.02.2018, 20:02 Uhr

 
  Foto: pp

Damit ging das Gericht sechs Monate über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus. Der Angeklagte wurde aus der Untersuchungshaft vorgeführt und musste anschließend zurück ins Gefängnis. Über sein letztes Handy wurde sein Standort in Nottuln ermittelt. Angemeldet war er dort nicht.

Der Gesamtschaden betrug 63 500 Euro, einen Teil davon hatte er an „Zweifler“ zurückgezahlt. Deswegen legte das Gericht ihm einen Wertersatz von 53 000 Euro auf. Zudem wurden ihm die Schadensausgleichsanträge von ach t Geschädigten mit 6000 Euro auferlegt.

Der Angeklagte übernahm für alle Betrugstaten die volle Verantwortung und entschuldigte sich bei den Geschädigten. Er ist gewillt, den Schaden wiedergutzumachen, was bei der langen Freiheitsstrafe für ihn schwierig werden dürfte.

Wegen einer Gewalttat an seiner Ex-Freundin hat er bereits elf Jahre im Gefängnis verbracht, den Großteil in der Schweiz. Im Juni 2013 wurde er aus der Haft entlassen. „Ich wollte arbeiten“, sagte er, aber in seinem Beruf als Grafikdesigner sei das nicht möglich gewesen.

Seit Januar 2014 arbeitete er in der Immobilienbranche. Für einen Kollegen fertigte er ein Exposé für ein Ferienhaus von dessen Eltern an. Zu Anfang 2015 wurde ihm die Stelle gekündigt, weil die Firma sich von dem Zweig trennte.

Im Mai 2015 meldete er seinen Wohnsitz in Laer an, wo er mit seiner Lebensgefährtin zusammenwohnte. Dort machte er sich selbstständig mit geringen Einkünften, die nicht für das Leben reichten.

Im Fernsehen habe er dann einen Bericht über Scheinimmobilien gesehen, der ihn auf die Idee gebracht habe, Exposés von nicht existenten Ferienhäusern in Kroatien und Spanien zu fertigen. Die habe er unter Ebay-Kleinanzeigen unter verschiedenen Namen ins Netz gestellt und schnell Mietanfragen dafür erhalten.

„Mit jeder erfolgreichen Vermietung habe ich mich mehr und mehr in die Abwärtsspirale begeben, so dass es irgendwann kein Zurück mehr gab“, beschrieb er seinen kriminellen Werdegang. Der Schaden in Laer betrug laut Anklage 53 000 Euro.

Im März 2016 wurde ihm die erste Anzeige in Laer zugestellt. Bei seiner Vernehmung erfand er eine „abenteuerliche Geschichte“, wie die Richterin ihm vorhielt. Im August 2016 zog er zu seiner neuen Liebe nach Nottuln. Dort machte er weiter und vermietete 14 Ferienhäuser zwischen dem 17. Januar und 21. Oktober 2017. Mit einem Gesamtschaden von 10 500 Euro. „Ich war zu stolz, Sozialhilfe zu beantragen“, erklärte er sein Verhalten.

„Die Urlauber standen vor dem Nichts“, hielt die Richterin ihm in der Urteilsbegründung vor. Strafverschärfend wirkte sich die zweite Tatenserie aus, „weil Sie schon von den Ermittlungen gegen Sie wussten“, so die Vorsitzende.

Im Zuhörerraum saß ein geprelltes Ehepaar, das ein Haus in Krk für 1230 Euro gemietet hatte. Mit vier Kindern und einem Hund wollten sie nach 1500 Kilometern ihr Feriendomizil beziehen, das es nicht gab. Sie fanden dort mit Hilfe ihrer Angehörigen ein Ersatzhaus für zehn Tage und bezahlten dafür 2500 Euro. In einer Whatsapp haben sich die Geschädigten gefunden und ausgetauscht. „Bis Sie Ihr Geld zurückbekommen, könnte es dauern“, sagte die Richterin an das Ehepaar gewandt.

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