Geschwindigkeitsbegrenzung Münster und Osnabrück setzen auf Tempo 30

Münster -

Die Städte Münster und Osnabrück entdecken die Lang­samkeit. Während der Haupt- und Finanzausschuss in Münster am Mittwochabend den Lärmaktionsplan auf den Weg gebracht hat, in dessen Rahmen in der Innenstadt auf mehreren zentralen Straßen Tempo 30 vorgesehen ist, ging der Osnabrücker Rat tags zuvor noch einen Schritt weiter. 

Von Elmar Ries
Geschwindigkeitsbegrenzung: Münster und Osnabrück setzen auf Tempo 30
Tempo 30 soll ab Frühjahr 2019 in Münster auf zusätzlichen Straßen gelten. Foto: colourbox.de

Die Stadt will bei einem Wettbewerb des Landes mitmachen. Dabei geht es darum, ein Tempolimit von 30 Stundenkilometern auf drei Hauptstraßen zu zementieren. Herausgefunden werden soll, wie sich die Geschwindigkeitsreduzierung auf den Verkehrslärm, die Luftverschmutzung und den Verkehrsfluss auswirkt. Das Projekt in Münster ist auf fünf, der Versuch in Osnabrück auf drei Jahre angelegt.

In Münster sind es in der Kernstadt ab 2019 neun Abschnitte, in denen die Stadt auf die Bremse treten will. Die Aegiidistraße gehört dazu, die gerne von auswärtigen Besuchern genutzt wird, weil das an ihr liegende Aegidii-Parkhaus schön zentral liegt. Ebenso die nördliche Stadt-Querung (Münz-Straße, Bergstraße, Bült, Mauritzstraße), die Von-Steuben-Straße, die vorm Hauptbahnhof herführt (plus ausgerechnet jener Nebenstraßen, die das Parkhaus Engelenschanze einrahmen). Auf Tempo 30 abgebremst wird zudem der innenstadtrelevante Teil der Wolbecker Straße, die Moltkestraße, die den Ludgeriplatz mit der Weselerstraße verbindet und nachts auch die Hammer Straße im Bereich zwischen Ludgeriplatz und der Einmündung Geiststraße.

Lärmreduktion als Ziel

Knapp 8000 Münsteraner sollen durch diesen Schritt in den Genuss einer reduzierten Lärmbelastung kommen. Die Stadt, so erklärt die Verwaltung, kommt mit diesem Schritt gesetzlichen Vorgaben aus Berlin und Brüssel nach. Die Stadt Osnabrück zeigt sich mit ihrem Maßnahmenpaket vor allem experimentierfreudig. Inwieweit der Verkehrsfluss von diesen Schritten betroffen sein wird, bleibt abzuwarten. Ziel in Osnabrück ist es auch, die Auswirkungen der Geschwindigkeitsreduzierung auf Fußgänger, Radfahrer und den öffentlichen Personennahverkehr zu un­tersuchen. An dem Modellprojekt will auch die Stadt Hannover teilnehmen.

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Der ADAC sieht vor allem Tempo 30 auf Hauptstraßen eher kritisch. Oftmals seien solche Maßnahmen nicht mehr „als ein Hilfeschrei“, sagt ADAC-Westfalen-Sprecher Dr. Peter Meintz . Dahinter steckten dann „mas­sive Defizite in der Verkehrsplanung“. Zentraler Kritikpunkt an der Tempo-Bremse: die Durchsetzbarkeit. „Das muss man konsequent überwachen.“ Aus Sicht des Auto­mo­bil-Clubs ist eine redu zierte Geschwindigkeit „in ab­­soluten Innenstadtlagen vernünftig“, würden jedoch Durchgangsstraßen einbezogen, „ist das ausgesprochen schwierig“. Tempo 30, so Meintz, ist kein Allheilmittel. Ähnlich differenziert sieht es auch der Städte- und Gemeindebund NRW.

Umfrage

Im Rahmen der Bürgerbeteiligung zum Lärmaktionsplan kam heraus: die Münsteraner wünschen sich auf mehr Innenstadt-Straßen Tempo 30. Damit laufen sie gegen den Trend. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts „YouGov“ lehnen 52 Prozent der Befragten eine Begrenzung auf Tempo 30 in Innenstädten ab. Volle Zustimmung findet die Idee nur bei einen Fünftel der Befragten. Ein Viertel ist „voll und ganz“ gegen Tempo 30, ein weiteres Viertel ist „eher“ dagegen.

Runter vom Gas, das hat auch die Pendler- und Bankenmetropole Frankfurt am Main zwischen 2015 und 2016 versuchsweise ausprobiert. Maximal 30 Stundenkilometer auf vier Hauptstraßen. Das Ziel war dasselbe wie in Münster: Lärmreduktion. Drei Dezibel wurde es leiser, obwohl sich ohne Kontrollen kaum jemand ans vorgeschriebene Tempo hielt. Am Ende packte die Stadt die Schilder wieder ein und überließ das Feld der Politik: Der Rat der Stadt hat sich laut Medienberichten bis heute noch nicht geeinigt, wie es weitergehen soll.

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