Unglück bei "Cold Water Challenge" Prozess um erschlagenen Familienvater erneut vor Gericht

Isselburg/Hamm -

Der „Cold-Water-Challenge″-Prozess geht in die zweite Instanz. Das Oberlandesgericht Hamm verhandelt am kommenden Freitag über mögliche Schadensersatzansprüche der Hinterbliebenen eines tödlich verunglückten Mannes aus Isselburg. Der Familienvater war im Juli 2014 bei einem Videodreh zur „Cold-Water-Challenge″ mit seinem Kegelclub von einem Bagger erschlagen worden.

Von Anne Koslowski
Unglück bei "Cold Water Challenge": Prozess um erschlagenen Familienvater erneut vor Gericht
Was als Cold-Water-Challenge-Jux begann, endete in einer Tragödie: Wegen Überladung kippte ein mit 2000 Litern Wasser gefüllter Teleskoplader im Juli 2014 um und erschlug einen 34 Jahre alten Familienvater. Foto: Guido Schulmann (Archiv)

Am Freitag um 9.30 Uhr soll das Gericht entscheiden, ob und wenn in welchem Umfang die hinterbliebene Ehefrau und die drei Kinder Anspruch auf Schadensersatz haben. Die 38-jährige Mutter von Kindern im Alter von neun, sieben und vier Jahren möchte in dem Berufungsverfahren erreichen, dass der Fahrer, der Halter und der Versicherer des Teleskopladers für Unterhaltsverpflichtungen und weitere materielle Schäden haftbar gemacht werden können.

Baggerschaufel mit 1800 Litern Wasser beladen

Bei dem Videodreh zur "Cold Water Challenge" in Isselburg (Kreis Borken) hatte das Opfer mit anderen Mitgliedern des Isselburger Kegelclubs auf Bierbänken gesessen und auf den Wasserschwall gewartet. Doch dann ging alles schief, der Bagger mit 1800 Litern Wasser beladen, stürzte in die Gruppe. Sechs Personen wurden erfasst, darunter der damals 34 Jahre alte Familienvater. Fünf weitere Personen im Alter zwischen 32 und 36 Jahren wurden zum Teil schwer verletzt.

Das Landgericht Münster hatte im vergangenen Jahr einen Anspruch gegen den Haftpflichtversicherer abgelehnt, weil der Unfall nicht im Straßenverkehr, sondern auf einem privaten Acker passiert war.

2015 zu Geldstrafen verurteilt

Der Fahrer und der Halter waren bereits 2015 vom Amtsgericht Bocholt strafrechtlich zu Geldstrafen verurteilt worden. Der Halter musste eine Geldstrafe in Höhe von 4800 Euro (80 Tagessätze à 60 Euro) zahlen, weil er laut Richter gegen Sicherheitsvorschriften verstoßen hatte. So soll er Prüfungen nach den Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaften nicht haben machen lassen. Das hatte der damals 51-Jährige zugegeben und zwei Zeugen bestätigt. Außerdem hatte der Besitzer eingeräumt, den Fahrer nicht auf den Defekt der Überlastanzeige hingewiesen zu haben.

Gegen den Fahrer stellte der Richter das Verfahren ein. Er musste 3500 Euro als Auflage zahlen. Unter Tränen hatte er das Unglück damals vor dem Amtsgericht Bocholt geschildert. Der Teleskoplader sei mit der Schaufel voran in die Gruppe seiner Kegelfreunde gestürzt. Er habe aus der Fahrerkabine mit ansehen müssen, wie Mütter mit Kindern flüchteten - und wie ein Freund erschlagen wurde. Während seiner Aussage hatte der 37-Jährige minutenlang um Fassung gerungen.

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Cold Water Challenge

Die "Cold Water Challenge" ging 2014 um die ganze Welt. Dabei sollten sich Menschen mit eiskaltem Wasser übergießen, Freunde und Bekannte nominieren, die ebenfalls an dem Wasserspiel teilnehmen sollen und sich dabei filmen. Die Benannten sollten binnen 48 Stunden selbst ins kalte Wasser steigen, das Geschehen filmen und bei Youtube einstellen. Schafften sie das nicht, sollten sie denjenigen, denen sie die Nominierung zu verdanken hatten, eine "Strafe" bezahlen - die Währung hierbei waren meist Bierkisten oder Grillfeste. Viele Prominente nahmen auch an der Kaltwasser-Herausforderung teil, so zum Beispiel Microsoft-Chef Bill Gates. Er hatte eine Herausforderung von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg angenommen. Ursprünglicher Hintergrund der Aktion war, Spenden für die Bekämpfung der Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) zu sammeln.

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