Zwangsprostitution: 22-Jährige sagt aus Frau in Wohnung festgehalten?

Ahlen -

Im dritten Prozesstag um Zwangsprostitution und Körperverletzung vor dem Amtsgericht Ahlen hat jetzt die Geschädigte ausgesagt. Sie soll in einer Wohnung festgehalten worden sein.

Von Peter Schniederjürgen
Vor dem Amtsgericht Ahlen läuft derzeit ein Prozess, in dem es um schwere Körperverletzung und Zwangsprostitution geht.
Vor dem Amtsgericht Ahlen läuft derzeit ein Prozess, in dem es um schwere Körperverletzung und Zwangsprostitution geht. Foto: Peter Schniederjürgen

 Der Fluch der babylonischen Sprachverwirrung suchte am Donnerstag gezielt das Ahlener Schöffengericht heim. Zum dritten Verhandlungstag gegen zwei Bulgaren wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Zwangsprostitution traf es den Staatsanwalt besonders heftig.

„Haben Sie die Angeklagten gezielt zur Prostitution aufgefordert?“, fragte der Ankläger die als Zeugin erschienen Geschädigte. Diese scheinbar einfache Frage sorgte dennoch für zahlreiche Missverständnisse. Erst die Intervention des als Zeugenbeistand hinzugezogen Rechtsanwaltes der heute 22-jährigen Bulgarin brachte die Übersetzungen in die rechte Spur. „Ja, das hat mir der Zuhälter ins Auge gesagt“, gab die junge Frau an. Als „Zuhälter“ bezeichnete sie den 45-jährigen Bulgaren mit Wohnsitz im Heimatland. Mitangeklagt ist ein 42-jähriger Bulgare mit Wohnsitz in Ahlen.

Den Tag über schilderte die junge Frau die Umstände ihres Lebens zwischen Bulgarien, Deutschland und immer wieder Portugal. „Dort lebt mein Mann mit unserem Kind“, erklärte die Nebenklägerin. Das nächste Missverständnis: Auch hier griff der Zeugenbeistand klärend ein. Denn es handelt sich nicht um den rechtlich verbindlich angetrauten Ehemann, den die Bulgarin als „ihren Mann“ bezeichnete. Sie hat ein vierjähriges Kind mit dem Lebensgefährten in Portugal. Als auch das geklärt war, konnte sich das Gericht wieder den eigentlichen Vorfällen zuwenden. Zwischen dem 6. und 8. Mai dieses Jahres wurde die Geschädigte mutmaßlich von den Angeklagten in der Wohnung des Ahleners festgehalten und wohl schwer misshandelt. „Konnten Sie sich in der Wohnung bewegen?“, fragte die Richterin. Auch hier gab‘s zahlreiche Missverständnisse, bis die 22-Jährige klarmachte, sie habe nur gelegentlich das verschlossene Zimmer in der Wohnung verlassen dürfen. Ebenfalls hätten ihr die Angeklagten das Mobiltelefon abgenommen und sie von jeder Hilfe abgeschnitten. Später sei ihr mit Hilfe des jüngeren Sohnes des Ahlener Angeklagten die Flucht gelungen.

Als die Richterin ihr die Polizeiprotokolle vorhielt, in denen sie als Prostituierte bezeichnet wurde, wehrte die Geschädigte massiv ab. „Ich versuchte dem Polizisten klarzumachen, dass ich zur Prostitution gezwungen werden sollte“, übersetzte die Dolmetscherin. Um bei mangelnden Sprachkenntnissen diese Umstände zu erklären, nutze die Bulgarin Worte wie „Puff“. Die Verhandlung wird kommenden Donnerstag fortgesetzt.

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