Amtsgericht Tecklenburg Voll ausgerastet

Lengerich/Lienen-Kattenvenne/Tecklenburg -

Alkohol, Amphetamine und wenig Schlaf waren die explosive Mischung, die einen heute 35-jährigen Mann aus Lienen-Kattenvenne im August 2016 komplett ausrasten ließ. Am Donnerstag bekam er die Quittung vom Amtsgericht Tecklenburg ausgestellt: Der Mann muss hinter Gitter.

Von Dietlind Ellerich
Das Amtsgericht Tecklenburg 
Das Amtsgericht Tecklenburg  Foto: Michael Baar

Ohne ersichtlichen Anlass stürzte er sich in der Nacht auf eine Familie, die sich vor einer Lengericher Gaststätte auf den Heimweg machen wollte, und verletzte drei Menschen schwer.

Am Mittwoch bekam er die Quittung für diese gefährliche Körperverletzung, begangen an einem Ehepaar, in Tateinheit mit einfacher vorsätzlicher Körperverletzung an einem weiteren Mann. Das Amtsgericht Tecklenburg verurteilte den mehrfach einschlägig Vorbestraften, der die Tat unter laufender Bewährung begangen hatte, zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr.

Zwar bescheinigte der Richter dem Mann eine verminderte Schuldfähigkeit, schloss aber einen minder schweren Fall aus. Zudem folgte er der Staatsanwaltschaft und dem Anwalt der beiden Nebenkläger, die dem Mann keine weitere Chance der Strafaussetzung geben wollten. Der Verteidiger des Kattenvenners hatte sich, „ohne die Tat bagatellisieren zu wollen“, für eine Bewährungsstrafe ausgesprochen, weil er eine gute Prognose für seinen Mandanten mit einem stabilen sozialen Umfeld und einer Festanstellung sah.

Der 35-Jährige hatte das Geschehen gestanden, soweit er sich noch daran erinnern konnte. Eine Reihe von Zeugen, die von weither hätten anreisen müssen, brauchten deshalb nicht auszusagen. Laut Anklage hatte der Mann nach einem kurzen verbalen Geplänkel einen 66-jährigen Lengericher angegriffen, bis dieser zu Boden ging, und ihn dann mehrfach mit den Fäusten ins Gesicht geschlagen und gegen den Kopf getreten. Als die 63-jährige Ehefrau den 35-Jährigen von ihrem Mann wegziehen wollte, kassierte sie einen Tritt in den Bauch. Ein weiterer Mann aus der Gruppe erlitt ebenfalls Verletzungen.

„Ich weiß nicht, was mich da geritten hat“, sagte der Angeklagte vor Gericht. Er wisse nicht mehr viel von dem Geschehen, das ihm total leid tue. Er räumte ein, neben Alkohol auch Amphetamine konsumiert zu haben, obwohl er bereits seit elf Jahren legale Ersatzstoffe bekommt. Dies bestätigte der Bewährungshelfer, der ihm einige Jahre lang zur Seite gestanden hatte.

Er bescheinigte dem Kattenvenner, der eine „schwer süchtige Person“ sei, Zuverlässigkeit in der Substitution und bei der Erledigung von Arbeitsstunden sowie Verlässlichkeit in der Wahrnehmung von Terminen. Er sagte aber auch, dass es immer wieder zu solchen Situationen wie im August 2016 kommen könne.

Wie sehr das Lengericher Ehepaar nach knapp eineinhalb Jahren noch unter dem Eindruck des Geschehens in der Tatnacht steht, wurde deutlich, als der Richter die Nebenkläger zu den Folgen befragte. Die 63-Jährige kämpfte mit den Tränen, stellte klar, wie sehr sie seitdem in ihrer Lebensqualität eingeschränkt sei. Die Eheleute befinden sich noch in psychiatrischer Behandlung. Die strafrechtlichen Folgen des Geschehens seien für sie wichtiger als ein Schmerzensgeld, erklärte ihr Anwalt vor Gericht.

Dass sie heute einen Schlussstrich ziehen könnten, wünschte der Richter den Geschädigten. „Irgendwann muss der Rechtsstaat sagen, dass es so nicht geht“, begründete er, warum eine fühlbare Strafe her müsse. Für die vom Vertreter der Nebenklage angesprochene Unterbringung des 35-Jährigen in einer Entziehungsanstalt sah er die Voraussetzungen nicht erfüllt.

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