Junger Vater zu Bewährungsstrafe verurteilt Betrunken „Hurensohn“ ins Auto gekratzt

Steinfurt -

Die Tat war klar. „Viel spannender war heute die Frage, wie sieht die Strafe aus?“ Diese Frage stellte der Richter selbst am Ende der Verhandlung am Donnerstag vor dem Steinfurter Amtsgericht.

Von Bernd Schäfer
Junger Vater zu Bewährungsstrafe verurteilt: Betrunken „Hurensohn“ ins Auto gekratzt
Vor dem Amtsgericht Steinfurt wurde der Fall eines 23-jährigen Burgsteinfurters verhandelt. Foto: dpa

Denn tatsächlich war der Vorfall, wegen dem der 23-jährige Burgsteinfurter auf der Anklagebank saß, vergleichsweise harmlos: Am 27. Mai dieses Jahres hatte er kurz nach Mitternacht einem 26-jährigen Ochtruper das Wort „Hurensohn“ in die Motohaube gekratzt.

Auto des Neuen der Ex-Freundin

„Ich war betrunken – ich habe sogar das Wort falsch geschrieben, wie ich gehört habe“, berichtete der Angeklagte das Geschehen der Nacht, das er nie bestritten hatte.

Zwischen ihm und dem Ochtruper habe es eine Vorgeschichte gegeben: Er vermutete, dass der 26-Jährige eine Beziehung zu seiner Ex-Freundin hätte. Und ihm wohl einen gemeinsamen Bekannten „ausgespannt“ hätte. Als der Ochtruper diesen in jener Nacht nach Hause brachte, habe er Rot gesehen. „Und dann habe ich die Scheiße gebaut.“

Zahlreiche Vorstrafen

Was an sich als Zoff unter jungen Männern abgetan und mit einer kleinen Geldbuße hätte geahndet werden können, erhielt durch die Vorstrafen des 23-Jährigen Brisanz: Seit 2010 ist er immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt geraten und sammelte dabei neun Einträge ins Strafregister, unter anderem mehrfach wegen Körperverletzungen.

Keine positive Sozialprognose

Aktuell steht er noch unter einer laufenden Bewährung. „Sie wissen schon, dass Sie ein bisschen aufpassen müssen?“, fragte der Richter deshalb.

Der 23-jährige Vater von zwei Kindern beteuerte zwar, sein Leben in den Griff bekommen zu wollen – allerdings hatte sein Bewährungshelfer da so seine Zweifel: „Sie haben seit Monaten jede Kontaktaufnahme mit mir verhindert. Ich kann Ihnen keine positive Sozialprognose ausstellen.“

Nach längeren Beratungen mit dem Bewährungshelfer kamen Staatsanwältin und Richter zu dem gleichen Schluss, es noch einmal ohne Gefängnisstrafe zu versuchen.

100 Stunden „freie Arbeit“ zur Strafe

Die Staatsanwältin beantragte eine Geldstrafe von 700 Euro, in seinem Urteil verhängte der Richter jedoch eine weitere Haftstrafe von drei Monaten, ausgesetzt zur Bewährung. Außerdem soll der Angeklagte 100 Stunden „freie Arbeit“ ableisten, um den Arbeitsalltag zu „üben“.

„Sie sind ja grundsätzlich in der Lage zu arbeiten – Ihnen fehlt nur die Kondition nach hinten raus“, meinte der Richter angesichts einiger abgebrochener Versuche des Angeklagten, im Arbeitsleben Fuß zu fassen.

In Bezug auf die neuerlich zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafe warnte er: „Es ist für Sie langsam Spitz auf Knopf. Da muss sich was ändern – noch mal gibt es keine Bewährung!“

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