Wilsberg Alle mal stillhalten: Thomas Kost ist Standfotograf

Münster -

Beim Film rufen sie gerne „Und Action!“ Aber wenn Thomas Kost kommt, müssen alle mal stillhalten. Dann friert selbst Leonard Lansink sein trotteliges „Wilsberg“-Gesicht ein und wartet, bis Kost sein Bild im Kasten hat. Thomas Kost ist Standfotograf: Er macht die Fotos, die hinterher in Pro grammzeitschriften und auch in unserer Zeitung für den Film werben.

Von Gunnar A. Pier
Georg Wilsberg (Leonard Lansink) bläst den Staub vom Tresen im Antiquariat, Thomas Kost hält die Szene im Bild fest: Der 50-Jährige ist Standfotograf beim Fernsehen.
Georg Wilsberg (Leonard Lansink) bläst den Staub vom Tresen im Antiquariat, Thomas Kost hält die Szene im Bild fest: Der 50-Jährige ist Standfotograf beim Fernsehen. Foto: Gunnar A. Pier

Ein Tag im Oktober am Antiquariat Solder im Schatten der münsterischen Überwasserkirche. Dass hier gerade Szenen für den nächsten „ Wilsberg “-TV-Krimi gedreht werden, erkennen die Passanten nicht nur daran, dass das Namensschild über der Eingangstür ausgewechselt wurde: Auf dem Bürgersteig stehen Scheinwerfer und Mo­nitore und wartende Filmschaffende mit dicken Jacken. Zwischen ihnen: Thomas Kost .

Wenn Medien neue Filme ankündigen, brauchen sie dafür Fotos. Und die werden keineswegs mal eben vom Fernseher abfotografiert oder aus dem Film herauskopiert. Die Qualität würde nicht genügen. Deshalb sind Fotografen am Set, die das fotografieren, was auch im Film zu sehen sein wird.

Als Regisseur Martin Enlen sein Okay gibt, lässt Aufnahmeleiter Colin Bennett kurz den Verkehr anhalten. „Wir drehen“, schallt es aus den Funkgeräten. Für gut eine Minute herrscht gespannte Ruhe an der Straßenecke, denn im kleinen Antiquariat läuft die Aufnahme. Wilsberg spricht mit zwei weiteren Figuren.

Fotografieren, was der Regisseur sich gedacht hat

Nur ganz wenige Beteiligte drängen sich drinnen – alle anderen verfolgen draußen am Monitor live, was drinnen geschieht.

Schnelles Foto im „Wilsberg“-Antiquariat: Standbild-Fotograf Thomas Kost zwängt sich in die Nische, in der eben noch die Filmkamera stand, und fotografiert die Szene mit Leonard Lansink und zwei weiteren Darsteller. Das Bild erscheint später vielleicht in Fernsehzeitschriften – oder unserer Zeitung. Warten auf dem Bürgersteig: Auf einem kleinen Monitor verfolgt Kost, was gerade im Antiquariat gedreht wird. Foto: Gunnar A. Pier

Als der „Take“ im Kasten ist, meldet Thomas Kost: Die Szene eignet sich für ein Fo­to. Also räumen Kameramann und Kollegen den kleinen Raum, Kost zwängt sich in die Ecke, in der gerade die Filmkamera stand, und fotografiert die Szene.

„Mein kreativer Beitrag hält sich in Grenzen“, gesteht der 50-Jährige. Grundsätzlich soll er ja das fotografieren, was sich der Regisseur ausgedacht hat.

Und doch ist es mehr als Knipserei. Denn die Aufgabe des Set-Fotografen ist es, die bewegte Szene in ein stehendes Bild zu übersetzen. Im Fernsehen sind die Darsteller mal zusammen, mal abwechselnd zu sehen. Sie wenden sich einander zu, drehen sich weg, schauen sich an, dann runter und zur Seite. Für das Foto muss all das, was eine vielleicht eine Minute dauernde Szene ausmacht, in einem Bild eingefangen werden. Deshalb inszeniert Kost nach. „Das sind ja Schauspieler, die können das einfach abrufen.“

Fotos wichtig für den Erfolg

Da ist es gut, wenn man Erfahrung hat. Und die hat Thomas Kost. Der Kölner hat schon alleine über 50 „Wils berg“-Filme fotografiert, wird außerdem oft für „Tatort“- Drehs gebucht. Meistens braucht er für ein Bild nur eine halbe Minute. „Ich ar­beite sehr schnell“, sagt er.

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Das verdankt er seiner früheren Arbeit als Reportage-Fotograf. Schon kurz nach dem Abi packte ihn die Fotografie, nach der Wende reiste er so oft es ging in den Osten und dokumentierte die neue Welt. Dann studierte er Fotodesign, arbeitete für Magazine, Zeitungen und Foto-Agenturen.

Durch Zufall kam er zur Set-Fotografie – und blieb. „Es ist viel einfacher als früher“, sagt er. Ihm helfen ein gewisses Standing, die Tatsache, dass er die meisten Kollegen lange kennt – und die Gewissheit: Die Schauspieler wissen, wie wichtig seine Fotos für den Erfolg der Produktion sind.

„Schön ist, wenn ein Bild eine Geschichte erzählt“, erklärt er seinen Anspruch. Wenn man sieht: Da geschieht etwas zwischen den abgebildeten Personen. Denn dann sieht man auch auf einem Foto das: „Action“.

„Wilsberg“-Dreh in Münster

Die Samstagskrimis um den münsterischen Privatdetektiv Georg Wilsberg (Leonard Lansink) sind ein Quotengarant für das ZDF. Deshalb läuft die Serie bereits seit vielen Jahren. Derzeit dreht das Team zeitgleich die Folgen „Mörderische Rendite“ und „Müll ist immer“, die im kommenden Jahr zu sehen sein sollen.

Anders als beim „Tatort“ werden tatsächlich die meisten Szenen in Münster gedreht. So gibt es das Antiquariat, vor dem und in dem viele Szenen spielen, tatsächlich. Doch es heißt nicht Wilsberg, sondern Solder.

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