Martin Wabnik unterrichtet mit Filmchen im Internet Mathe mit Äpfeln und Männeken

Greven -

Mathe ist ein Buch mit sieben Siegeln? Das muss nicht sein, meint der Mathematiker Martin Wabnik aus Greven – und erklärt per Video die Welt der Zahlen und Kurven.

Von Günter Benning
Die Holzfigur im Vordergrund ist in vielen Videos von Martin Wabnik dabei. Die Äpfel auch. Um Mathematik verstehbar zu machen, braucht man mitunter schon kleiner optische Helfer.
Die Holzfigur im Vordergrund ist in vielen Videos von Martin Wabnik dabei. Die Äpfel auch. Um Mathematik verstehbar zu machen, braucht man mitunter schon kleine optische Helfer. Foto: Günter Bening

Alle, die noch nie Lust auf Mathe hatten, sollten jetzt weiterlesen. Martin Wabnik (50) kann sie nämlich gut verstehen: „Meiner Meinung nach wird Mathematik nicht richtig erklärt“, sagt der Diplom-Mathematiker in seinem Filmstudio am Grünen Weg. Er hat dafür seine eigene Methode entwickelt: Nachzusehen in rund 2500 Videos.

Ein Hinterhof, eine unscheinbare Klingel, es öffnet der gebürtige Recklinghäuser, der in Bochum und Münster Mathe studiert hat. Auf Diplom. „Lehrer“, sagt er, „wollte ich nicht werden.“

Wabnik setzt sich an einen langen Tisch, vor sich eine Schale Äpfel, eine Holz-Männeken, große Notizzettel. Viel mehr braucht er nicht für seine Videos.

„Ich benutze dramaturgische Mittel aus dem Film“, sagt er und lässt ein Video ablaufen. Irgendein mathematisches Problem: „Sehen Sie das Licht rechts?“, fragt er, „und die Holzfigur fällt gleich auf die Äpfel.“

Zehn Mathe-Videos am Tag

Er hat mathematische Logik studiert. Die Probleme, um die es da geht, findet er spannend. „Und die Schüler müssen schon begreifen, warum Sätze richtig sind“, sagt er, „ich zeige, dass es wirklich funktioniert.“ Vielen Lehrern gelinge das nicht, den Frust spürt er bei all den Schülern, denen er neben seiner Filmerei noch Nachhilfeunterricht gibt. Die „Welt“ nannte Wabnik vor Jahren Deutschlands „wohl fleißigsten virtuellen Pädagogen“.

Wabnik Berufsweg war uneben. Nach dem Mathestudium hat er nach eigenen Angaben als Balletttänzer am Stadttheater gearbeitet. „Kann man sich heute nicht mehr vorstellen“, schmunzelt er. Klavier hat er auch gespielt und eine Zeit lang als Schwertransportbegleiter gejobbt. Vor zehn Jahren hat er dann mit dem Filmen angefangen, nachdem er sein eigenes Nachhilfeinstitut gegründet hatte.

Die Schlagzahl war zunächst hoch. „Zehn Videos am Tag“, sagt er. Heute schafft er gerade einmal eines. Dafür ist seine Technik professionell, in der Halle nebenan ist ein Moderationstisch aufgebaut, Scheinwerfer schaffen einen Lichtkegel wie im Profi-Sender. Für seine Videos engagiert er einen Kameramann und einen Cutter.

Nachhilfe gegen Monatsgebühr

Neuerdings moderiert auch eine ehemalige Schülerin einige Videos mit: „Sie ist die sympathische Figur“, sagt der Mathe-Könner, „ich der Unsympathische.“ Fünf bis sieben Minuten dauert so ein Clip, dann sollte ein Mathe-Problem erklärt sein. Mit Salzteig und Keksen, wenn es sein muss. „Er könnte auch in der Sendung mit der Maus auftreten“, meinte einst das Focus-Magazin.

Martin Wabnik hat zwar einen Youtube-Kanal . Aber da sieht man ihn etwa bei den Dreharbeiten zu einem Krimi im Altenberger Eiskeller. Das macht er nämlich auch noch.

Zum Thema

Hier die Internetseite der Mathematikwerkstatt von Martin Wabnik

Seine Mathe-Videos stehen allesamt auf der Internet-Plattform „sofatutor.com“ . Wer auf sie zugreifen will, muss Monatsgebühr zahlen. „Youtube lohnt sich wirtschaftlich nicht“, sagt Wabnik, „niemand ist bereit, bei Mathevideos vorher Werbung zu sehen.“

Sofatutor ist dagegen ein professionelles Angebot, bei dem ein Stamm pädagogischer Mitarbeiter jedes Video kontrolliert. Die Filme sind nach den Lehrplänen der Bundesländer sortiert. Wabnik: „Es gibt auch Lehrer, die die Videos im Unterricht zeigen.“

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