Interview Nabu-Expertin: „Wolf trägt zum ökologischen Gleichgewicht bei“

Münster/Düsseldorf -

Wenn der Wolf kommt, bringt er Probleme mit – da sind sich Landwirte, Jagd-Verpächter und Naturschützer einig. Doch sie wollen unterschiedlich damit umgehen. Redaktionsmitglied Gunnar A. Pier hat Katharina Stenglein gefragt, Wolf-Expertin beim Naturschutzbund in Düsseldorf.

Von Gunnar A. Pier
 Katharina Stenglein
 Katharina Stenglein Foto: Nora Scholpp

Frau Stenglein , brauchen wir in Westfalen den Wolf?

Stenglein: Rein biologisch betrachtet macht es auf jeden Fall Sinn, auch in Westfalen größere Beutegreifer wie Luchs und Wolf wieder anzusiedeln. Sie tragen zu Gesundung, Stabilität und zum ökologischen Gleichgewicht bei.

Wie das?

Stenglein: In unseren Wäldern herrscht eine viel zu hohe Wilddichte. Da wird der Wolf helfen, der hauptsächlich Rehwild jagt.

Da werden die Jäger erwidern: „Das tun wir doch!“

Stenglein: Tatsächlich kümmern sich die Jäger darum, aber das reicht offensichtlich nicht aus. Die Häufung von Schäden belegt das.

Verstehen Sie denn die Sorgen der Jäger und Landwirte?

Stenglein: Jäger sagen häufig, dass die Jagdstrecken zurückgehen. Die Erfahrung zeigt aber, dass die Abschüsse gleich bleiben, auch wenn der Wolf als Konkurrent da ist. Bei den Nutztierhaltern sind besonders die Besitzer von Schafen und Ziegen betroffen. Da stehen auf jeden Fall Veränderungen an. Deshalb sind Präventionsmaßnahmen notwendig, die auch besser als derzeit gefördert werden müssen. Es ist gesellschaftlich gewünscht, dass der Wolf zurückkehrt, dann muss die Gesellschaft auch zusehen, dass das nicht auf Kosten Einzelner passiert.

Was meinen Sie da zum Beispiel?

Stenglein: Präventionsmaßnahmen wie Schutzzäune und die Anschaffung von Herdenschutzhunden werden nur in Wolfsregionen bezuschusst. Wir haben aber in Nordrhein-Westfalen keinen territorial lebenden Wolf nachgewiesen.

Warum wird die Rückkehr des Wolfs so emotional diskutiert? Der Luchs hingegen ist ja kaum ein Thema . . .

Stenglein: Das kann ich mir auch nicht so recht erklären. Es hat sicherlich mit den alten Märchen zu tun. Da wird der Wolf immer als negativ dargestellt – aber auch irgendwie mythologisch.

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