„Pfusch am Bau“ kostet Millionen Sophie-Scholl-Schule muss wegen PCB-Belastung in Rohbauzustand versetzt werden

Epe -

Paukenschlag in der Sitzung des Bauausschusses am Dienstagabend: Die Stadt Gronau muss das Gebäude der Eper Sophie-Scholl-Schule (heute Teilstandort der Euregio-Gesamtschule) mit Millionen-Aufwand sanieren. In der erst vor einigen Jahren aufwendig runderneuerten Schule wurde eine PCB-Belastung festgestellt. Um die dauerhaft zu beseitigen, muss die Immobilie in den Rohbauzustand zurückversetzt werden.

Von Klaus Wiedau
Die Sophie-Scholl-Schule: Wegen einer PCB-Belastung muss die erst vor einigen Jahren sanierte Schule jetzt komplett in einen Rohbau zurückgebaut werden. Die Kosten dafür werden, wie die WN aus Insider-Kreisen erfuhren, voraussichtlich mehr als drei Millionen Euro betragen.
Die Sophie-Scholl-Schule: Wegen einer PCB-Belastung muss die erst vor einigen Jahren sanierte Schule jetzt komplett in einen Rohbau zurückgebaut werden. Die Kosten dafür werden, wie die WN aus Insider-Kreisen erfuhren, voraussichtlich mehr als drei Millionen Euro betragen. Foto: Klaus Wiedau

Bajorath stellte in der Debatte auch die Fragen nach der Fachaufsicht der Bauverwaltung. „Oder verlässt man sich nur auf das Ingenieurbüro?“ Dazu: Stadtbaurat Frank Vetter : „Zunächst verlassen wir uns auf das beauftragte Ingenieurbüro, denn dafür haben wir es ja beauftragt.“ Das gelte besonders für solche Schadstoffthemen. Natürlich habe die Stadt als Bauherr Kontrollaufgaben. Aber, so Vetter beispielhaft: „Wenn Sie eine Statik vergeben, dann rechnen Sie nicht die Statik nach – weil Sie es im Zweifel gar nicht können.“

Festgestellt worden war die PCB-Belastung im Zuge der aktuell anstehenden Baumaßnahmen. Im Rahmen eines sogenannten Schadstoff-Screenings, dass die Stadt seit einigen Jahren bei allen größeren Baumaßnahmen durchführt, werden dabei Proben von möglicherweise belasteten Baustoffen und Materialien genommen und Raumluftmessungen durchgeführt. In der Sophie-Scholl-Schule führte das zu auffälligen Raumluftmessungen.

Weitere Untersuchungen (an 24 Messpunkten im Gebäude) zeigten in der Raumluft Messwerte, die oberhalb ein so genannten Vorsorgewertes und unterhalb eines Interventionswertes (siehe Themenkasten) lagen. Die ermittelten Werte der Rastermessung lagen zwischen 181 und 1090 Nanogramm/je Kubikmeter Raumluft (ng/cbm).

Als primäre Quelle wurden nicht entfernte Fugendichtungen alter Fenster und das Fugenmaterial der alten Waschbeton-Fassadenplatten ermittelt, die unter den neuen Fassadenplatten sitzen. Dieses Material aus den 1970er-Jahren hätte eigentlich bei einer Sanierung, die 2005 und 2009 in zwei Bauabschnitten durchgeführt wurde, entfernt werden müssen. Nach Einschätzung des Fachingenieurs des Büros Wessling wurde die PCB-Sanierung der Fugen vom damaligen Ingenieurbüro nicht fachgerecht und umfassend ausgeschrieben und auch von den beiden seinerzeit ausführenden Firmen nicht rückstandslos und damit mängelfrei durchgeführt. Vom damals tätigen Ingenieurbüro seien die Arbeiten aber als mängelfrei abgenommen worden.

Die Folgen zeigen sich heute: Das PCB-haltige Fugenmaterial gast in die Raumluft aus, setzt sich dann – als sekundäre Quelle – erneut auf anderen Oberflächen (Wandbeschichtungen, Bodenbeläge) ab. Bei den im Sommer vorgenommenen Messungen zur Schadensanalyse wies ein im Erdgeschoss liegender Klassenraum mit 2720 ng/cbm den höchsten Wert auf. Die Höhe des Wertes sei aber wohl auch auf die hohe Außentemperatur während der Messung zurückzuführen, so die Fachleute des Büros Wessling. Der Raum wurde daraufhin von einer Sanierungsfirma komplett entkernt (also in den Rohbauzustand versetzt), um den Belastungsgrad nach dieser Sanierungsmaßnahme zu ermitteln. Es wurde festgestellt, dass eine PCB-Belastung in der Raumluft nach der Sanierung nicht mehr messbar war. Dies änderte sich aber im Fassadenbereich bereits binnen kurzer Zeit wieder, nachdem der ausdünstende Fassadenbereich mit Folien ummantelt wurde. Hier stieg die PCB-Belastung wieder an.

Aus den ermittelten Ergebnissen ergibt sich ein mittelfristiger Handlungsbedarf, wie Kai Reddig und seine Kollegin Dr. Birgitta Höwing deutlich machten. Auf Nachfrage gab Vetter an, dass die Schule unter Beachtung eines erhöhten Reinigungsaufwandes und der Umsetzung eines Lüftungskonzeptes weiter betrieben werden kann. Eltern und Lehrer seien über den Schaden informiert worden – rund 800 Briefe brachten Stadt und Schule dafür auf den Weg. Aber: Einen Informationsabend der Stadt am 19. Oktober hätten – entgegen eines erwarteten Ansturms – gerade mal 15 Eltern besucht, so Vetter gegenüber den WN.

Die Verwaltung soll jetzt ein PCB-Sanierungskonzept für das Gebäude erstellen – über die Vergabe der Arbeiten entscheidet dann die Politik.

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