Eurobahn in der Kritik
Ausfälle, Verspätungen und überfüllte Zugabteile

Münster -

Verspätungen und Zugausfälle. Unmut der Fahrgäste als Folge. Die Eurobahn hat mit dem Fahrplan­wechsel im Dezember das Teutoburger-Wald-Netz von der Westfalen-Bahn und DB Regio übernommen. In den ersten Tagen lief alles planmäßig, sagt auch der Zweckverband Nahver kehr Westfalen-Lippe (NLW) als Auftraggeber. Doch inzwischen hagelt es Kritik, massive Kritik, weil es eben nicht mehr rundläuft – und ausgerechnet jetzt die Fahrgastinformation hundsmiserabel sei.

Donnerstag, 11.01.2018, 17:00 Uhr

Wenn nur ein Triebwagen vorfährt, statt wie geplant zwei, wird es mitunter sehr eng. Foto: Blümer

Zum neuen Netz gehören auch die RB 66, die Münster mit Osnabrück verbindet, die RB 65 zwischen Münster und Rheine sowie die RB 61 von Bielefeld über Rheine nach Bad Bentheim und bald bis Hengelo. Hier wie da und dort das gleiche, unschöne Bild.

Eurobahn soll öffentlich Maßnahmen benennen

Dem NWL ist jetzt der ­Kragen geplatzt. Wieder einmal. Am Mittwoch gab es ein Spitzengespräch, bei dem die Eurobahn-Mutter Ke­olis ­auf­gefordert wurde, öffentlich Maßnahmen zu benennen, mit denen die Probleme abgestellt werden können. Die Atmosphäre sei ernst ge­wesen, heißt es.

Das Eisenbahnunternehmen mit französischen Wurzeln hat in der Vergangenheit mehrfach für Unmut gesorgt. Besonders schlimm war es im vergangenen Winter. Wegen eines hohen Krankenstandes bei den Lokführern musste die Eurobahn Züge aussetzen. Viel Ärger, negative Schlagzeilen: Geschäftsführer Thomas Görtzen kündigte an, Personal-Akquise und Ausbildung zu intensivieren.

Personalmangel führt zu Zugausfällen

Am 10. Dezember startete die Eurobahn auf dem Teutoburger-Wald-Netz. Fünf Li­nien, 5,3 Millionen Zugkilometer. Dazu hatte das Unternehmen Gerät und Personal von den Altbetreibern übernommen; 40 Lokführer und rund zwei Dutzend Schaffner. Zusammen mit den rund 50 selbst ausge­bildeten Triebwagenführern schien das alte Mega-Problem Personalmangel ausgemerzt. „Ich glaube nicht, dass uns das wieder passiert“, sagt Görtzen, angesprochen auf die früheren Ausfälle.

Es ist aber wieder passiert, wiederholt passiert. Im Teutoburger-Wald-Netz, bei der RB 69/89 zwischen Hamm und Münster und auch bei der RB 50 zwischen Münster und Dortmund, dort zuletzt am Mittwoch. Die Gründe: mieses Wetter, ein hoher Krankenstand, technische Probleme mit Fahrzeugen und wider Erwarten keine neuen, größeren Triebwagen, weil sich deren Zulassung durch das Eisenbahnbundesamt verzögert hatte. Es sei leider nicht alles rund ge­laufen, sagt Eurobahn-Sprecherin Danica Dorawa.

Konsequenzen drohen

Henning Rehbaum, CDU-Landtagsabgeordneter aus Albersloh, hatte schon vor Tagen die Keule ausgepackt. „Sollte sich nicht schnellstens eine spürbare Verbesserung für die Fahrgäste einstellen, plädiere ich für die schrittweise Entbindung von Bahnunternehmen von ih­ren Verkehrsverträgen.“

Öffentlich Stellung beziehen und Perspektiven aufzeigen: Der NWL-Aufforderung kann sich Keolis natürlich nicht entziehen. „Wir äu­ßern uns am Freitag dazu“, kündigte Dorawa an. Zu hören ist, dass Keolis Verzögerungen bei der Lokführer-Ausbildung und technische Probleme bei der Fahrgast-Information an­geben wird. Der fahrplanmäßige Betrieb im Teutoburger-Wald-Netz solle aber in den nächsten Tagen sichergestellt werden.

Neuer Holland-Zug pendelt zwischen Bielefeld und Hengelo

Die RB 61 von Bielefeld über Osnabrück, Rheine und Bad Bentheim fährt ab kommenden Sonntag bis ins niederländische Hengelo. Die Linie gehört zum Teutoburger-Wald-Netz und wird von der Eurobahn betrieben. Die stündlich fahrenden Züge können für den niederländischen Abschnitt mit dem Westfalentarif und dem Niedersachsentarif genutzt werden, teilte der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) mit. Die Züge sind mit dem niederländischen und deutschen Bahnstromsystem aus­gerüstet, sodass erstmals kein zeitaufwendiger Lokomotivwechsel mehr in Bad Bentheim erforderlich ist. Der Zug hält – anders als die zweistündlich auf der Verbindung fahrenden IC zwischen Amsterdam und Berlin – auch im Grenzort Oldenzaal.

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