Landwirtschaft
"Das vernichtet Bauernkapital, Tag für Tag"

Münster -

Schweinepest, Konkurrenz aus Osteuropa, stagnierende Milchpreise: Westfalens Bauernpräsident Johannes Röring sieht große Herausforderungen am Horizont. Beim traditionellen Presseabend übte er außerdem deutliche Kritik an den großen Schlachtbetrieben.

Freitag, 12.01.2018, 08:01 Uhr

Landwirtschaft: "Das vernichtet Bauernkapital, Tag für Tag"
Übte deutliche Kritik an den großen Schlachtbetrieben: Johannes Röring, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands. Foto: Gunnar A. Pier

Der Blick zurück sorgt für Zufriedenheit, die Zukunft jedoch bringt neue und große Herausforderungen: "Die Bauern in Westfalen-Lippe konnten sich im abgelaufenen Wirtschaftsjahr über gestiegene Erzeugerpreise freuen", zog der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband, Johannes Röring , am späten Donnerstagabend eine positive Bilanz.

Vor allem beim Schweinefleisch und den Milchpreisen sei die Nachfrage bis zum Herbst gut gewesen. Dies hilft gerade den in der Region stark vertretenen Tierhaltern, die Verluste der vergangenen Jahre auszugleichen. "Das durchschnittliche Betriebsergebnis ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 70 Prozent auf 64000 Euro gestiegen", sagte Röring beim traditionellen Presseabend auf Gut Havichhorst in Münster.

Milchpreis schwankt 34 und 38 Cent

Vor allem die weltweit gute Nachfrage nach Fleisch- und Milchprodukten auch und gerade aus dem Münsterland habe dazu beigetragen, dass die Ergebnisse für die heimische Landwirtschaft gut ausfielen. Während sich die Ackerbaubetriebe vor allem wegen der starken Konkurrenz aus Osteuropa und vor allem der Ukraine nur über geringe Zuwächse freuen konnten, legten die Unternehmenergebnisse bei den Veredlungsbetrieben in Westfalen um 136 Prozent auf 92180 Euro zu.

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Die EU-Betriebsprämie, die jeder Betrieb pünktlich zum Jahreswechsel aus Brüssel überwiesen bekommt, beträgt dabei 18000 Euro. Der Milchpreis schwankt zwischen 34 und 38 Cent pro Liter. Doch die aktuelle Lage - das Wirtschaftsjahr läuft im Bereich der Landwirtschaft jeweils von Ende Juni bis Juni - sowie der Ausblick aufs Wirtschaftsjahr 2017 sind laut Bauernverband eher durchwachsen. "Wir rechnen mit stagnierenden Milchpreisen sowie einem weiter hohen Druck auf die Fleischerzeugerpreise", so Röring weiter.

"Das wäre katastrophal"

Dazu trage auch die Preispolitik der großen Schlachtbetriebe wie Tönnies oder Westfleisch bei. "Deren Preispolitik vernichtet Bauernkapital, Tag für Tag", wird Röring deutlich. Noch schlimmer würde es die gesamte Region treffen, wenn sich - wie berichtet - die afrikanische Schweinepest tatsächlich in Deutschland ausbreiten würde.

"An dem Tag, an dem das erste von dem Erreger befallene Tier irgendwo in Deutschland gefunden wird, wird ein Exportstopp für ganz Deutschland verhängt. Das wäre gelinde gesagt katastrophal."Fachleute gehen von einem Schaden für die ganze Branche in Höhe von mindestens einer Milliarde Euro aus. Die deutschen Bauern fordern höhere finanzielle Unterstützung für die Seuchenbekämpfung vor allem im Baltikum, in Polen und in Tschechien.

Meinung

Kommentar

Ein Jahr voller Herausforderungen

Das Jahr 2018 dürfte für die Bauern in Westfalen kein leichtes werden - es wird ein spannendes Jahr für die Landwirtschaft. Die drohende Schweinepest ist nur eine Gefahr, bei deren Ausbruch die gesamte Branche in ihrer Existenz bedroht wäre. Doch auch die wachsende Konkurrenz in Fernost und vor allem in Osteuropa stellt die westfälische Landwirtschaft vor enorme Herausforderungen.

Die Ukraine hat ihren technologischen Rückstand gegenüber ihren deutschen Berufskollegen verringert und tritt gerade im Bereich Getreideanbau als Konkurrent auf die Weltmärkte. Und auch der heimische Markt erweist sich angesichts der wachsenden Konzentrationsbewegungen als schwierig. Eine faire Betrachtung und Bewertung der Leistungen der Landwirte und ihrer Familien wäre dabei gerade in der deutschen Öffentlichkeit durchaus eine Hilfestellung

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