Nach Sturmtief „Sebastian“ Bahn fährt wieder

Münsterland -

Schwere Sturmböen entwurzeln Bäume und werfen Baugerüste um, mindestens zwei Menschen werden davon erschlagen. Bei der Bahn sind viele Strecken blockiert. An der Nordsee fallen etliche Fähren aus. Ein früher Herbststurm hat Deutschland erreicht. Auch am Donnerstagmorgen bekommen Pendler im Norden die Folgen des Sturms noch zu spüren. Im Südwesten rechnet der Deutsche Wetterdienst mit den nächsten Unwettern.

Von dpa
Sturm Sebastian in Ahlen. Foto: Tegeler
Die Feuerwehr war am Mittwoch den ganzen Tag im Einsatz um die Schäden von Sturmtief "Sebastian" zu beheben. Hier beseitigten Einsatzkräfte einen umgestürzten Baum, der eine Straße in Ahlen blockierte. Foto: Sabine Tegeler

Nach dem ersten großen Herbststurm des Jahres müssen Pendler im Berufsverkehr in Norddeutschland auch am Donnerstagmorgen noch mit den Folgen kämpfen. Nach Angaben der Deutschen Bahn sind im Norden weiterhin vier Strecken gesperrt, auf einigen weiteren waren nur einzelne Gleise befahrbar. Derweil warnte der Deutsche Wetterdienst (DWD) für Donnerstag mit Unwettern im Südwesten Deutschlands. In den Morgenstunden könnte es im südlichen Hessen, Teilen Baden-Württembergs, in Rheinland-Pfalz und dem Saarland zu Dauerregen mit Hochwasser, Überschwemmungen und Erdrutschen kommen.

Sturmtief „Sebastian“ hatte am Mittwoch in Nordrhein-Westfalen mindestens zwei Todesopfer gefordert. Ein vom Sturm entwurzelter Baum erschlug im Hochsauerlandkreis einen Mann. Der 53-Jährige führte am frühen Mittwochnachmittag bei Brilon Vermessungsarbeiten an einem Wald aus, als das Unglück geschah. Eine etwa 20 Meter hohe Fichte fiel auf ihn. Der Bauleiter fand den Mann und alarmierte den Rettungsdienst, teilte die Polizei mit. Die Bergung gestaltete sich wegen des starken Windes sehr schwierig. Ein weiterer Baum fiel um. In Hamburg wurde ein Mann von einem Baugerüst erschlagen.

Im Kreis Gütersloh sind zwei Autoinsassen schwer verletzt worden, als ein Baum auf den fahrenden Kleinwagen stürzte. Die 58 Jahre alte Fahrerin und ihr 63-jähriger Beifahrer wurden eingeklemmt, teilte die Polizei mit. Feuerwehrmänner beseitigten den Baum, der in Marienfeld umfiel. Die Einsatzkräfte befreiten die nicht lebensgefährlich verletzten Insassen und brachten sie in Krankenhäuser. Im ebenfalls zum Kreis Gütersloh gehörenden Brockhagen beschädigte ein umfallender Baum zwei Autos erheblich. Die Fahrer blieben aber unverletzt.

Zersplitternde Glastür verletzt Frau in Münster

In Münster wurde eine Frau wurde durch eine zersplitternde Glastür verletzt. Der Wind erfasste Dachziegel und entwurzelte Bäume. Autos wurden beschädigt.

Auch im Kreis Steinfurt gingen viele Anrufe bei der Polizei ein. Zwei Frauen wurden bei einem Aquaplaning-Unfall verletzt. In der Gemeinde Lotte stürzte ein Baum auf ein Wohnhaus. „Sebastian“ richtete am Mittwoch auch in anderen Teilen des Landes Schäden an Autos und Gebäuden an. Neben Bäumen fielen Werbetafeln, Bauzäune und Wahlplakate um. Auch Telefonleitungen wurden beschädigt. Auf Straßen und einer Reihe von Schienenwegen war Geduld gefragt. „Sebastian“ behinderte den Fernverkehr der Deutschen Bahn. Nach Auskunft eines Unternehmenssprechers waren mehrere IC-Linien betroffen. So konnte der Intercity von Köln nach Norddeich am Nachmittag wegen Sturmschäden in Niedersachsen nicht fahren.

Fernverkehr erheblich beeinträchtigt

Auch Fernverkehrsverbindungen durch das Ruhrgebiet über Münster in Richtung Hamburg und Ostsee waren betroffen. Zum Teil wurden Züge in Dortmund abgestellt, andere IC wurden über Hannover umgeleitet.

Die Bahn sowie der private Anbieter Metronom rechnen auch am Donnerstag mit Verspätungen bei vielen Verbindungen. Die Strecken Hamburg-Flensburg (RE7), Kiel-Husum (RE74), Kiel-Rendsburg (RB75) und Lübeck-Puttgarden (RB85) blieben zunächst gesperrt. Engpässe gab es am Morgen zudem auf den Strecken Bremen-Oldenburg und Bremen-Norddeich, teilte ein Sprecher der Bahn mit. Da etwa in der Nähe von Delmenhorst nicht alle Gleise befahrbar seien, komme es dort auch zu Verspätungen für den Fernverkehr.

Auch Verbindungen von und nach Rostock waren von den Sturmfolgen betroffen. Der Betreiber Metronom teilte am Mittwochabend mit, dass zwischen Hamburg und Stade sowie zwischen Stade und Cuxhaven kein Zugverkehr möglich sei. Auf den weiteren Strecken sei mit Verspätungen zu rechnen.

Bereits am Mittwochmorgen war bei Gummersbach ein Zug mit einem Geäst kollidiert. Die Reisenden mussten in Busse umsteigen. Die Strecke blieb zwei Stunden gesperrt. Zwischen Gruiten und Solingen mussten am Morgen Züge über Wuppertal und Düsseldorf umgeleitet werden. Ein Streckenstück bei Drensteinfurt im Münsterland war wegen eines umgefallenen Baumes zeitweise nur eingleisig befahrbar.

Wegen der starken Windböen schloss der Wuppertaler Zoo am Mittag zwischenzeitlich seine Pforten. Die Duisburger Polizei meldete am Mittag eine größere Zahl wetterbedingter Einsätze im Stadtgebiet. Mehrere geparkte Autos wurden durch herabfallende Äste beschädigt.

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Sturmschäden beseitigen

Die Bahn setzte nach eigenen Angaben Hunderte Mitarbeiter ein, um die Sturmschäden zu beseitigen. So mussten Bäume von den Gleisen geräumt und beschädigte Oberleitungen repariert werden. Für gestrandete Passagiere stellte die Bahn Hotelzüge in den Bahnhöfen von Bremen, Dortmund, Hamburg und Hannover bereit. Dort konnten Reisende übernachten. Das Technische Hilfswerk habe Decken organisiert, sagte ein Bahnsprecher. Außerdem seien die Reisenden mit Suppen und Getränken versorgt worden.

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