Afrikanische Schweinepest Banges Warten auf die Seuche

Münster -

Offenbar ist der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland nicht mehr zu verhindern. Es sei nur noch eine Frage der Zeit, erklärten auf Nachfrage unisono der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) und das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (Lanuv). Die wirtschaftlichen Folgen ei­nes Seuchenfalls wären katastrophal. Die Landwirte im Münsterland, der Veredlungsregion in NRW mit rund 4,5 Millionen Schweinen, seien darum hochgradig nervös, sagt Steinfurts Kreisveterinär Dr. Christoph Brundiers.

Von Elmar Ries
Jäger haben am Dienstag in Bielefeld ein Massenjagd auf Wildschweine veranstaltet. Die infizieren sich oftmals durch kontaminierte und weggeworfene Lebensmittel (kleines Bild) mit dem Pest-Virus.
Die Gefahr einer Einschleppung der Afrikanischen Schweinpest nach Deutschland ist angesichts neuer Fälle in Polen und Tschechien weiterhin hoch. Foto: Bernd Settnik/dpa

Nicht mehr ob, nur noch wann: Lanuv-Sprecher Wilhelm Deitermann bezieht sich in seiner rabenschwarzen Prognose auf die jüngste Risiko-Bewertung des Friedrich-Loeffler-Instituts. Seit Jahren bewegt sich das Pest-Virus von Ost nach West. Es hat die deutsche Grenze fast er reicht. In Polen und Tschechien greifen die Behörden in ihrer Not zu drastischen Maßnahmen. Um die Hausschweine zu schützen, werden die wilden Artgenossen von Scharfschützen gejagt.

Die Schwarzkittel sind ein Vehikel für die Viren. Über infizierte Bachen und Keiler kann der Erreger nicht nur ordentlich Strecke machen, sondern obendrein problemlos in Ställe gelangen. Um das zu verhindern, werden auch in NRW Wildschweine nun intensiver gejagt. „Bei den Jägern ist das Problembewusstsein sehr hoch“, sagt Ludger Baumeister , Präsidiumsmitglied des Landesjagdverbandes NRW.

100 Jäger zur Massenjagd

Nicht zuletzt durch den intensiven Maisanbau sind die Populationen in den vergangenen Jahren stark gewachsen. „Mit Ein­zeljagden wird man dem Problem nicht mehr Herr“, sagt Baumeister. Revierübergreifende Drückjagden seien das einzige Mittel, die Bestände klein zu bekommen – und damit das In­fek­tionsrisiko zu minimieren.

So wie am Dienstag in Bielefeld. Auf Anraten der Veterinärverwaltung NRW veranstalteten rund 100 Jäger am Bielefelder Berg entlang der A 2 eine Massenjagd.

In NRW wurde Anfang des Jahres per Erlass die Schonzeit für Wildschweine aufgehoben. Ausgenommen sind nur Bachen mit Frischlingen. Auch die Trichinen-Untersuchung übernimmt die Staatskasse. Andere Bundesländer gehen einen Schritt weiter und zahlen inzwischen Abschussprämien.

Dem Menschen kann der Erreger nichts anhaben. Der Seuchenfall hätte dennoch katastrophale Folgen. Sperrbezirke, Massenkeulungen: Bei einem Ausbruch sei es wahrscheinlich, dass Regionen wie das Münsterland in punkto Tiertransporte quasi stillgelegt werden, sagt Deitermann. Die Behörden bereiten sich seit Wochen auf den Worst-Case vor.

Immenser Schaden für Ernährungsbranche möglich

Für den wirtschaftlichen Gau genügt ein pestkrankes Wildschwein. Auf ei­nen zweistelligen Milliardenbetrag beziffert Bernhard Krüsken vom Deutschen Bauernverband im Fall des Ausbruchs den möglichen Schaden für die gesamte Ernährungsbranche. „In Estland gab ein Drittel der schweinehaltenden Betriebe nach dem Pest-Ausbruch auf“, sagt WLV-Sprecher Hans-Heinrich Berghorn.

Wildschweine sind ein Virus-Vehikel. Aber nicht das entscheidende. Besondere Gefahr geht vom Menschen aus. So wurde die Pest nachweislich durch kontaminierte und weggeworfene Essensreste auf Schwarzkittel übertragen. Zur Prophylaxe gehört darum auch die Überprüfung von Zäunen, die Au­tobahn-­Rast­plät­ze umgeben und Waldstücke von der Fahrbahn trennen. Am Bielefelder Berg fehlt das Sperrwerk zur A 2. Darum griffen Jäger dort zur Büchse.

Leserkommentare
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5413333?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F