Vor der Wertholzversteigerung
Eichen, wie sie im Buche stehen

Münster -

288 Baumstämme liegen in diesen Tagen auf einem Gelände nahe Münster – am Freitag werden sie versteigert. Die münsterländische Eiche ist derzeit sehr gefragt: Mit ihrer dunklen Farbe und gröberen Art liegt sie schwer im Trend. Ein Besuch auf dem Holzlagerplatz.

Mittwoch, 14.02.2018, 12:02 Uhr

Von der Qualität sind Platzmeister Alfons Gausebeck (links) und Jörn Stanke, Leiter des Forstbetriebsbezirks Münster überzeugt: Selten waren so dicke Exemplare im Angebot.
Von der Qualität sind Platzmeister Alfons Gausebeck (links) und Jörn Stanke, Leiter des Forstbetriebsbezirks Münster überzeugt: Selten waren so dicke Exemplare im Angebot. Foto: Gunnar A. Pier

Die Zeiten sind gut für die münsterländische Eiche. „Sie ist eher dunkel und mit Ästchen“, sagt Ferdinand Graf von Merveldt. Das galt vor 20 Jahren noch als Makel, aber heute ist diese rustikale Variante des Holz-Klassikers in Mode. „Wenn man die Konjunktur jetzt nicht mitnimmt, ärgert man sich später“, findet der Waldbesitzer aus Lembeck im Kreis Recklinghausen. Deshalb bietet er bei der 53. Wert- und Starkholzversteigerung am Freitag in Nottuln-Appelhülsen gleich 90 Festmeter an – etwa doppelt so viel wie sonst.

Vor der Wert- und Starkholzversteigerung 2018

1/13
  • 180213-13

    In Reih' und Glied liegen die 288 Stämme auf einem drei Hektar großen Gelände zwischen Münster-Wolbeck und Sendenhorst.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Ein Metalleinschluss sorgt für die dunkle Verfärbung, die an diesem Stamm farbig markiert wurde.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Jörn Stanke, Leiter des Forstbetriebsbezirks Münster (links), und der scheidende Fortwirtschaftsmeister und Platzmeister Alfons Gausebeck am dicksten Stamm der diesjährigen Auktion.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Ferdinand Graf von Merveldt bietet in diesem Jahr rund 90 Festmeter Holz an.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Der scheidende Fortwirtschaftsmeister und Platzmeister Alfons Gausebeck (links) und Jörn Stanke, Leiter des Forstbetriebsbezirks Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Ferdinand Graf von Merveldt bietet in diesem Jahr rund 90 Festmeter Holz an.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Ferdinand Graf von Merveldt bietet in diesem Jahr rund 90 Festmeter Holz an.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Der scheidende Fortwirtschaftsmeister und Platzmeister Alfons Gausebeck (links) und Jörn Stanke, Leiter des Forstbetriebsbezirks Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier

"Das ist alles erste Sahne"

Der Lagerplatz etwas außerhalb des münsterischen Ortsteils Wolbeck sieht für viele wohl eher etwas unscheinbar aus: Auf einer drei Hektar großen Fläche liegen Baumstämme. Aber Jörn Stanke ist ganz begeistert von dem, was er dort sieht: „Das ist alles die erste Sahne aus dem Münsterland!“ Also Eichen, wie sie im Buche stehen. Stanke leitet den münsterischen Forstbetriebsbezirk, die Versteigerung am Freitag gehört für ihn merklich zu den Höhepunkten im Förster-Jahr.

Nur ein Prozent der Holzmasse kommt in die Versteigerung

Dabei wird das meiste Holz das Jahr über verteilt direkt verkauft. „Bei uns geht nur etwa ein Prozent der verkauften Holzmasse in diese Versteigerung“, erklärt beispielsweise Graf von Merveldt. „Aber das bringt fünf Prozent unserer Erlöse.“ Denn unter den hölzernen Hammer kommt eben nur das beste Holz. Höchste Qualität ist gefragt, also möglichst feine Jahresringe, gerade gewachsen und mit wenigen größeren Ästen – „astrein“ eben. Immerhin: Kleinere Einwachsungen und Farbschattierungen sind derzeit in Mode.

Ferdinand Graf von Merveldt verschafft sich einen Überblick: Nahe Münster warten 288 Baumstämme auf die Versteigerung am Freitag.

Ferdinand Graf von Merveldt verschafft sich einen Überblick: Nahe Münster warten 288 Baumstämme auf die Versteigerung am Freitag. Foto: Gunnar A. Pier

Hauptsächlich Eichen

Die Stämme stammen vornehmlich aus dem Münsterland, aber auch aus dem Sauerland, Siegerland und dem Ruhrgebiet. „95 Prozent sind Eichen“, erläutert Revierleiter Stanke. „Das ist hier unsere Hauptbaumart.“

Oft stamme das Holz „aus der normalen Durchforstung“. Das heißt: Die Bäume wurden etwa gefällt, weil sie zu dicht nebeneinander standen „und sich in der Krone bekabbelten“. Sie können aber auch „forstwirtschaftlich reif“ sein, wie der Experte erklärt. Das ist der Fall, wenn der Verkauf jetzt lukrativ wäre und absehbar ist, dass der Baum bald an Wert verliert – häufig wegen beginnender Fäule.

Hohe Qualität in diesem Jahr

Von der Qualität in diesem Jahr sind Stanke und seine scheidender Kollege, Platzmeister Alfons Gausebeck, diesmal geradezu begeistert. „Dieses Jahr haben wir richtig dicke Stämme!“ Bis zu 1,20 Meter messen sie im Durchmesser, sind maximal 14 Meter lang und manchmal über zehn Tonnen schwer. Ein typischer Stamm ist zwischen 150 und 200 Jahren alt. Bei der Versteigerung im vergangenen Jahr kostete das teuerste Stück 8106 Euro.

Oft werden Stämme als "Los" verkauft - wie dieses Paket aus fünf Bäumen.

Oft werden Stämme als "Los" verkauft - wie dieses Paket aus fünf Bäumen. Foto: Gunnar A. Pier

Käufer selbst aus dem Ausland

Die Käufer kommen nach Angaben des Landesbetriebs Forst und Holz aus ganz Deutschland, aber auch aus Holland, Dänemark und der Schweiz. Es sind Dielenhersteller, Möbelfabrikanten, Furnierwerke. Alle, die richtig gutes Holz brauchen und nichts, um es zu zerhacken und zu Sperrholz zu pressen. Sie haben seit längerer Zeit die Gelegenheit, auf dem Lagerplatz vorbeizuschauen und die Stämme zu begutachten, damit sie am Freitag wissen, wofür sie bieten.

53. Wert- und Starkholzversteigerung

Die 53. Wert- und Starkholzversteigerung des Landesbetriebs Wald und Holz NRW beginnt am Freitag, 16. Februar 2018, um 9 Uhr im Bürgerzentrum „Hof Schulze Frenking“ in Nottuln-Appelhülsen. Es ist die einzige ihrer Art in NRW und eine von bundesweit drei Versteigerungen.

Insgesamt kommen in diesem Jahr 1413 Festmeter unter den Hammer. Ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter fester Holzmasse – also ohne Zwischenräume. Die Veranstaltung gilt zugleich als Branchentreffen – „ein Netzwerktag“, wie Ferdinand Graf von Merveldt es beschreibt.

Im vergangenen Jahr wurde bei der Versteigerung ein Umsatz von etwa einer Million Euro erzielt.

...

Weniger Stämme als im Vorjahr

In diesem Jahr werden 1413 Festmeter angeboten – etwa 300 weniger als im Vorjahr. Das liegt am schlechten Wetter im Herbst. Wegen des andauernden Regens waren die Böden so durchweicht, dass viele Waldbauern das Holz einfach nicht herausholen konnten.

Das ist wiederum gut für alle, die ihr Holz rechtzeitig zum Lagerplatz schaffen konnten: Das verkleinerte Angebot hebt im Zweifel noch einmal die Preise. Gute Zeiten eben auch für die Besitzer der münsterländischen Eichen.

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5521736?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F
Auto-Freaks sorgen auf Ahlener Zechengelände für Ärger
Die Fläche zwischen den Fördertürmen ist beliebter Treffpunkt der jungen Fahrer mit lautstark getunten Autos. Diesen dichtzumachen, könnte Teil der Lösung sein, hoffen die Anlieger.
Nachrichten-Ticker