Afrikanische Schweinepest
Banges Warten auf die Seuche

Münster -

Offenbar ist der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland nicht mehr zu verhindern. Es sei nur noch eine Frage der Zeit, erklärten auf Nachfrage unisono der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) und das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (Lanuv). Die wirtschaftlichen Folgen ei­nes Seuchenfalls wären katastrophal. Die Landwirte im Münsterland, der Veredlungsregion in NRW mit rund 4,5 Millionen Schweinen, seien darum hochgradig nervös, sagt Steinfurts Kreisveterinär Dr. Christoph Brundiers.

Mittwoch, 10.01.2018, 08:01 Uhr

Jäger haben am Dienstag in Bielefeld ein Massenjagd auf Wildschweine veranstaltet. Die infizieren sich oftmals durch kontaminierte und weggeworfene Lebensmittel (kleines Bild) mit dem Pest-Virus.
Die Gefahr einer Einschleppung der Afrikanischen Schweinpest nach Deutschland ist angesichts neuer Fälle in Polen und Tschechien weiterhin hoch. Foto: Bernd Settnik/dpa

Nicht mehr ob, nur noch wann: Lanuv-Sprecher Wilhelm Deitermann bezieht sich in seiner rabenschwarzen Prognose auf die jüngste Risiko-Bewertung des Friedrich-Loeffler-Instituts. Seit Jahren bewegt sich das Pest-Virus von Ost nach West. Es hat die deutsche Grenze fast er reicht. In Polen und Tschechien greifen die Behörden in ihrer Not zu drastischen Maßnahmen. Um die Hausschweine zu schützen, werden die wilden Artgenossen von Scharfschützen gejagt.

Die Schwarzkittel sind ein Vehikel für die Viren. Über infizierte Bachen und Keiler kann der Erreger nicht nur ordentlich Strecke machen, sondern obendrein problemlos in Ställe gelangen. Um das zu verhindern, werden auch in NRW Wildschweine nun intensiver gejagt. „Bei den Jägern ist das Problembewusstsein sehr hoch“, sagt Ludger Baumeister , Präsidiumsmitglied des Landesjagdverbandes NRW.

Afrikanische Schweinepest auf dem Vormarsch

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  • Die Gefahr einer Einschleppung der Afrikanischen Schweinpest (ASP) nach Deutschland ist angesichts neuer Fälle in Polen und Tschechien weiterhin hoch.

    Die Gefahr einer Einschleppung der Afrikanischen Schweinpest (ASP) nach Deutschland ist angesichts neuer Fälle in Polen und Tschechien weiterhin hoch.

    Foto: Carsten Rehder, dpa
  • Die Seuche ist über Georgien und Russland in die EU eingeschleppt worden, inzwischen wurde sie in sechs Mitgliedstaaten nachgewiesen. 

    Foto: dpa
  • Das Risiko der Einschleppung durch den direkten Kontakt zwischen infizierten Wildschweinen schätzen Fachleute als mäßig ein. Besondere Gefahr geht hingegen vom Menschen aus. So könnte die Seuche sehr schnell durch kontaminierte Essensreste, die an Raststellen entsorgt werden, nach Deutschland eingetragen werden. 

    Foto: dpa
  • Da reicht beispielsweise schon ein achtlos weggeworfener Rest von Wildschweinsalami aus betroffenen osteuropäischen Beständen, der dann von einem hiesigen Wildschwein gefressen wird. 

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  • Der Erreger ist für den Menschen ungefährlich. Laut Landestierärztekammer Mecklenburg-Vorpommer birgt selbst der Verzehr von infiziertem Schweinefleisch kein gesundheitliches Risiko.

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  •  Bei Schweinen verläuft die Erkrankung hingegen in fast allen Fällen tödlich.

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  • Es gibt keinen Impfstoff gegen die Seuche. Eine Einschleppung in Zuchtbetriebe könnte deshalb zu großen wirtschaftlichen Schäden führen.

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  • Seit mehreren Monaten bereiten sich Bund und Länder auf den „worst case“ eines möglichen Ausbruchs der Seuche in Deutschland vor.

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  • Die Jagd auf Schwarzkittel wurde intensiviert, so auch entlang der A2 bei Bielefeld. Die Autobahn gilt als Hauptverkehrsachse von Osteuropa über Berlin nach Nordrhein-Westfalen.

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  • Ist ein Tier nachweislich an der ASP erkrankt oder gestorben, greifen mehrere Maßnahmen (hier das Bild einer Übung). Um den Standort des Betriebes, dessen Bestand komplett getötet werden muss, wird ein Sperrbezirk eingerichtet, in dem ein Verbot der Freilandhaltung von Hausschweinen gilt.

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  • Außerdem dürfen Gras, Heu und Stroh aus dem gefährdeten Gebiet nicht in Hausschweinbestände geliefert werden – und das alles für sechs Monate. Zudem gelten für das erweiterte Umfeld des Sperrbezirks strenge Handels- und Transportverbote.

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  • Während in der Kernzone unmittelbar um den Fundort der Schwerpunkt der Bekämpfung auf dem Absammeln von Kadavern liege, würden vor allem in der äußeren Pufferzone Wildschweine intensiv bejagt.

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  • Die Forscher gehen davon aus, dass eine massive Reduktion der Wildschweinpopulation um mehr als 70 Prozent erforderlich ist, um eine Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern. 

    Foto: dpa
  • Dennoch ist es bislang keinem von ASP betroffenen Land gelungen, die Seuche auszumerzen.

    Foto: dpa

100 Jäger zur Massenjagd

Nicht zuletzt durch den intensiven Maisanbau sind die Populationen in den vergangenen Jahren stark gewachsen. „Mit Ein­zeljagden wird man dem Problem nicht mehr Herr“, sagt Baumeister. Revierübergreifende Drückjagden seien das einzige Mittel, die Bestände klein zu bekommen – und damit das In­fek­tionsrisiko zu minimieren.

Die Wildschweine finden hier ein gutes Nahrungsangebot und haben in den milden Wintern keine Probleme, zu überleben.

Antonius Vormann, Landwirtschaftlicher Ortsverband Seppenrade

So wie am Dienstag in Bielefeld. Auf Anraten der Veterinärverwaltung NRW veranstalteten rund 100 Jäger am Bielefelder Berg entlang der A 2 eine Massenjagd.

In NRW wurde Anfang des Jahres per Erlass die Schonzeit für Wildschweine aufgehoben. Ausgenommen sind nur Bachen mit Frischlingen. Auch die Trichinen-Untersuchung übernimmt die Staatskasse. Andere Bundesländer gehen einen Schritt weiter und zahlen inzwischen Abschussprämien.

Dem Menschen kann der Erreger nichts anhaben. Der Seuchenfall hätte dennoch katastrophale Folgen. Sperrbezirke, Massenkeulungen: Bei einem Ausbruch sei es wahrscheinlich, dass Regionen wie das Münsterland in punkto Tiertransporte quasi stillgelegt werden, sagt Deitermann. Die Behörden bereiten sich seit Wochen auf den Worst-Case vor.

Immenser Schaden für Ernährungsbranche möglich

Für den wirtschaftlichen Gau genügt ein pestkrankes Wildschwein. Auf ei­nen zweistelligen Milliardenbetrag beziffert Bernhard Krüsken vom Deutschen Bauernverband im Fall des Ausbruchs den möglichen Schaden für die gesamte Ernährungsbranche. „In Estland gab ein Drittel der schweinehaltenden Betriebe nach dem Pest-Ausbruch auf“, sagt WLV-Sprecher Hans-Heinrich Berghorn.

Wildschweine sind ein Virus-Vehikel. Aber nicht das entscheidende. Besondere Gefahr geht vom Menschen aus. So wurde die Pest nachweislich durch kontaminierte und weggeworfene Essensreste auf Schwarzkittel übertragen. Zur Prophylaxe gehört darum auch die Überprüfung von Zäunen, die Au­tobahn-­Rast­plät­ze umgeben und Waldstücke von der Fahrbahn trennen. Am Bielefelder Berg fehlt das Sperrwerk zur A 2. Darum griffen Jäger dort zur Büchse.

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