Prozess um getötete Flüchtlingshelferin
Richter verhängen 13 Jahre Haft

Münster/Ahaus -

Eine Flüchtlingshelferin wird vor ihrem Haus erstochen. Der Täter flieht anschließend in die Schweiz. Jetzt ist der Asylbewerber zu 13 Jahren Haft verurteilt worden.

Mittwoch, 11.10.2017, 15:10 Uhr

Prozess um getötete Flüchtlingshelferin: Richter verhängen 13 Jahre Haft
Der Angeklagte (l.) sitzt zur Urteilsverkündung im Landgericht in Münster neben seinem Anwalt Andreas Tinkl. Foto: dpa

Zu 13 Jahren Gefängnis wegen Totschlags hat das Landgericht am Mittwoch einen Asylbewerber verurteilt, der im Februar eine 22 Jahre alte Studentin aus Ahaus erstochen hat. Angeklagt war der 28-Jährige wegen Mordes.

Die Staatsanwältin hatte am Ende der Beweisaufnahme für eine lebenslange Haftstrafe plädiert. Zudem sollte die Strafkammer die besondere Schwere der Schuld feststellen, um eine Haftentlassung nach frühestens 15 Jahren auszuschließen. Die Strafkammer urteilte anders: Vor allem seien die in diesem Fall die möglichen Mordmotive „Heim­tücke“ und „niedere Beweggründe“ nicht erfüllt, erklärte die Vorsitzende Richterin.

Dem Nigerianer sei nachgewiesen, dass er die Studentin der sozialen Arbeit und ehrenamtliche Flüchtlingshelferin spät abends auf einem Gehweg mit 22 Messerstichen umgebracht habe.

Die junge Frau, die in ­Enschede studierte und in Ahaus lebte, habe kurze Zeit ein Verhältnis mit dem Nigerianer gehabt. Tatmotive seien möglicherweise „enttäuschte Liebe, Verzweiflung oder exklusive Besitzansprüche“ gewesen, so die Richterin.

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Dass er der Frau geplant aufgelauert und sie zum Beispiel mit dem Messer direkt angefallen habe, sei nicht ­sicher. Ebenso wenig, wann und wo genau Opfer und Täter sich an dem Abend begegnet seien. Die junge Frau habe nicht unbedingt „arg- und wehrlos“ als ein entscheidendes Kriterium für „Heimtücke“ sein müssen – möglicherweise habe sie sich mit dem Angeklagten zu einer erneuten Aussprache verabredet. Der Nigerianer hatte im Verfahren weder etwas zur Tat noch zu seiner Biografie gesagt.

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